ZDF-Streit Beck sieht kaum noch Chancen für Brender

"Da bewegt sich nichts": SPD-Politiker Kurt Beck hat wenig Hoffnung, noch eine Vertragsverlängerung von ZDF-Chefredakteur Brender zu erreichen - die Abwehrfront der CDU sei zu stark, sagt er SPIEGEL ONLINE und warnt: Die politischen Ränkespiele beschädigen auch den Intendanten.

Von Olaf Ihlau


Mainz - Der ZDF-Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck (SPD) sieht derzeit keine Chance, die Vertragsverlängerung für den Chefredakteur Nikolaus Brender durchzusetzen. "Es gibt von der Unionsseite neun Stimmen gegen den Personalvorschlag des Intendanten, da bewegt sich nichts", sagte Beck SPIEGEL ONLINE. Bislang sei es nicht gelungen, die Anti-Brender-Front aufzuweichen.

SPD-Politiker Beck: "Wir tragen das Kreuz weiter"
DPA

SPD-Politiker Beck: "Wir tragen das Kreuz weiter"

Auch die Proteste und Solidaritätsbekundungen für Brender in den Medien hätten offenbar bei den Unionsvertretern keinerlei Umdenken eingeleitet.

Im Aufsichtsgremium des öffentlich-rechtlichen Senders stellt die unionsnahe Mehrheit neun Mitglieder, darunter mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch den stellvertretenden Vorsitzenden, die Sozialdemokraten mit dem rheinland-pfälzischen Regierungschef Kurt Beck an der Spitze verfügen nur über fünf Vertreter. ZDF-Intendant Markus Schächter will in der Sitzung des Verwaltungsrats am 27. März die Verlängerung des Vertrags für Brender vorschlagen, obwohl die Union signalisiert hat, dass sie dies verhindern wird.

Beck beklagte die parteipolitischen und machttaktischen Hintergründe der Unionsstrategie und versicherte, die Sozialdemokraten würden gleichwohl an Brender festhalten: "Wir tragen das Kreuz weiter." Eine Diskussion über eine personelle Alternative werde es mit der SPD nicht geben. Gegenwärtig rasten im Verwaltungsrat "zwei Züge aufeinander zu".

Ein Eklat, so fürchtet Beck, drohe auch den Intendanten zu beschädigen, was die Union anscheinend billigend in Kauf nehme. "Bei einem anderen Unternehmen wäre solch eine Desavouierung in wichtigen Personalfragen gleichbedeutend mit der Aufforderung, das Amt abzugeben", meinte der Mainzer Ministerpräsident.

Dem ZDF drohe ein gravierender Schaden.



Forum - ZDF-Streit um Brender - Unabhängigkeit in Gefahr?
insgesamt 1422 Beiträge
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Stramonium, 20.02.2009
1.
Zitat von sysopDie unionsnahe Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat will den Vertrag von Chefredakteur Brender nicht verlängern - jetzt begehren prominente Journalisten des Senders gegen die politische Beeinflussung auf. Wie gefährdet ist die journalistische Unabhängigkeit?
Es gab sie noch nie.
Rainer Daeschler, 20.02.2009
2.
Früher vermied man es in der Politik etwas öffentlich zu tun, was einem den Vorwurf der Einflussnahme auf die Presse einbringen könnte. Heute betrachtet man die als Vorrecht, die es in den entsprechenden Gremien auszuüben gilt.
Strobl09, 20.02.2009
3.
Naja mit demokratischen Grundprinzipien hat die Union es noch nie so genau gehalten.
markus-poppen-blox 20.02.2009
4.
da kommt wieder die bösartige intrigante machenschaften des herrn koch raus. wenn ich mir so anschaue, wie z.b. auch bei uns hier gewisse posten mit cdu nahen personen (z.b. beliebte gastwirtschaften) besetzt werden. das gab´s doch früher auch schon so ähnlich.
Hubert Rudnick, 20.02.2009
5. Parteinahme in den Medien
Zitat von sysopDie unionsnahe Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat will den Vertrag von Chefredakteur Brender nicht verlängern - jetzt begehren prominente Journalisten des Senders gegen die politische Beeinflussung auf. Wie gefährdet ist die journalistische Unabhängigkeit?
---------------------------------------------- Die Parteinahme in den Medien ist nichts neues, es wurde schon immer praktiziert und bei ein igen Journalisten, und Verantwortlichen ist es besonders deutsch zu merken. Allerdings wurde das ZDF auch als ein Gegenstück zur ARD gegründet, damit man die Politik der CDU propagandieren konnte. Es wird mal Zeit, dass in den Chefetagen ein neuer journalistischer Wind weht und die Küngellei mit den Politikern aufhört, es stinkt schon zum Himmel. Aber es ist nicht nur beim ZDF so, auch bei der ARD sollten sich mal die Verantwortlichen überlegen, wie man die journalistischen Aufgaben wieder gerecht werden kann. Hubert Rudnick
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