Zensur: Marokko bremst Al-Dschasira aus

Genug berichtet: Das Königreich Marokko hat dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira und dessen Korrespondenten verboten, weiter in dem Land zu arbeiten. Damit wollen die Behörden offenbar eine kritische Berichterstattung erschweren.

Al-Dschasira-Website: Marokkanische Behörden haben dem Sender die Arbeit verboten Zur Großansicht
AFP

Al-Dschasira-Website: Marokkanische Behörden haben dem Sender die Arbeit verboten

Rabat - Die marokkanischen Behörden haben dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira jegliche Aktivitäten in dem Land verboten. Den Korrespondenten wurden die Akkreditierungen entzogen. Der Sender habe wiederholt gegen die journalistischen Regeln der Seriosität, Genauigkeit und Objektivität verstoßen, erklärte das Kommunikationsministerium am Freitag in Rabat.

Al-Dschasira habe mit seinen "verantwortungslosen" Berichten dem Image Marokkos und den Interessen des nordafrikanischen Königreichs geschadet. Der Sender habe nur Negatives berichtet, Fortschritte in der Entwicklung des Landes und bei demokratischen Reformen seien vorsätzlich ignoriert worden.

Die marokkanische Regierung hatte sich wiederholt über die kritische Berichterstattung des in Katar ansässigen Satellitensenders beschwert. So musste Al-Dschasira vor zwei Jahren eine Nachrichtensendung über die Maghreb-Staaten einstellen, die aus Rabat ausgestrahlt wurde.

Vor wenigen Wochen hatte der Sender gegen die Weigerung der marokkanischen Behörden protestiert, zwei seiner Reporter eine Akkreditierung auszustellen. Al-Dschasira hat unter anderem über soziale Missstände in dem Land oder über den Konflikt in der von Marokko besetzten Westsahara berichtet.

