Zank um Michelangelo-Skulptur Alle wollen David

Michelangelos David ist vermutlich die bekannteste Skulptur der Kunstgeschichte - und ganz sicher eine der größten Touristenattraktionen von Florenz. Doch jetzt macht Rom plötzlich Ansprüche an der weltberühmten Statue geltend. Droht da Kunstraub im eigenen Land?

Die David-Skulptur von Michelangelo - plötzlich ein Römer?
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Die David-Skulptur von Michelangelo - plötzlich ein Römer?


Die berühmte David-Skulptur von Michelangelo gehört nicht der Stadt Florenz - sondern dem italienischen Staat. Das zumindest behaupten Anwälte des italienischen Kultusministeriums unter Verweis auf über 500 Jahre alte Dokumente.

Die Marmorfigur wurde 1501 für die Kathedrale der Stadt bei Michelangelo in Auftrag gegeben und befindet sich seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1504 in Florenz. Die Renaissance-Skulptur gilt als Wahrzeichen der freien Bürger der Stadt. Sie sollte den Mut und die Tapferkeit der Republik Florenz symbolisieren. Der herausfordernde, siegessichere Blick des David - so sehen es die Florentiner - richtet sich nach Rom.

Nun nimmt Rom die Herausforderung an: Das Ministerium unter Kultusminister Sandro Bondi behauptet, seit der italienischen Vereinigung 1861 gehöre die Statue nicht mehr der Stadt, sondern dem Staat. Florenz könne nicht als Nachfahre der Florentinischen Republik gelten, die zu der Zeit bestand, als Michelangelo die David-Figur fertigte. Keine der ursprünglichen Staaten und Republiken existierten heute noch - also bestünde kein Zweifel, dass David in den Besitz des Staates übergegangen sei. Zudem habe der Bürgermeister der Stadt schon 1861 den Staat als Eigentümer der Skulptur anerkannt - um zu sparen. Die Umzugskosten Davids vom Palazzo Della Signoria zu seinem aktuellen Standort, der Galerie der Akademie, stellte er der Regierung in Rechnung.

Nicht nur um die historische Wahrheit geht es - sondern um eine Menge Geld. Denn Michelangelos David ist ein Besuchermagnet. Die Statue zieht jährlich etwa 1,5 Millionen Besucher in die Galerie. Das macht über neun Millionen Euro Einnahmen.

"David gehört uns, das sagen die Dokumente", erklärt dagegen der Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi. Eine Verordnung aus der Zeit, als Rom Italiens Hauptstadt wurde, besage, dass der Stadt Florenz der Palazzo Della Signoria, der ursprüngliche David-Standort, zugeteilt wurde - einschließlich der Skulptur.

Ein Treffen der Streithähne soll die Wogen jetzt glätten. Bürgermeister Renzi freut sich schon auf ein Treffen mit Minister Bondi. Er will das Problem vernünftig aus dem Weg schaffen. Im Notfall greift er aber auch zu härteren Mitteln: "Wir sind auf einen Kampf vorbereitet, um zu beweisen, dass David uns gehört."

mad



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