Witzfigur Podolski und DFB gegen ARD

Schluss mit lustig: Eine Comedy-Show beim WDR-Jugendsender "EinsLive" nimmt Nationalstürmer Lukas Podolski auf den Arm. Der Spaß gehe inzwischen zu weit, meint der Fußballer, und redet nicht mehr mit der ARD. Der DFB will ihn bei einer Klage unterstützen.


Berlin - "Stellt euch mal vor, ihr wärt Fußballstar. Ihr würdet jede Menge erleben, die ganze Welt bereisen, essen, trinken - solche Sachen eben. Egal, was ihr tätet - ihr würdet doch auch alles in euer Tagebuch schreiben, oder? Poldi tut's auch!" Was auf der Website von "EinsLive", dem Jugendsender des WDR, angepriesen wird, ist freilich ein fiktives Tagebuch. Ein Comedy-Format mit einem Podolski-Stimmenimitator, der den Fußballer dümmlich lachend widergibt: "Lieber Tagesbuch", erzählt der Podolski-Nachahmer etwa, als ihn Klinsmanns "Du bist Deutschland, Lukas!" verwirrt: "Ich so zu Klinsi, nä, ey Jürgen, nä, ich bin doch nicht Deutschland, nä... Vollidiot, nä, ich bin Lukas! Außer manchmal, nä... da bin ich müde...nä..."

Fußballer Podolski: Schwer zu tragen am Klamauk
REUTERS

Fußballer Podolski: Schwer zu tragen am Klamauk

Lukas Podolski schaltete den Berliner Medienanwalt Christian Schertz ein, der gegen die Hörfunk-Satire vorgehen soll. Der Anwalt hat eine Unterlassungsklage eingereicht. "Ich verstehe natürlich Spaß", sagte der 21-jährige Fußballer, aber das sei ein Schlag "unter die Gürtellinie. Deshalb gehe ich dagegen vor."

Der WDR hingegen findet nicht, dass die Satire zu weit geht. Trotz Unterlassungsbeschwerde werde die Serie, die inzwischen 17 Folgen hat, fortgesetzt: Die "karikierende und humoristische Ansprache Prominenter aus Sport und Politik" findet eine "hohe positive Resonanz" beim Jugendsender "EinsLive", entgegneten die WDR-Juristen - auch wenn der WM-Teamchef des ARD-Fernsehens, Heribert Faßbender (WDR) laut "Bild"-Zeitung sagte: "Über Geschmack kann man streiten. Bei mir würde die Serie nicht laufen."

Podolski bekam heute Unterstützung vom DFB: Dessen Mediendirektor, Harald Stenger, sagte: "Hier wird unter dem Deckmantel der Comedy jemand beleidigt. Lukas wird in eine Ecke gedrängt, in die er nicht gehört. Da fehlt uns jedes Verständnis. Deshalb unterstützen wir Lukas in seinen Bemühungen, gegen die Verunglimpfung vorzugehen." Bis die Streitigkeiten zwischen ihm und der ARD geklärt sind, will der Fußballer dem öffentlich-rechtlichen Sender kein Interview mehr geben.

Dass Fußballer ein beliebtes Ziel für Satire sind, haben bereits viele Kicker am eigenen Leib erfahren. Mario Basler war lange eine Witzfigur, weil er sich bisweilen unglücklich ausdrückte ("Ich lerne nicht extra Französisch für Spieler, wo dieser Sprache nicht mächtig sind"), Lothar Matthäus und Franz Beckenbauer sorgten als schräge Gummipuppen in der TV-Satire "Hurra Deutschland" während der WM 1998 für Einschaltquoten von bis zu 58 Prozent. Auch über Trainer Giovanni Trapattoni  und seine rudimentären Deutschkenntnisse machten sich viele lustig - bis er mit seinem "Ich habe fertig!" ein Werbestar für Mineralwasser und Joghurt wurde.

abr/reuters



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