Wochenmagazin "Focus" Wolfram Weimer verlässt Chefredaktion

Der König ist tot, es lebe der König: Der erst vor einem Jahr angetretene "Focus"-Chefredakteur Wolfram Weimer nimmt seinen Hut. Uli Baur, ein Ziehkind von Herausgeber und Gründer Helmut Markwort, wird das Magazin zukünftig allein führen.

Wolfram Weimer verlässt den "Focus" und widmet sich "neuen Projekten".
dapd/ FOCUS-Magazin

Wolfram Weimer verlässt den "Focus" und widmet sich "neuen Projekten".


Hamburg/München - Er sollte der Erneuerer sein - doch schon nach einem Dreivierteljahr ist es vorbei für Wolfram Weimer. Der 46-Jährige, der vom konservativen Coffeetable-Magazin "Cicero" nach München gekommen war, überlässt die Chefredaktion des "Focus" seinem Co-Chefredakteur und - so wurde vielerorts gemutmaßt - internen Gegenspieler Uli Baur. Weimer hatte versucht, das Blatt vom reinen Fakten- und Service-Journalismus weg und mehr in Richtung politisches Feuilleton zu bringen. Er wolle "neben der Fakten-Welt die Welt der Relevanz" betonen, hatte Weimer im Interview mit der "Frankfurter Rundschau" erklärt, und "einer urbanen Führungselite einen Resonanzboden für ihre Lebenswelt" bieten.

Weimer war im März vergangenen Jahres von der Zeitschrift "Cicero" aus dem Hause Ringier zum "Focus" aus dem Burda-Verlag gewechselt und hatte im Sommer den Gründer Helmut Markwort als Chefredakteur abgelöst. Nun bleibt Uli Baur alleinverantwortlich Chefredakteur.

Dankbar für die geleistete Arbeit

Erst am vergangenen Mittwoch hatte Burda auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") hin dementiert, dass es einen Machtkampf gebe zwischen Weimer und Baur, der als Vertrauter vom Markwort gilt: "Die beiden sind ein erfolgreiches Team - das belegen auch die Zahlen. Die von der "SZ" aufgeworfene Frage stellt sich also nicht", hieß es aus dem Hause Burda.

Nach offizieller Sprachregelung geht die Trennung vom Focus auf die Entscheidung von Weimer selbst zurück. Wie der Burda-Verlag am Dienstag mitteilte, will sich Weimer neuen Projekten zuwenden. Er werde die Burda News Group und deren Geschäftsführer Burkhard Graßmann auch in Zukunft beraten und dabei in erster Linie die strategische Allianz mit dem "Economist" ausbauen, hieß es weiter.

"Sowohl der Verleger als auch Vorstand und Geschäftsführer des 'Focus' sind Dr. Wolfram Weimer dankbar für die geleistete Arbeit und sein großes Engagement bei der Positionierung des 'Focus'", heißt es in einer Pressemitteilung von Burda. "Der von ihm begonnene Weg der inhaltlichen Erneuerung wird mit aller Konsequenz weiter verfolgt."

twi/dapd



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.