World Press Photo Award für John Stanmeyer Das ist das Pressefoto des Jahres

Dunkle Gestalten am Strand, leuchtende Displays gen Himmel erhoben: Der Preis für das Pressefoto des Jahres geht an den Amerikaner John Stanmeyer. Seine Aufnahme zeigt afrikanische Migranten - weder romantisiert noch pathetisch, befand die Jury.

John Stanmeyer/ VII/ National Geographic

Hamburg - Afrikanische Migranten am nächtlichen Strand von Dschibuti: Mit diesem Bild hat der US-Amerikanische Fotograf John Stanmeyer den diesjährigen World Press Photo Award gewonnen. Die Männer stehen an der Küste und recken ihre Mobiltelefone in die Höhe, um Empfang zu bekommen und ihre Verwandten kontaktieren zu können. Das Bild gäbe den Migranten Würde statt sie zu romantisieren, wie es sonst bei diesem Thema häufig der Fall sei, sagte Jurymitglied Susan Linfield zur Begründung.

Stanmeyer gelang die Aufnahme im Februar vergangenen Jahres. Der Strand von Dschibuti ist ein Knotenpunkt für Migranten aus Somalia, Äthiopien und Eritrea. Die Belichtung erfolgte ausschließlich durch das Mondlicht und die Display-Beleuchtung der hochgehaltenen Handys. Stanmeyer arbeitet für die US-Fotoagentur VII, deren Gründer Gary Knight Vorsitzender der 19-köpfigen Jury war. Der im US-Bundesstaat Illinois geborene Fotograf hatte das preisgekrönte Bild für das Magazin "National Geographic" aufgenommen.

Im Anschluss an die Ehrung sagte Stanmeyer: "Dieses Foto ist poetisch, es spricht uns alle an". Es zeige einfach Leute, die ihre Lieben anrufen wollen. "Das könnten Sie oder ich oder irgendjemand anders sein." Auf der Webseite des Fotografen heißt es, das Bild drehe sich um "soziale Ungleichheiten, die Ausrottung der Armut in der Welt und Menschenrechte".

Der World Press Photo Award wurde am Freitag zum 57. Mal vergeben. Er ist der international wichtigste Preis für Pressefotografie und der weltgrößte Wettbewerb seiner Art. Neben dem "Foto des Jahres" prämierte eine Fachjury herausragende Arbeiten aus neun Kategorien von 53 Fotografen aus 25 Ländern. Zu diesem Wettbewerb hatten mehr als 5700 Fotografen rund 98.000 Fotos eingeschickt.

Im vergangenen Jahr hatte die Verleihung des Fotopreises für Aufsehen gesorgt. "Photo of the Year" wurde ein Bild des schwedischen Fotografen Paul Hansen. Die Aufnahme zeigt eine Gruppe von Männern, die zwei tote Kinder durch Gaza-Stadt trägt. Hansen hatte für die schwedische Tageszeitung "Dagens Nyheter" die Zerstörungen der Israelis und das Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza dokumentiert und das gekürte Foto am 20. November 2012 dort gemacht.

Im Anschluss an die Ehrung behaupteten jedoch mehrere Webseiten und Blogs, das Bild sei mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop manipuliert oder aus mehreren Aufnahmen zusammengeschnitten worden. Letztlich musste die Jury einräumen, dass das Bild nachbearbeitet worden war, erkannte den Preis aber dennoch nicht ab.

Die in den Niederlanden ansässige World-Press-Photo-Stiftung ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die 1955 gegründet wurde.

vks/Reuters



insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Maulwürfin 14.02.2014
1. sinnfrei
mir völlig schleierhaft warum man Fotos nich bearbeiten sollen dürfte. Weder heute noch zu Analogzeiten gaben Profis Rohmaterial raus. Jedes dieser Bilder is zumindest leicht angepasst und das is auch gut und richtig so :-) wie immer großartige Fotografie wie man's vom WPPA gewohnt ist. Ein Augenschmaus :-)
philbird 14.02.2014
2. optional
Ein paar tolle Bilder...das Siegerfoto würde in Photografie-Studium allerdings wahrscheinlich verrissen. Es bleibt alles höchst subjektiv.
johann_krautmann 14.02.2014
3.
Ich merke, ich bin ein Kunstbanause. "Leute mit Handys." Seh ich auf jeder Straße von Hamburg bis Honolulu.
Bassment 14.02.2014
4. Bildunterschriften
Liebe Lektoren, bitte einmal die Bildunterschriften korrigieren. Hier und da sind Buchstaben zu viel, bzw. zu wenig.
LH526 14.02.2014
5. optional
Zwischen Bearbeiten und Manipulieren liegen unterschiede ... Bearbeiten ist in meinen Augen, wenn ich Helligkeit, Kontrast, Farbstimmung etc anpasse, alles also auic Teil des Handwerks, wie es früher in analogen Zeiten über Abwedeln, etc ebenfalls gängige Praxis war. Nicht rechtens ist manipulation druch retusche, klonen und Säubern des Bildes
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.