World Press Photo Award Verschleiertes Leid - das Pressefoto des Jahres

Der weltweit wichtigste Preis für Pressefotografie geht an den Spanier Samuel Aranda. Sein Bild einer verschleierten Jemenitin, die einen verletzten Verwandten im Arm hält, wurde in Amsterdam mit dem World Press Photo Award für das Pressebild des Jahres prämiert.

Samuel Aranda /Corbis/ The New York Times

Hamburg/Amsterdam - Das Pressebild des Jahres 2011 ist Samuel Arandas Aufnahme einer verschleierten Muslimin, die einen verletzten Verwandten im Arm hält. Die Aufnahme entstand am 15. Oktober 2011 in einer Moschee in Jemens Hauptstadt Sanaa am Rande einer Demonstration gegen den Präsidenten Ali Abdullah Salih. Das gab die Jury des World Press Photo Awards am Freitag bei einer Pressekonferenz im Rathaus von Amsterdam bekannt.

"Das Foto spricht für die gesamte Region", begründete das Jurymitglied Koyo Kouoh die Auszeichnung. "Es steht für Jemen, Ägypten, Tunesien, Libyen, Syrien - einfach alles, was im arabischen Frühlings passiert ist." Das Besondere an dem Foto sei, dass es eine private, intime Seite eines politischen Ereignisses zeige, aber auch eine Frau, die nicht nur fürsorgend, sondern auch aktiv ins Geschehen eingreife.

Wie die "New York Times" in ihrem Fotoblog "Lens" berichtete, habe es mehr als einen Monat gedauert, bis der in Barcelona lebende Aranda ungefährdet in den Jemen einreisen konnte. Der freiberufliche Fotograf hatte schon häufiger aus dem Nahen Osten, aber noch nie aus dem Jemen berichtet. "Ich hatte mir den Jemen vorgestellt wie den Irak im Jahr 2004 oder wie Afghanistan oder Pakistan: Man kann Nachts nichts ausgehen und es gibt sehr viele Vorbehalte gegen Ausländer - aber es war ganz anders: Sie lieben Ausländer". Aranda ließ sich einen Vollbart wachsen, trug einheimische Kleidung und war mit dem Motorrad unterwegs.

Samuel Aranda wurde 1979 in Barcelona geboren. Seit seinem 19. Lebensjahr arbeitete unter anderem für die spanische Tageszeitung "El Pais", später für die französische Agentur AFP. Dabei spezialisierte er sich auf die Berichterstattung von Konflikten in der arabischen Welt.

Zu dem Wettbewerb hatten 5247 Fotografen aus 124 Ländern insgesamt 101.254 Bilder eingereicht.

Den Jury-Vorsitz hatte der Brite Aidan Sullivan inne. Er ist Vizechef der Bildagentur Getty Images. Die insgesamt 19-köpfige Jury setzt sich zusammen aus Fotografen, Agenturmitarbeitern, darunter eine Vertreterin der Deutschen Presse-Agentur dpa, und Bildredakteuren von Medien wie "National Geographic" oder dem "Sunday Times Magazine".

Der World Press Photo Award, 2012 zum 55. Mal vergeben, gilt als international wichtigster Preis für Pressefotografie und als weltgrößter Wettbewerb seiner Art. Traditionell wird eine breite Auswahl der verschiedensten fotografischen Themenbereiche ausgezeichnet. In allen Kategorien, darunter beispielsweise Reportage-, Porträt-, Natur- und Sportfotografie, vergibt die Jury jeweils drei Auszeichnungen, wobei der erstplazierte Preisträger jeweils 1500 Euro erhält. Das Pressebild des Jahres wird mit 10.000 Euro honoriert.

sha

Mehr zum Thema


insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vogel0815 10.02.2012
1. Nahe Ferne.
Sie sind sich so nah, und doch so fern!
MPS 10.02.2012
2. Wow!
Zitat von sysopSamuel Aranda /Corbis/ The New York TimesDer weltweit wichtigste Preis für Pressefotografie geht an den Spanier Samuel Aranda. Sein Bild einer verschleierten Jemenitin, die einen verletzten Verwandten im Arm hält, wurde in Amsterdam mit dem World Press Photo Award für das Pressebild des Jahres prämiert. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,814463,00.html
Danke für die beeindruckende Fotostrecke!
dasistdiezukunft 10.02.2012
3.
Mich hat Bild 7 sehr berührt - schön wenn man sowas leben darf. Bei Bild 11 musste ich schmunzeln. - Sieht aber fast eher wie ein Gemälde aus, als eine Photographie.
Ronald Dae 10.02.2012
4. Streckenweiser Mangel an Qualität
Der erste Preis ist - wie so häufig bei den Awards - nicht der beste. Was mich daran iritiert, ist die fotografische Qualität. Hier wird nicht die gehobene Qualität des Fotografen prämiert, sondern die evozierte Geschichte im Kopf des Betrachters. Perfekt ist, wenn beides stimmt. Die zweite Aufnahme einer Prostituierten von Brent Stirton zeigt, wie es richtig geht: Komposition, Rembrandt-Licht, Farbe und - last not least - inhaltliche Aussage sind perfekt. Einzig die Vermutung, dass die Frau für die Aufnahme posiert stört hier. Für die Jury war eine unbewaffnete Frau wohl nicht genug, es muss das Leid eines Soldaten sein, um auf den ersten Platz zu kommen!? Wie der erste Preis in der Kategorie "Arts and Entertainment Stories" (Bild #4) zustande gekommen ist, wundert mich. Ich finde, die Juroren legen zu viel Gewicht auf das Dokumentarische und vernachlässigen die handwerkliche Kunst beim Fotografieren. Die Werke haben z.T. die Qualität von Foto-Laien. Das ist schade und vollständig. Übrigens, wer sich für Portraits interessiert, vergleichbar mit dem von Ton Koene (Bild #14), der schaut hier RONALD VOGEL - CHARACTER PORTRAITS - DAEDALUS V (http://www.daedalus-v.de).
robbitob 10.02.2012
5. "Mutter mit totem Sohn" von Käthe Kollwitz stand wohl Pate
Zitat von sysopSamuel Aranda /Corbis/ The New York TimesDer weltweit wichtigste Preis für Pressefotografie geht an den Spanier Samuel Aranda. Sein Bild einer verschleierten Jemenitin, die einen verletzten Verwandten im Arm hält, wurde in Amsterdam mit dem World Press Photo Award für das Pressebild des Jahres prämiert. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,814463,00.html
Und zeigt uns sehr gut, wie wir Menschen im Elend vereint sind und uns gleichen. „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ - steht in der Neuen Wache
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.