Zum Tod von Ofra Haza: "Ich mag nicht weinen, ich will glücklich sein"

Von Hannes Höttl

Israels berühmteste Sängerin Ofra Haza hat diesen Satz nicht nur gesagt, sie hat ihn auch gelebt. Sie starb mit 41 Jahren.

"Ich hoffe, eines Tages wird sich alles zum Guten wenden, denn ich bin sehr optimistisch und bete dafür, dass jeder Mensch am Morgen aufstehen wird und den Zauber des Lichts Gottes erlebt. Lasst uns Frieden schließen! Lasst uns gemeinsam das Leben genießen. Das ist mein Traum!"

Ofra Haza
DPA

Ofra Haza

Wenn in diesen Tagen überall die Nachrufe auf Israels erfolgreichste Sängerin zu lesen sind, sollte nicht vergessen werden, dass Ofra Haza besonders in ihrer Heimat weit mehr war als nur eine erfolgreiche Popsängerin. Ofra Haza war auch eine stark sozial engagierte Frau, die ihre Popularität immer wieder in den Dienst von Humanität und Frieden stellte. "Ich bin in Oslo aufgetreten, als Arafat, Perez und Rabin den Friedensnobelpreis erhielten. Ich war so glücklich. Ich sah in der Tür den Frieden, sah bereits sein Licht. Jeder war glücklich. Aber solange es auf beiden Seiten Fanatiker gibt, gibt es keinen Frieden. Diese Leute verkehren die Situation in Israel ins Schlechte."

Es gibt viele Popmusiker, die von Liebe und Frieden singen und erst ab einem gewissen "Erfolgslevel" ihr soziales Gewissen entdecken. Bei Ofra Haza bestand das soziale Engagement bereits lange, bevor sie mit dem Songschreiben überhaupt anfing. Schon als junges Mädchen war sie bestrebt, die Probleme, die in ihrer Nachbarschaft herrschten, anzupacken und bei der Lösung zu helfen. "Als ich zwölf war, ging ich an ein Theater. Es war ein Workshop-Theater, ein Protest-Theater. Wir haben dort über die Probleme gesprochen, die wir in der Nachbarschaft hatten. Und wir hatten jede Menge Probleme. An unseren Schulen gab es keine guten Lehrer und die ganze Gegend wurde vernachlässigt. Wir wollten etwas tun, aber keine Demonstrationen auf der Straße, sondern es auf kulturelle Weise machen."

Geboren wurde Ofra Haza 1959 in Tel Aviv und wuchs mit sieben Geschwistern als Kind jemenitischer Juden in einem der ärmsten Viertel der Stadt auf. In dem Theater engagierte sie sich nicht nur, sondern sie erarbeitete sich auch die handwerklichen Grundlagen für ihre spätere Karriere. Auf der Bühne zu stehen und zu singen und zu tanzen wurde in dieser Zeit zum normalen Alltag für Ofra Haza. Mit dem Schreiben von eigenen Liedern beginnt sie aber erst im Alter von 18. Da war sie als schon populär genug, um Positionen zu vertreten, die vom damaligen offiziellen Israel nicht geschätzt wurden. "Ich habe mich an meine palästinensischen Nachbarn gewandt und gesagt: Bitte, lebt mit uns zusammen! Lasst unsere beiden Völker Frieden schließen und glücklich zusammen leben."

Auch als Künstlerin war sie stets eine engagierte Verfechterin des Austauschs mit anderen Kulturen. So sang sie zum Beispiel mit der Rockband 'Sisters Of Mercy', mit Paul Anka oder Iggy Pop. Selbst dieser kurze Einblick in ihr Leben macht verständlich, warum der israelische Ministerpräsident Ehud Barak gerührt davon spricht, "die Ehre zu haben, sie kennen gelernt haben zu dürfen". Eine Respektbezeugung, ja eine tiefe Verneigung des Regierungschefs vor einer der größten Töchter des Landes.

Viele Menschen auf der ganzen Welt betrauern in diesen Tagen den Verlust Ofra Hazas. Und wer Trost sucht, der kann ihn auch aus ihrer Musik, ihren Texten beziehen. So singt sie in ihrem bekanntesten Lied, "Im Nin' Alu", mit dem sie 1988 auch in Deutschland wochenlang an der Spitze der Single-Charts stand: "Selbst wenn die Türen der Freigiebigen verschlossen sind, werden die Türen des Himmels niemals verschlossen sein. Es bedeutet, optimistisch zu sein. Die Türen des Himmels sind für jedermann geöffnet." - Für Ofra Haza waren sie sicher ganz weit geöffnet.

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