Wort des Jahres Die "Generation@" gelangt mit dem "Doppelpass" ins "Millennium"

Es ist wieder so weit: Das Ende des Jahres nähert sich und damit werden Bestandsaufnahmen möglich. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat das Wort des Jahres ermittelt.


Wiesbaden - "Millennium" - die Bezeichnung für ein Jahrtausend - ist das letzte "Wort des Jahres" in diesem Jahrhundert. Das Fremdwort erscheine seit Monaten wie kein anderer Ausdruck in der Öffentlichkeit, begründete die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden am Freitag ihre Wahl. Es spiegele die Faszination einer "runden" Jahreszahl wider und stehe mittlerweile fast ausschließlich für das Jahr 2000. Die Bedeutung der Bestandteile Mille (Tausend) und Annum (Jahr) erschließe sich jedoch nur Lateinkundigen.

Wort des Jahres: Millennium
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Wort des Jahres: Millennium

Zu den zehn prägnantesten Wörtern dieses Jahres gehören außerdem Kosovo-Krieg, Euroland, Doppelpass, Anderkonten, feindliche Übernahme und Sofi (für Sonnenfinsternis). In der Auswahl waren auch Öko- Steuer und die Potenzpille Viagra. Wort des Jahres 1998 war "Rot-Grün".

Platz zwei belegt in diesem Jahr das Wort "Kosovo-Krieg". Der Krieg beschäftigte die deutsche Öffentlichkeit unter anderem deshalb so stark, weil es der erste deutsche Militäreinsatz der Nachkriegszeit war.

Auf Platz drei folgt mit "Generation @" ein Kunstwort, das mit dem Buchtitel "Generation X" und dem im E-Mail-Verkehr verwendeten "At-Zeichen" spielt. Es steht nach Meinung der GfdS-Jury exemplarisch für die gesellschaftlichen Veränderungen durch die neuen Medien, von denen die Sprache nicht unbeeinflusst bleibe.

Auf Rang vier kommt das schon 1998 (auf Platz neun) unter die Jahreswörter gewählte "Euroland" - eine Reminiszenz an die Einführung der Eurowährung Anfang 1999 und die wirtschaftliche Bedeutung des größer werdenden Europa. Auf Platz fünf kam das Wort "nachbessern". Wer in der Politik mit Reformentwürfen angetreten war, sah sich häufig zu Korrekturen gezwungen und musste nachbessern.

Heiß umstritten war der Vorstoß zur doppelten Staatsbürgerschaft. Dafür stand vor allem das Schlagwort "Doppelpass" (Rang sechs). Die Auseinandersetzung um Parteispenden brachte ein finanzrechtliches Fachwort ins Gespräch und auf Platz sieben: Anderkonten.

Auf Rang acht setzte die Sprach-Jury die "feindliche Übernahme" - ein Ausdruck aus der Wirtschaft, der vor allem durch den Kampf der Telekommunikations-Giganten Mannesmann und Vodafone ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet. Ein viel beachtetes Naturereignis war die totale Sonnenfinsternis am 11. August, die in der Zusammenziehung "Sofi" (Rang neun) zum Kurzwort des Jahres wurde.

Auf Platz zehn als Kontrast der Wortriese des Jahres: "Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz". Das aus 63 Buchstaben, 20 Sprechsilben und zehn Einzelwörtern zusammengefügte Ungetüm steht laut der Sprachgesellschaft für die auch 1999 immer wieder genannte Gefahr durch verseuchtes Rindfleisch. Andererseits sei es charakteristisch für eine Eigentümlichkeit der deutschen Sprache: die Wortbildung durch Zusammensetzung, mit der der deutsche Wortschatz "nahezu unbegrenzt erweitert" werden könne.



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