Aktion gegen EU-Flüchtlingspolitik Kreuze und Särge vor dem Reichstag

"Die Toten kommen": 5000 Menschen sind mit Särgen und Kreuzen durch das Berliner Regierungsviertel gezogen. Damit prangerte das Zentrum für politische Schönheit die Abschottungspolitik der EU an.

Symbolische Gräber vor dem Bundestag in Berlin: Kunstaktion der Gruppe Zentrum für politische Schönheit
DPA

Symbolische Gräber vor dem Bundestag in Berlin: Kunstaktion der Gruppe Zentrum für politische Schönheit


Auf der Wiese vor dem Reichstag in Berlin stehen kleine Holzkreuze. "Grenzen töten" heißt es in schwarzen Großbuchstaben dort, wo sonst die Namen von Toten stehen. Davor haben Demonstranten Grabkerzen, Blumen und Teddybären gelegt. Es ist ihre Art, gegen die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union zu protestieren und an Menschen zu erinnern, die im Mittelmeer ertrunkenen sind.

Zu der symbolischen Bestattungsaktion vor dem Reichstagsgebäude waren nach Polizeiangaben 5000 Menschen gekommen. Zunächst zogen sie mit drei Särgen durch Berlin-Mitte bis zum Sitz des Bundestags. Dort war der Zugang zur Wiese eigentlich blockiert - doch die Demonstranten rissen einen Bauzaun nieder und gruben Löcher für die Kreuze in den Rasen.

Video: Symbolisches Gräberfeld vor dem Bundestag

Anders als angekündigt waren in den Särgen keine Leichen. Zunächst hatte es von den Organisatoren, der bekannten Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit, geheißen, dass Leichen von Flüchtlingen vor Ort begraben werden sollten. Das untersagte ihnen nach eigenen Angaben allerdings die Polizei. Auch bis direkt vor das Kanzleramt kamen Künstler und Protestierende nicht.

Die Demonstration gehört zu einer Reihe von Aktionen der Künstlergruppe. Unter dem Titel "Die Toten kommen" hatte das Künstlerkollektiv angekündigt: Menschen, die auf der Flucht nach Europa starben, sollen in Berlin bestattet werden, direkt bei ihren "bürokratischen Mördern", wie es auf der Website hieß. Bei einer anderen Aktion war Anfang der Woche Angaben der Künstlergruppe zufolge eine Frau aus Syrien in Berlin bestattet worden. Sie soll im Mittelmeer ertrunken sein.

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brk/dpa/AFP



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