"Zettl"-Drehbuchautor: Stuckrad-Barre im Boulevard-Kreuzfeuer

Schwere Tage für alle Beteiligten an dem Film-Flop "Zettl", der trotz großer Werbetrommel nur wenige Zuschauer anlockt. Benjamin von Stuckrad-Barre, der zusammen mit Helmut Dietl das Drehbuch schrieb, zeigte nun Nerven und wehrt sich gegen einen Angriff des Boulevardblatts "Berliner Kurier".

Autor Stuckrad-Barre: "Verhält sich wie eine beleidigte Leberwurst" Zur Großansicht
dapd

Autor Stuckrad-Barre: "Verhält sich wie eine beleidigte Leberwurst"

Berlin/Hamburg - Die feine Klinge ist es nicht, mit der hier gefochten wird: Der Artikel "Die Berlin-Stänkerer", den die Boulevardzeitung "Berliner Kurier" am 3. Februar veröffentlichte, erfüllt die eherne Lokalzeitungspflicht, die eigene Stadt gegen Angriffe von außen zu verteidigen; der Untertitel lautet "Was ist eigentlich so schick daran, ständig auf die Stadt einzuhauen?"

Zu denjenigen, die auf Berlin einhauten, gehören nach Ansicht des "Kuriers" die Köpfe der gerade an den Kinokassen scheiternden Berlin-Satire "Zettl". Regisseur Helmut Dietl stänkere, "selbst der nette Bully Herbig", Hauptdarsteller des Films, habe sich vom Berlin-Bashing anstecken lassen.

Das lässt sich das Hauptstadt-Lokalblatt nicht gefallen und wehrt sich: Zwei Bezirksstadträte dürfen ihre schöne Stadt verteidigen und die Kritiker werden selbst kritisiert. So wird im "Berliner Kurier" über das Drehbuch zu "Zettl", das der Schriftsteller, Journalist und Talkshow-Moderator Benjamin von Stuckrad-Barre zusammen mit Helmut Dietl schrieb, und das die Zeitung für "lausig" erachtet, als eine mögliche Spätfolge des von Stuckrad-Barre öffentlich eingestandenen früheren Drogenkonsums geraunt.

Zu viel für Stuckrad-Barre, der seinen Anwalt nach Angaben des Branchendiensts "Meedia" eine Unterlassungserklärung vom "Berliner Kurier" fordern ließ. Doch die Zeitung ließ die Frist verstreichen und will es auf eine gerichtliche Prüfung ankommen lassen. "Wir sehen der Klage entspannt entgegen", zitiert "Meedia" den Chefredakteur Hans-Peter Buschheuer.

Stuckrad-Barre ist Autor für Blätter des Axel-Springer-Verlags, darunter auch die Boulevardzeitung "B.Z.", ein direkter Konkurrent des "Berliner Kurier". Dessen Chefredakteur Buschheuer sagte über den oft elegant, öfters aber auch scharf formulierenden Stuckrad-Barre, wer austeilen könne, müsse auch einstecken können: "Statt die Kolumne sportlich zu nehmen, verhält er sich wie eine beleidigte Leberwurst." Sätze aus dem Repertoire von Schulrabauken.

Bei der Weltpremiere von "Zettl" in München beschimpfte Benjamin von Stuckrad-Barre übrigens auch die bayerische Landeshauptstadt. Dort schaute man komisch und ging feiern.

feb

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Oje, Stuckrad-Barre
mangeder 08.02.2012
siehe auch: Peinliche Premiere: Zettl-Party: Co-Autor beschimpft das Publikum - Promis - Abendzeitung München (http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.peinliche-premiere-zettl-party:-co-autor-beschimpft-das-publikum.d24c4e81-86ac-4263-a523-cf96e06ce73e.html)
2. Prozesshansel Barre
Mo2 08.02.2012
Zitat von sysopSchwere Tage für alle Beteiligten an dem Film-Flop "Zettl", der trotz großer Werbetrommel nur wenige Zuschauer anlockt. Benjamin von Stuckrad-Barre, der zusammen mit Helmut Dietl das Drehbuch schrieb, zeigte nun Nerven und wehrt sich gegen*einen Angriff des Boulevardblatts "Berliner Kurier". http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,813909,00.html
Ja, der Stucki, der mag es gar nicht, wenn man ihn etwas härter angeht. Gehört er nicht auch zu dem kleinen aber umso unfeineren Kreis der Leute, die die Satirezeitschrift Titanic verklagt haben? Dietl hat einfach voll daneben gegriffen: S-Barre kann vieles nicht, dazu gehört u.a. Satiredrehbuch schreiben.
3. ehem. Schauspieler
gruenerfg 08.02.2012
Zitat von sysopSchwere Tage für alle Beteiligten an dem Film-Flop "Zettl", der trotz großer Werbetrommel nur wenige Zuschauer anlockt. Benjamin von Stuckrad-Barre, der zusammen mit Helmut Dietl das Drehbuch schrieb, zeigte nun Nerven und wehrt sich gegen*einen Angriff des Boulevardblatts "Berliner Kurier". http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,813909,00.html
Nix für Ungut - Senta Berger, Götz George!, Ulrich Tukur, Dierter Hildebrand, Harald Schmidt - Deutschland lebt und hat bestimmt auch Schauspieler der Gegenwart, die die gegenwärtige Gesellschaft erreichen, die Besetzung hier ist wohl für ein Museum gedacht bzw. für eine Comedyshow (Harald Schmidt ist vieles nicht, vor allem aber kein Schauspieler).
4. Zettl ist besser als sein Ruf!
chrimirk 08.02.2012
Zitat von sysopSchwere Tage für alle Beteiligten an dem Film-Flop "Zettl", der trotz großer Werbetrommel nur wenige Zuschauer anlockt. Benjamin von Stuckrad-Barre, der zusammen mit Helmut Dietl das Drehbuch schrieb, zeigte nun Nerven und wehrt sich gegen*einen Angriff des Boulevardblatts "Berliner Kurier". http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,813909,00.html
Aber man muss auch hinhören in zahlreiche kleine Sätze, Nebengedanken und sich erinnern/eingestehen, ob nicht jeder von uns so ist (ein wenig) wie Zettl die Meuten dort zeigt. Jedenfalls. Ich empfehle den Film
5.
SethSteiner 08.02.2012
Typisch Deutschland, die Filme sind lahm und werben maßgeblich mit den Namen der Schauspielern statt mit Inhalt. Dass die Filme lahm sind, liegt unter anderem auch am Inhalt, denn der wiederholt sich so unendlich oft. Man kann über Hollywood sagen was man will, aus Amerika kommt einfach in alle Richtungen etwas und dazu auch noch immer mal ein paar frische Ideen. Deutschland? Fehlanzeige. Tja, da bleibt wohl nur noch die Städte oder Bewohner oder beide zugleich zu beleidigen um irgendwie Schlagzeilen zu machen.
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