Wort des Jahres 2002 Teuro schlägt Jahrtausendflut

Die Gesellschaft für Deutsche Sprache hat den "Teuro" zur prägnantesten Wortschöpfung des Jahres erkoren. "Pisa-Schock" und "Jahrtausendflut" wurden auf die Plätze verwiesen.


"Kreativ und prägnant": Der "Teuro"
AP

"Kreativ und prägnant": Der "Teuro"

Wiesbaden – Kreativ und prägnant zugleich sei die Worterfindung "Teuro", argumentierten die Mitglieder der Gesellschaft für Deutsche Sprache und ernannten die Vokabel zum "Wort des Jahres 2002". Die Verbindung aus "Euro" und "teuer" bringe treffend das Gefühl vieler Menschen zum Ausdruck, dass angeblich alles teurer geworden sei, nachdem die Euro-Münzen am 1. Januar 2002 in Umlauf kamen.

Platz zwei auf der Liste der Jahreswörter belegt der "Pisa-Schock", auf Rang drei kam die "Jahrtausendflut". Auch ein "Satz des Jahres" wurde von den Sprachforschern gekürt. Er stammt von der Fußball-WM in Südkorea und Japan: "Es gibt nur ein Rudi Völler" - mit diesem Ausruf habe man dem Architekten der Vize-Weltmeisterschaft ein gesangliches Denkmal gesetzt, begründeten die Juroren ihre Entscheidung.

Die Gesellschaft für Deutsche Sprache ist mit dieser Wahl wieder zu ihren Wurzeln zurück gekehrt und hat eine tatsächlich völlig neue Wortkreation zum "Wort des Jahres" erkoren. 2001 hatte es starke Kritik am Laureaten "Der 11. September" gegeben. Die Kritiker argumentierten im vergangenen Jahr, dass es sich dabei weder um ein einzelnes, noch um ein tatsächlich neues Wort handele. 1971 hatte die Gesellschaft erstmals "aufmüpfig" zum Wort des Jahres gewählt. Nach einer Unterbrechung von sechs Jahren folgte 1977 die "Szene". Von da an gab es jährlich einen Preisträger.

Katastrophal, aber kein "verbales Leitfossil": Die "Jahrtausendflut"
DDP

Katastrophal, aber kein "verbales Leitfossil": Die "Jahrtausendflut"

Die Gesellschaft für deutsche Sprache versteht sich dabei als "führende staatlich geförderte Institution für Sprachwissenschaft und Bevölkerung in Deutschland". Als "Wort des Jahres" kommen nach ihren Staturen Ausdrücke in Frage, die die öffentliche Diskussion des betreffenden Jahres bestimmten, wichtige Themen bezeichnen oder aus anderen Gründen als charakteristisch erscheinen. Die Gesellschaft spricht von "verbalen Leitfossilien". Begriffe wie "Besserwessi", "Ellenbogengesellschaft" und "Schwarzgeldaffäre" gehörten in den vergangenen rund dreißig Jahren zu den Auserwählten.

Eine andere Jury um den Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser wählt zudem seit 1991 alljährlich das "Unwort des Jahres". Dafür qualifizieren sich laut Satzung "sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen". Dies erkannte die Jury beispielsweise bei "Rentnerschwemme" (1996) und "Kollateralschaden" (1999).

Alle Preisträger seit 1971

2002: Teuro
2001: Der 11. September
2000: Schwarzgeldaffäre
1999: Millennium
1998: Rot-Grün
1997: Reformstau
1996: Sparpaket
1995: Multimedia
1994: Superwahljahr
1993: Sozialabbau
1992: Politikverdrossenheit
1991: Besserwessi
1990: Die neuen Bundesländer
1989: Reisefreiheit
1988: Gesundheitsreform
1987: Aids, Kondom
1986: Tschernobyl
1985: Glykol
1984: Umweltauto
1983: Heißer Herbst
1982: Ellenbogengesellschaft
1981: Nulllösung
1980: Rasterfahndung
1979: Holocaust
1978: Konspirative Wohnung
1977: Szene
1971: aufmüpfig



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