Wirbel um TV-Moderator Wickert nimmt Vergleich von Bush und Bin Laden zurück

Was haben der amerikanische Präsident und der Terroristenführer Osama Bin Laden gemeinsam? Intolerante Denkstrukturen, schreibt "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert in einem "Max"-Beitrag - und zog damit den Zorn der CDU auf sich. Am Abend nahm Wickert seine Äußerung zurück.


Scharfe Kritik an Ulrich Wickert
NDR

Scharfe Kritik an Ulrich Wickert

Hamburg - Der Tagesthemen-Moderator entschuldigte sich am Mittwochabend für seine "missverständliche und misslungenen" Äußerungen über US-Präsident George Bush öffentlich. Zugleich wies er die Vorwürfe zurück, er habe Bush mit dem islamischen Extremisten Osama Bin Laden verglichen. "Ich vergleiche den Führer der freien Welt nicht mit dem Drahtzieher des internationalen Terrorismus", betonte Wickert in einer Erklärung, die er auch in den ARD-"Tagesthemen" verlas.

Scharfe Angriffe der Union

Zuvor hatte die Union eine Entschuldigung für einen Beitrag Wickerts in der Zeitschrift "Max" verlangt, in dem es heißt: "Bush ist kein Mörder und Terrorist. Aber die Denkstrukturen sind die gleichen." Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sagte der "Bild"-Zeitung, sollten die Äußerungen zutreffen, dann sei Wickert "absolut nicht mehr tragbar als Nachrichtenmoderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen".

Wickert verwies nun darauf, dass der kritisierte Satz lediglich seine Interpretation einer Äußerung der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy gewesen sei. Sie habe erklärt: "Osama Bin Laden ist das amerikanische Familiengeheimnis, der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten." Dieser Satz sei ungeheuerlich, doch da ihn die wichtigste Autorin Indiens schreibe, habe er sich überlegt, was sie damit meinen könnte, sagte der Moderator. Seine Formulierung sei aber offenbar missverständlich und misslungen. "Dafür entschuldige ich mich, und ich nehme sie mit Bedauern zurück", erklärte Wickert.

In dem "Max"-Beitrag warf der Journalist gleichwohl Bush vor, intolerant zu sein. Der US-Präsident rufe zum Feldzug unter dem Motto "unendliche Gerechtigkeit" auf, ohne daran zu denken, dass dies jeden Gläubigen zumindest im Islam beleidigen müsse. Denn die "unendliche Gerechtigkeit" stehe nur Allah zu.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.