Zentrum für Politische Schönheit Kunstkollektiv will "Ausländer-Jäger von Chemnitz" jagen

Seit Jahren provoziert das Künstlerkollektiv mit drastischen Aktionen - zuletzt vor dem Haus des AfD-Politikers Björn Höcke. Nun will es auf einer Onlineplattform Nazis ausfindig machen.

Rechte Demonstranten im August 2018 in Chemnitz
DPA

Rechte Demonstranten im August 2018 in Chemnitz


Die Internetseite "Soko Chemnitz" erinnert stark an die Aufrufe der Hamburger Polizei nach den Ausschreitungen während des G20-Gipfels im Sommer 2017: Da sind Fahndungsfoto-ähnliche Bilder von Menschen zu sehen, manche mit, manche ohne schwarzen Balken vor den Augen, darunter ist zu lesen: "Erwischt! 01. Sept.2018 - Teil der Fahnenflüchtigen von Chemnitz". Erst beim zweiten Blick wird klar: Irgendetwas kann da nicht stimmen. Wer weiter scrollt, entdeckt die Urheber: Es ist nicht die sächsische Landesregierung oder das LKA. Es ist das Zentrum für Politische Schönheit - kurz ZPS.

Die Künstlergruppe um den Philosophen und Aktionskünstler Philipp Ruch hat die Internetseite rund drei Monate nach den rechten Demonstrationen in Chemnitz ins Netz gestellt. Sie teilte mit, drei Millionen Bilder von über 7000 Verdächtigen ausgewertet zu haben, um den Rechtextremismus 2018 systematisch zu identifizieren. Zugleich kündigt sie an, auf der Website nach "den Arbeitsstellen der Betroffen" zu fahnden. "Wir bitten die Bevölkerung um Mithilfe", lässt sich Ruch zitieren. Auf der Website werden für die Erkennung Belohnungen ausgelobt.

Im Video: Rechte Brandbeschleuniger - Die Hintermänner der Chemnitz-Krawalle

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"Wo arbeiten diese Gesinnungskranken? Wer beschäftigt sie? Warum haben sie die Zeit, ihren Hass auf Minderheiten zu verbreiten, die Presse zu attackieren und die Kunst mit Gewalt zu bedrohen?", heißt es weiter. Und diese Aktion erinnert wiederum an die AfD-Meldportale gegen Lehrer und Schulen.

Juristisch angreifbar?

Ob es sich bei den auf der ZPS-Seite gezeigten und mit Lebensläufen versehenen Personen um reale Identitäten handelt oder ob wiederum Kunstaktivisten zu sehen sind, bleibt unklar. Sollte auf den Bildern reale Personen zu sehen sein, könnten dem Künstlerkollektiv rechtliche Konsequenzen drohen.

Schon in der Vergangenheit hatte das Kunstkollektiv bei seinen Aktionen vieles im Ungewissen gelassen - etwa im vergangenen Jahr, als die Aktivisten vor dem Privathaus des AfD-Mannes Björn Höcke im thüringischen Bornhagen eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals errichtet hatten. Damit wollten sie gegen die Rede Höckes protestieren, in der er das Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnet hatte.

Im Video: Protest-Aktion - Herr Höcke und sein Holocaust-Mahnmal

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Zugleich hatte es zunächst geheißen, dass die Aktivisten den AfD-Politiker auch über Monate systematisch überwacht hätten und zwar mit Kameras direkt vor seinem Wohnhaus. Später hieß es dann: Alles ein großer Bluff und Teil der Kunstaktion gegen Höcke.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir Bernd anstatt Björn Höcke geschrieben. Wir haben den Fehler korrigiert.

brs

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