Zum Tode Elisabeth Volkmanns Traurige Komödiantin

Als Ulknudel wurde Elisabeth Volkmann mit der Fernsehserie "Klimbim" berühmt, der Durchbruch als Charakterdarstellerin gelang ihr als Fassbinder-Schauspielerin. Doch hinter der Fassade der lebenslustigen Diva verbarg sich eine einsame Frau.

Von Jenny Hoch


Bei ihren letzten Bühnenauftritten stieg Elisabeth Volkmann zu Beginn jeder Vorstellung aus einem Sarg - genau wie ihre Kollegen aus der berühmten "Klimbim"-Familie auch: Ingrid Steeger, Wichart von Roell, Peer Augustinski und Horst Jüssen. Das war vor zwei Jahren, als man mit dem Theaterstück "Die Klimbim-Familie lebt" versuchte, an den unwahrscheinlichen Erfolg der TV-Serie, die von 1973 bis 1978 in der ARD gezeigt wurde, anzuknüpfen. Damals saßen bei jeder Folge bis zu 17 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher, die Show galt als unerhört frivol und über Elisabeth Volkmanns Gags als latent lüsterne Mutter Jolanthe lachte man sich scheckig.

Darstellerin Volkmann: "Glücklich? Dieses Gefühl kenne ich nicht."
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Darstellerin Volkmann: "Glücklich? Dieses Gefühl kenne ich nicht."

Bei dem klamaukigen Theater-Remake von 2004 war das etwas anders. Anfangs trat das altgediente "Klimbim"-Ensemble noch vor vollen Häusern auf, doch im Laufe der monatelangen Tournee wollten immer weniger Zuschauer die schräge Familie sehen, die, vom Alter gezeichnet im Heute angekommen, doch ziemlich angestaubt wirkte. Die Volkmann berichtete ebenfalls nur mäßig begeistert von ihrer neuen alten Rolle: "Da musste ich halt wieder in die Strapse" sagte sie - mit geschätzten 68 Jahren, denn über ihr tatsächliches Alter herrschte lange Unklarheit.

Disziplin schien das Erfolgsrezept der Schauspielerin gewesen zu sein. Sie achtete sehr auf ihr Äußeres und ließ selten jemanden an sich heran. Doch der Illustrierten "Bunte" gewährte sie vor einem Jahr einen ungewohnt offenen Einblick in ihr Innenleben: "Glücklich? Dieses Gefühl kenne ich nicht", sagte sie da, und weiter: "Oft frage ich mich, warum lebe ich eigentlich noch?" Zwei Mal war die Schauspielerin verheiratet gewesen, beide Ehemänner, der Filmanwalt Walter Hass und der Konzertagent Eberhard Radisch, starben an Lungenkrebs. Doch nach außen blieb sie nach diesen Verlusten stets die Ulknudel, als die sie bekannt war: "Ich bin eine Komödiantensau: Wenn es mir schlecht geht, sorge ich im Theater für die größten Lacher."

In ihrer Jugend ließ sich Elisabeth Volkmann gegen den Willen ihrer Eltern zur Sängerin ausbilden. Anfang der siebziger Jahre spielte sie in Sexfilmchen wie "Hausfrauenreport" und Krankenschwesternreport" mit. Offenherzige Auftritte mit Strapsen und Miedern wurden zu ihrem Markenzeichen. In den achtziger Jahren wurde sie von Rainer Werner Fassbinder entdeckt, der sie vom Komödiantinnen- und Sexmiezen-Image wegholte und ihr Rollen in Filmen wie "Lili Marleen", "Lola" und "Die Sehnsucht der Veronika Voss" gab. Später spielte sie in zahlreichen Serien mir, darunter "Die rote Meile" und "Schloss Pompon Rouge".

Ihren letzten großen Erfolg verdankte sie ihrem unverwechselbaren Organ. Als Synchronsprecherin war sie die deutsche Stimme der Marge Simpson in der Zeichentrickserie "The Simpsons". Bis zum Äußersten strapazierte sie dafür ihre Stimmbänder, um das typische schrille Krächzen dieser Figur zu kreieren.

Elisabeth Volkmann starb am Donnerstag in ihrer Münchner Wohnung im Alter von 70 Jahren unter bisher ungeklärten Umständen.



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