Heidelberg - Auf dem Titel das Bild eines Roma-Kindes. Es zielt mit einer Pistole auf den Betrachter. Die Zeile dazu lautet: "Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz". Für dieses reißerische Cover wird das Schweizer Magazin "Weltwoche" in der Eidgenossenschaft und auch im Ausland heftig kritisiert. Jetzt soll das Heft in Deutschland verboten werden - wenn sich der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma durchsetzt. Er will den Verkauf der Ausgabe in Deutschland stoppen lassen. Gegen die verantwortlichen Blattmacher hat der Zentralrat zudem Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg gestellt - wegen Volksverhetzung und Beleidigung.
Sinti und Roma unter Generalverdacht
Die Titelseite befördere die rassistische Stereotypisierung einer Minderheit, sagt der Zentralratsvorsitzende Romani Rose. Sinti und Roma würden unter Generalverdacht gestellt. Wie zu Zeiten des Nationalsozialismus werde der Eindruck von einer "abstammungsbedingten Kriminalität" erweckt. Die Nazis hatten Sinti und Roma als "Zigeuner" diskriminiert, sie verfolgt und ermordet.
Die "Weltwoche" nimmt in einem Videokommentar zur Kritik an der umstrittenen Titelgeschichte Stellung. Der Artikel habe einen Sturm der Entrüstung, aber auch Zustimmung ausgelöst, sagt der stellvertretende Chefredakteur Philipp Gut in dem Kommentar. "Es sind verschiedene Klagen gegen die 'Weltwoche' eingegangen", erklärt Gut. In den Medien und in Blogs sei eine regelrechte Empörung gegen die "Weltwoche" spürbar; der wachsende Kriminaltourismus in die Schweiz, an dem maßgeblich Roma-Banden vor allem aus Osteuropa beteiligt wären, sei aber eine Tatsache, sagt Gut weiter. Er nennt das Thema "ein aktuelles und ernsthaftes Problem".
Gegen das Titelblatt der "Weltwoche" sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz bereits mehrere Anzeigen eingegangen. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat sich auch bei der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) in der Schweiz beschwert. Die EKR-Präsidentin Martine Brunschwig Graf kündigte an, sich mit dem Bericht der "Weltwoche" zu befassen.
bos/dapd
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