Zum Tod Joe Rosenthals Unsterblich durch ein Foto

Joe Rosenthal drückte auf den Auslöser, als Soldaten am 23. Februar 1945 eine amerikanische Flagge auf der Pazifik-Insel Iwo Jima hissten - und schuf damit eine der Ikonen der Kriegsfotografie. Jetzt starb der amerikanische Fotograf 94-jährig in San Francisco.


San Francisco - Für das Foto, auf dem sechs amerikanische Marineinfanteristen zu sehen sind, die auf Suribachi-Berg eine große amerikanische Flagge hissen, wurde Joe Rosenthal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Das Bild, das der Fotograf im Auftrag der Nachrichtenagentur Associated Press aufgenommen hatte, wurde zu einem der meist reproduzierten Bilder des Zweiten Weltkrieges und gilt bis heute als Ikone der Kriegsfotografie.

Rosenthal-Fotografie: Ikone der Kriegberichterstattung
AP

Rosenthal-Fotografie: Ikone der Kriegberichterstattung

Nach der Eroberung der Insel Iwo Jima hatten es beinahe alle amerikanische Tageszeitungen auf der Titelseite abgedruckt. 1954 enthüllte Präsident Eisenhower auf dem Washingtoner Arlington Friedhof zudem eine monumentale Bronzeskulptur, die dem Foto nachempfunden ist. 1999 wurde das Foto in die Liste der 100 "besten journalistischen Fotos des Jahrhunderts" der New York University aufgenommen.

Das Bild diente außerdem als Vorlage für das Foto von drei Feuerwehrmännern, die nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 eine amerikanische Flagge in den Ruinen des Wold Trade Centers hissen. Ihm sei die Ähnlichkeit sofort aufgefallen, als er durch die Linse geschaut habe, sagte dessen Fotograf Thomas E. Franklin. Sein Foto, das ebenfalls weltweit bekannt wurde, schaffte es 2002 bis in die Endrunde des Pulitzer-Preises.

Die Tatsache, dass Rosenthal sein Foto erst zwei Stunden nach dem eigentlichen Hissen der Flagge aufgenommen hatte, tat seiner Bedeutung als Sinnbild des Sieges der Amerikaner keinen Abbruch. Kritiker sehen darin dennoch ein Beispiel für eine politisch genutzte Bildinszenierung.

Die Eroberung der japanischen Insel Iwo Jima durch US-amerikanische Truppen war eine der letzten großen Schlachten des Pazifik-Krieges. Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Habour im Dezember 1941 war Amerika gegen das mit den Deutschen verbündete Japan in den Krieg gezogen. Der verlustreiche Kampf, der über 6000 Amerikaner und mehr als 20.000 Japaner das Leben kostete, ging als "Inselspringen" in die Geschichte ein.

Vier Tage nach der Landung von 30.000 Marine-Soldaten auf der Insel war es den Amerikanern gelungen, den Berg Suribachi auf der Südspitze Iwo Jimas einzunehmen. Zum Zeichen des Triumphs hissten Marineinfanteristen eine Stars-and-Stripes-Flagge. Allerdings war die erste zu klein und lediglich mit dem Fernglas zu erkennen, so dass angeordnet wurde, eine zweite, größere Fahne anzubringen.

Jahre später schrieb Rosenthal, dass er beinahe nicht auf den Gipfel gestiegen wäre, weil er gehört hatte, dass die Flagge bereits gehisst worden sei. Er habe sich aber dennoch entschlossen, hinaufzugehen und habe genau in dem Moment den Gipfel erreicht, als Soldaten damit beschäftigt waren, die zweite Fahne zu hissen.

Vehement wehrte er sich Zeit seines Lebens gegen Vermutungen, er habe die Situation bewusst inszeniert: Er hätte in so einem Fall sicherlich weniger Männer ausgewählt und darauf geachtet, dass ihre Gesichter gut sichtbar gewesen wären. "Damit hätte ich das Foto bestimmt ruiniert", erklärte er selbstironisch.

Joe Rosenthal starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren in Novato, einer Vorstadt von San Francisco.

hoc/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.