World Press Photo Award Foto-Oscar für Bild einer verstümmelten Afghanin

Der Oscar der Pressefotografie geht an Jodi Bieber. Die südafrikanische Fotografin wurde in Amsterdam mit dem World Press Photo Award für das "Foto des Jahres" 2010 prämiert, für das Porträt einer verstümmelten Afghanin.

Jodi Bieber/ Institute for Artist Management for Time

Hamburg/Amsterdam - Es ist ein Foto, das aufwühlt und erschüttert: Das Porträt einer verstümmelten Afghanin ist das Pressebild des Jahres 2010. Aufgenommen hat es die südafrikanische Fotografin Jodi Bieber. Es zeigt die 18-jährige Bibi Aisha. Sie war aus dem Haus ihres Ehemanns zurück zu ihrer Familie geflohen, nachdem ihr Mann ihr gemeinsam mit ihrem Schwager die Nase und beide Ohren abgeschnitten hatte. Mittlerweile lebt Aisha in den USA, wo sie sich einer kosmetischen Operation unterziehen konnte.

Das schockierende und längst weltberühmte Foto war das Titelbild der "Time"-Ausgabe vom 1. August 2010. Das Foto sei ein "unglaublich starkes Bild, das eine eindrucksvolle Botschaft aussendet", hieß es zur Begründung der Auszeichnung. Jeder betrachte erfasse sofort, was es ausdrücke und bedeute, sagte Jury-Vorsitzer David Burnett.

Beim World Press Photo Award wird traditionell eine breite Auswahl der verschiedensten fotografischen Themenbereiche ausgezeichnet. Die prämierten Aufnahmen des Jahres 2010 zeigen somalische Flüchtlinge beim Schlaf in der Wüste, oder ein Großfeuer und Leichen nach dem Erdbeben auf Haiti ebenso wie ein besonders brutales Foul während der Fußball-WM in Südafrika. Auch deutsche Fotografen sind unter den Gewinnern, so Reinhard Dirscherl mit einer Unterwasseraufnahme von Fischen vor Yucatán und Wolfgang Hahn mit seinem Bild einer jungen Frau, die sich für ein soziales Netzwerk selbst fotografiert.

Davide Monteleone hat Models bei der Modewoche in Mailand aufgenommen, Joost van den Broek einen jungen russischen Matrosen auf dem Segelschiff Kruzenshtern. Auch ein Porträt von Julian Assange ist unter den Gewinnerbildern.

Der World Press Photo Award, der am Freitag zum 54. Mal vergeben wurde, ist der Oscar der Pressefotografie. Neben dem "Foto des Jahres" werden herausragende Arbeiten in insgesamt neun Kategorien ausgezeichnet. Die in den Niederlanden ansässige verantwortliche World Press Photo-Stiftung ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die 1955 gegründet wurde.

Fünf Gruppen von insgesamt 19 Juroren unter dem Vorsitz des amerikanischen Fotografen David Burnett bestimmten die verschiedenen Gewinner. Die eingereichten Fotos werden dabei nach ihrem Nachrichtenwert und der kreativen Leistung des Fotografen bewertet. 2011 wurden 108.059 Fotografien aus 125 Ländern eingereicht.

Insgesamt zeichnete die Jury in neun Kategorien 56 Fotografen aus 23 Ländern aus. Das Pressefoto des Jahres ist mit 10.000 Euro dotiert. Alle Siegerfotos werden vom 22. April bis 7. Mai in der Oude Kerk im Zentrum von Amsterdam ausgestellt.

sha/dpa



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