ore/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Naja,
hého 29.10.2010
Zitat von sysopGenug berichtet: Das Königreich Marokko hat dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira und dessen Korrespondenten verboten, weiter in dem Land zu arbeiten. Damit wollen die Behörden*offenbar eine kritische Berichterstattung*erschweren. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,726200,00.html
Mohammed VI scheint ja inzwischen völlig die Macht zu entgleiten. Schon als er als neuer Herrscher nach dem Tod seines Vaters angetreten war, hat man mit einiger Besorgnis registriert, das er die alten Säcke aus dem Umfeld von Hassan II nicht los wurde, und sich mehr um sein jugendliches Image kümmerte. Was ja damals auch richtig war, nur dass es durch keine durchgreifende Neue Politik verfolgt wurde, es war letztlich nur chic. Marokko ist in vieler Hinsicht so archaisch und undurchdringlich geblieben, wie es zu Zeiten Hassan II war. Die alten Kräfte haben natürlich ein gehobenes Interesse an möglichst geringer Information durch die Presse, sie sind ja auch - bisher jedenfalls - kaum durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, Aufstände, Kämpfe und Attentate getroffen. Die treffen vorallem das Volk, während die alte Runde sich immer noch fröhlich die Hände reibt angesichts der von Staat und Königshaus angestossenen vermeintlichen Verbesserungen, die meist im Sand versinken. Mohammed VI bleibt auch kaum etwas anderes übrig; er hat nicht die Autorität und nicht die arrogante Brutalität seines Vaters, um sich gegen die alten Kräfte durchzusetzen; das wurde schon klar zur Zeit seiner Hochzeit, deren Hauptfest in der alten Königsstadt Marrakech stattfinden sollte, die sich ja auch über Monate darauf festlich vorbereitet hatte, und durch den Ältestenrat schlicht und einfach abgeblasen wurde. Die alten Kräfte mit denen Hassan II gut gearbeitet hat, haben kein Interesse an einer kritischen Verbesserung der marokanischen Lage, sie halten sich für unangreifbar und können eventuell von einer Krisensituation nur profitieren, indem nämlich dem jungen König, der ja auch Hüter der Religion ist, nichts übrig bleibt, als wieder ein totalitäres Regime zu errichten.
2. Marokko brems Al-Dschasira aus
woitschi 26.04.2011
Zitat von héhoMohammed VI scheint ja inzwischen völlig die Macht zu entgleiten. Schon als er als neuer Herrscher nach dem Tod seines Vaters angetreten war, hat man mit einiger Besorgnis registriert, das er die alten Säcke aus dem Umfeld von Hassan II nicht los wurde, und sich mehr um sein jugendliches Image kümmerte. Was ja damals auch richtig war, nur dass es durch keine durchgreifende Neue Politik verfolgt wurde, es war letztlich nur chic. Marokko ist in vieler Hinsicht so archaisch und undurchdringlich geblieben, wie es zu Zeiten Hassan II war. Die alten Kräfte haben natürlich ein gehobenes Interesse an möglichst geringer Information durch die Presse, sie sind ja auch - bisher jedenfalls - kaum durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, Aufstände, Kämpfe und Attentate getroffen. Die treffen vorallem das Volk, während die alte Runde sich immer noch fröhlich die Hände reibt angesichts der von Staat und Königshaus angestossenen vermeintlichen Verbesserungen, die meist im Sand versinken. Mohammed VI bleibt auch kaum etwas anderes übrig; er hat nicht die Autorität und nicht die arrogante Brutalität seines Vaters, um sich gegen die alten Kräfte durchzusetzen; das wurde schon klar zur Zeit seiner Hochzeit, deren Hauptfest in der alten Königsstadt Marrakech stattfinden sollte, die sich ja auch über Monate darauf festlich vorbereitet hatte, und durch den Ältestenrat schlicht und einfach abgeblasen wurde. Die alten Kräfte mit denen Hassan II gut gearbeitet hat, haben kein Interesse an einer kritischen Verbesserung der marokanischen Lage, sie halten sich für unangreifbar und können eventuell von einer Krisensituation nur profitieren, indem nämlich dem jungen König, der ja auch Hüter der Religion ist, nichts übrig bleibt, als wieder ein totalitäres Regime zu errichten.
Er ist jetzt knapp 12 Jahre König, sein Vater Hassan II war es fast 40 Jahre lang! Und leider sind immer noch viele der alten Seilschaften in Amt und Würden - aber M6 kann es aussitzen - die Biologie dürfte ihm dabei helfen! Ein Gefahr droht ihm allerdings aus seiner eigenen Familie: sein Cousin Hicham, "der rote Prinz", stellt sich offen gegen ihn und plädiert für sozialere Lebensbedingungen für die Armen. Wie ernst er dies umsetzen würde, wäre er selbst an der Macht, wird man vermutlich nie erfahren, denn M6 hat noch einen jüngeren Bruder... Also Hicham wird wohl kaum den Thron besteigen können - falls er das Ziel haben sollte! M6 hat schon einiges bewegt, allerdings genügt das sicherlich noch nicht, aber er hat das Volk, jedenfalls große Teile davon, noch (!) hinter sich, ich hoffe, es bleibt ihm genug Zeit, sein Volk mit soliden Reformen nicht nur ruhig, sondern auch zufrieden zu stellen..... Es wäre wirklich schade um dieses schöne Land und seine Bewohner, die kennenzulernen ich in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die Ehre und das große Vergnügen hatte!
3. Al-Dschasira - nur ein anderer staatlicher Nachrichtenkanal
bahrainresident 26.04.2011
Wieso schonmal selbst dort eingessesen oder woher nehmen sie die Weisheit wie es in marokanischen Gefaengnissen aussieht? Ich nehem an es ist sicherlich nicht so gemuetlich wie in deutschen Gefaengnissen aber das sollte ein Gefaengniss ja eigentlich auch nicht sein, oder?! Al-Dschasira ist ein staatlicher Nachrichtenkanal aus Qatar der keinen Deut besser ist als all die anderen staatlichen Nachrichtensender der arabischen Welt. Mit dem Unterschied das sie es mit viel Geld im Ruecken, gutem Marketing und ausgemusterten westlichen Journalisten geschafft haben, sich als "unabhaengiger" Nachrichtenkanal in der arabischen Welt zu platzieren. Al-Dschasira berichtet hetzerisch und einseitig ueber Ereignisse und schuert damit nur das Feuer. Ich habe das leider live in Bahrain miterleben duerfen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Al Jazeera
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare