"Zenith"-Fotopreis Der deutsche Islam in ausgezeichneten Bildern

Die Gewinner des ersten "Zenith"-Fotopreises stehen fest. Kai Löffelbein,  Agata Szymanska-Medina und Feriel Bendjama belegen die ersten drei Plätze, den Online-Leser-Preis ergattert Lukas Fischer. SPIEGEL ONLINE präsentiert eine Auswahl der ausgezeichneten Arbeiten.


Berlin - Wie sieht er aus, der Islam in Deutschland? Diese Frage stellte "Zenith", die "Zeitschrift für den Orient" den Fotografen des Landes - die besten Antworten lassen sich nun begutachten.

"Der erste 'Zenith'-Fotopreis zeigt etwas, das wir in der Mediendiskussion zum Thema oft gehört haben, von dem wir aber nicht ganz sicher waren, ob es auch wirklich stimmt: Der Islam in Deutschland sei bunt, hieß es, vielfältig, vor allem aber nicht in ein einziges Bild zu fassen", schreibt die "Zenith"-Redaktion im Begleitbuch zum Preis.

"Was Islam ist und was nicht, wird auch in den eingesandten Fotos sehr unterschiedlich interpretiert - und zwar von Muslimen wie Nicht-Muslimen gleichermaßen. Was ist also 'typisch islamisch' oder 'muslimisch'? Und welche Ausdrucks- und Erscheinungsformen hat muslimische Kultur in Deutschland? Die Trennlinien sind unscharf."

Auf der Suche in der fremden Heimat

Die eingereichten Fotografien "waren keine Schnappschüsse, sondern erzählende Fotostrecken, die sich aus sehr unterschiedlichen Richtungen einem Thema nähern. Das gilt besonders für die drei Gewinnerstrecken, die mit Konzept, Ästhetik und Originalität die Jury überzeugen konnten."

Der erste Preis geht an Kai Löffelbeins Fotostrecke "Fremde Heimat", der das alltägliche Leben von Muslimen in Deutschland nicht nur abbildet - befand die Jury. "Durch das Einbeziehen unscharfer Vordergründe, den Umgang mit dem Licht und der Interaktion der Protagonisten gibt er dem Betrachter das Gefühl, unmittelbar Teil eines ungeschminkten Geschehens zu sein, ja sich geradezu selbst in der Szenerie zu befinden."

Agata Szymanska-Medinas zweitplatzierte Schwarzweiß-Strecke "Auf der Suche" erzählt die Geschichte des jungen Palästinensers Ali, der seit einem Jahr in Deutschland lebt. Zwischen alter und neuer Heimat sucht er nach Vertrautem. Szymanska-Medina beobachtet ihn in der Tradition der humanistisch motivierten Sozialfotografie.

Drittplatziert ist Feriel Bendjamas Arbeit "We, They and I". In ihrer Fotostrecke tritt die 31-Jährige insgesamt zwölf Mal auf; zwölf Mal mit Kopftuch, zwölf Mal in derselben Haltung, zwölf Mal von der Hüfte aufwärts. Nur die Farben der Verhüllung und des Hintergrunds sowie der Ausdruck des Modells sind verschieden. "Zum einen sieht man das Kopftuch aus der Perspektive und Wunschvorstellung von Muslimen. Zum anderen aus der klischeebehafteten Perspektive der Nichtmuslime", sagt Bendjama.

Lukas Fischer porträtiert in seiner Arbeit "Berlin-Gropiusstadt" eine überwiegend von Migranten bewohnte Berliner Vorortsiedlung - und gewann damit bei der Online-Abstimmung der "Zenith"-Leser.

Insgesamt 84 Fotografinnen und Fotografen hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt, der von der Stiftung Mercator gefördert wurde. Die Jury bestand aus Ruth Eichhorn ("GEO"-Bildchefin), Andreas Trampe ("Stern"-Bildchef), Bernd von Jutrczenka (dpa-Bildchef), Rolf Nobel (Fotografieprofessor an der FH Hannover), Sonja Streit (Bildchefin für Reportage und Reise bei "Brigitte"), Marcel Mettelsiefen ("Zenith"-Bildchef), Margot Klingsporn (Geschäftsführerin der Agentur Focus) und Heinrich Völkel von der Agentur Ostkreuz. Die Schirmherrschaft hatte der Bundespräsident. SPIEGEL ONLINE ist Medienpartner des "Zenith"-Fotopreises.

kuz



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