"Zeit-Magazin" vs. "SZ-Magazin": Kongruenz statt Konkurrenz
Das "Zeit-Magazin" und das "SZ-Magazin" gelten eigentlich als Wettbewerber, doch jetzt haben sie das Experiment gewagt, für ihre aktuellen Ausgaben zusammenzuarbeiten. Auf dem Titel stellt jedes Blatt die Frage: "Was macht die Konkurrenz?" Die Antwort darunter könnte lauten: "Dasselbe wie wir!"
Konkurrenz belebt das Geschäft, so lautet eine alte Weisheit. Und wenn das wirklich so ist, dann hat die nach dem Aus für "Frankfurter Rundschau" und "Financial Times Deutschland" deutlich angeschlagene Pressebranche in Deutschland Konkurrenz bitter nötig.
Insofern erscheint es fast folgerichtig, dass das am Donnerstag erscheinende "Zeit-Magazin" und das "SZ-Magazin am Freitag ihre Ausgaben ganz dem Thema Konkurrenz widmen. Dafür haben beide Redaktionen die Hefte gemeinsam geplant und in beiden Blättern stehen Geschichten, die sich aufeinander beziehen.
Auf dem Cover der beiden Magazine prangen "Spion und Spion", die zwei Comic-Geheimagenten, die stets danach trachten, dem jeweils anderen zu schaden, und deren Kurzgeschichten seit mehr als 50 Jahren im "Mad"-Magazin erscheinen. Auf den Titelblättern von "Zeit-Magazin" und "SZ-Magazin" halten der weiße und der schwarze Spion jeweils das Konkurrenzheft in den Händen.
Seit dem Sommer haben die beiden Redaktionen die besonderen Ausgaben vorbereitet. "Ein solches titel- und verlagsübergreifendes Projekt ist bisher einmalig", hatte "SZ-Magazin"-Chefredakteur Timm Klotzek damals erklärt.
In den vergangenen Wochen lieferten sich beide Magazine bereits einen Wettstreit darum, wer auf Facebook den beliebtesten Bilderwitz postet und dafür die meisten "Likes" einsammelt. Am Ende machte ein profaner Hase aus Schnee das Rennen, den das "Zeit"-Magazin gepostet hatte. Fast 18.000 Facebook-Nutzern "gefiel das".
Trotz der Zusammenarbeit bei der Planung: "Natürlich ist jeder von uns überzeugt, das bessere Heft gemacht zu haben", schreiben die beiden Chefredakteure Timm Klotzek und Christoph Amend in ihrem gemeinsamen Editorial. Dabei ist die Konkurrenz-Edition das beste Symbol für eine Entwicklung, über die sich böse Zungen in der Branche bisweilen mokieren: "Zeit-Magazin" und "SZ-Magazin" würden sich immer ähnlicher, man könnte auch sagen: austauschbarer. Eine Geschichte, die in dem einen Heft erscheint, könnte oft auch ohne weiteres im Konkurrenzblatt stehen. Kongruenz statt Konkurrenz erschiene da als Motto fast passender.
"Auch Sträucher werfen einen Schatten"
In der Sonderausgabe berichtet das "Zeit-Magazin" über die Hells Angels in Berlin, die "SZ-Magazin"-Kollegen stellen dem einen Artikel über die Polizisten gegenüber, die gegen die Rockerbande kämpfen. Konkurrenten eben. Fast genauso bekriegen sich die beiden einstigen SPD-Größen Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder, die sich für die Hefte aussprechen sollten. Doch zu dem Treffen kam nur Lafontaine. Ex-Kanzler Schröder war zu keinem Gespräch bereit, der Teil der Geschichte, der im "Zeit-Magazin" erscheinen sollte, musste deshalb entfallen. Auch ein weiterer prominenter Sozialdemokrat fehlt, der ja wie kein Zweiter mit der "Zeit" persönlich verbunden ist: Von Helmut Schmidt fehlt jede Spur.
Auf vielen Seiten finden beide Blätter einen charmanten Zugang zum Grundthema Konkurrenz, etwa wenn sich die beiden Kolumnisten Harald Martenstein und Axel Hacke gegenseitig porträtieren und bauchpinseln. Hacke lobt den Kollegen: "Er ist brillant", während dieser sich um Understatement bemüht und über sich selbst im Vergleich zu seinem Münchner Kollegen schreibt: "Auch Sträucher werfen einen Schatten." Ebenso originell ist die Idee, in beiden Kochkolumnen unterschiedliche Rezepte für eine Bouillabaisse vorzustellen, auch wenn manche das womöglich nur als weiteren Beleg für die grundsätzliche Austauschbarkeit beider Hefte sehen mögen.
Andere Geschichten wirken dagegen recht gewollt, etwa das Doppel mit den omnipräsenten TV-Nachwuchshoffnungen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die sich gegenseitig interviewen. Im "Zeit-Magazin" stellt Winterscheidt die Fragen, bei der Konkurrenz sein Kollege. Der Erkenntnisgewinn? Überschaubar. Über die üblichen Frotzeleien geht das Interview kaum hinaus.
Ob die Konkurrenzausgabe ein einmaliges redaktionsübergreifendes Experiment bleibt oder bald wiederholt wird, ist derzeit wohl noch offen. Beiden Magazinen ist jedenfalls zu wünschen, dass sie nicht das Schicksal ihrer Coverhelden "Spion und Spion" ereilt. Deren Geschichten enden stets damit, dass einer der Agenten stirbt.
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