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ZDF: Grenzenlose Nähe

In bisher einmaliger Weise vermischt ausgerechnet das öffentlich-rechtliche ZDF auf seinen Internet-Seiten Werbung und Inhalt. Unter dem Logo der ZDF-Sendung „Leute Heute“ verbirgt sich eine Werbekampagne der Parfümeriekette Douglas, die auch noch mit Unterstützung des ZDF entstand.

Hamburg - Das Schöne am Internet ist, dass das Ziel oft nur einen Klick entfernt liegt. Diesmal geht es um das sehr gewöhnliche Ziel des Geldverdienens. Ungewöhnlich sind nur die Beteiligten und die Methode: Das öffentlich-rechtliche ZDF ist eine Allianz mit der Parfümeriekette Douglas eingegangen, die das journalistische Trennungsgebot zwischen Werbung und Inhalt mit sommerlicher Leichtigkeit wegwischt.

Leute-heute-Seite: Verstoß gegen das Rundfunkgesetz?

Leute-heute-Seite: Verstoß gegen das Rundfunkgesetz?

Das Ergebnis ist zu bestaunen unter der Web-Adresse www.leuteheute.de. Die von Nina Ruge und Barbara Hahlweg moderierte Magazinsendung gleichen Namens hat sich das Ziel gesetzt, so die Eigenwerbung, "Information statt Sensation, Journalismus statt Voyeurismus" zu bieten. Doch mit den journalistischen Grundregeln scheinen es die Macher zumindest im Internet nicht so ernst zu nehmen. Wer auf der spartanisch gehaltenen Homepage der Sendung das "Leute heute"-Logo anklickt, gelangt zu einer weitaus bunteren Seite mit den Sektionen "News, Service und Interaktiv". Alles, so verrät der Kopfbalken, geschaffen "mit Unterstützung des ZDF".

Wer allerdings eine Weile auf der Seite herumklickt, macht eine eigenartige Feststellung. Durchaus ernst gemeinte News ("Marie Trintignant ist tot") wechseln mit Stücken wie "Coole Sommerdüfte" in denen die Vorzüge von Douglas-Parfümerieprodukten wie "Cool Water Woman" oder "Lancaster Sunwater" angepriesen werden - illustriert mit Werbefotos der Douglas-Kette. Eine Kennzeichnung der Werbetexte als "Anzeige", wie gemeinhin üblich, ist indes nirgendwo zu entdecken, im Gegenteil: Durch den stets präsenten Hinweis auf die "Unterstützung" durch das ZDF und das "ZDF"-Logo wird dem Leser suggeriert, dass es sich hier wohl um Empfehlungen der Redaktion handelt.

Für den Rechtsprofessor Christoph Degenhart ist der ZDF-Auftritt denn auch klar rechtswidrig, er verstoße gegen das Rundfunkrecht. "Es ist nicht klar zu trennen, welche Inhalte vom ZDF stammen und welche von Douglas", sagte Degenhart dem Münchener Magazin "Focus". Werbung und Sponsoring würden mit Inhalten vermischt. Das widerspreche dem Rundfunkrecht und dem ZDF-Staatsvertrag.

Für das ZDF wiederum ist die ungewöhnliche Vermengung offenbar kein Problem. Die Online-Angebote von ZDF und von Douglas seien klar getrennt, sagte ZDF-Sprecher Walter Kehr der Nachrichtenagentur dpa. Bei dem Douglas-Auftritt handele es sich um eine Lizenzierung. "Solche Verwertungserlöse führen dazu, dass die Rundfunkgebühren einigermaßen erträglich gehalten werden." Die Internet-Seiten des ZDF seien rein Programm bezogen, sagte Kehr. Fraglich, ob die Moderatorinnen Ruge (Lieblingsspruch: "Alles wird gut") und Hahlweg ihre Magzinsendung nun auch als Werbesendung für Douglas begreifen.

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