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Zensur in Afghanistan: Bye Bye Bollywood

Nach dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes erhofften viele sich ein moderneres Leben für die Menschen in Afghanistan. Jetzt hat der Kommandeur der Nordallianz einen Schritt zurück gemacht: Indische Spielfilme und singende Frauen sind in Kabul erneut verboten.

Szene aus "Monsoon Wedding": Bollywood boomt in Afghanistan
DPA

Szene aus "Monsoon Wedding": Bollywood boomt in Afghanistan

Kabul - Das Vergnügen an indischen Spielfilmen mit heißen Tanzeinlagen war in Kabul nur kurz. Mohammed Ischak, der Chef des Staatsrundfunks und Kommandeur in der Nordallianz, ließ die Ausstrahlung von Filmen aus "Bollywood" und den Gesang von Frauen im Radio verbieten. "Ein solcher Brief wurde an die Verantwortlichen geschickt", bestätigte ein Mitarbeiter von Kabul TV am Donnerstag.

Unter den Taliban, die im November vergangenen Jahres von der Nordallianz mit Hilfe der USA gestürzt worden waren, war jegliches Fernsehen und weltliche Musik im Radio verboten. Seit dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes waren vor allem indische Filme aus den Studios in Bombay mit ihren lebhaften und romantischen Geschichten sehr beliebt.

Dieser Schritt ist laut BBC Teil eines andauernden Kampfes um Einfluss zwischen Islamisten und Gemäßigten. "Kein Film, der gegen die afghanische Moral verstößt, sollte ausgestrahlt werden", sagte der stellvertretende Leiter des obersten Gerichts, Schirin Aga Manawi. Beobachter sagten Präsident Hamid Karzai einen Popularitätsverlust voraus, falls Ischaks Anordnung in Kraft tritt.

Solche erneuten Einschränkungen sind für die neue Regierung eine sensible Angelegenheit, da sie bisher eher einem liberalen Kurs gefolgt sind. Ironischer Weise sind gerade in Kandahar, einer ehemaligen Taliban-Hochburg, regelmäßig indische Filme und Bilder von singenden Frauen im Fernsehen zu sehen. Das Kabuler Fernsehen hingegen blieb unter dem Einfluss konservativerer Kräfte der Nordallianz. Singende Frauen durften hier von vorne herein nicht über die Bildfläche flimmern.

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