S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Die Welt wird nicht untergehen

Obwohl wir davon ausgegangen sind, dass mit dem 1. Januar der Weltfriede eintritt, ist er ausgeblieben. Das liegt nicht an den Flüchtlingen oder den Muslimen. Das Problem ist: der Mensch, in all seinen Facetten des Irrsinns.

Eine Kolumne von


Erstaunlicherweise haben sich die Probleme im menschlichen Zusammenleben nicht mit dem Beginn des neuen Jahres aufgelöst. Obwohl wir alle davon ausgegangen sind, dass es mit dem 1. Januar ruhig und friedlich auf der Welt wird, das Klima sich selbst reguliert, alle Menschen Freunde werden und Nestlé die Produktion von dämlichem Kapselkaffee einstellt, ist nichts davon eingetreten.

Nordkorea testet sogar Bomben. Obwohl wir hier in Europa gerade genug eigene Probleme haben, denen die restlichen Länder bitte mit Innehalten ihrer Tagesgeschäfte Respekt zollen sollten, passiert das einfach nicht.

Das Jahr startet also mit der Meldung, dass täglich neue Flüchtlingsboote an den Küsten Europas anlegen, weiter Menschen ertrinken, Frauen von Vollidioten in der Silvesternacht angegriffen werden, andere Idioten Raketen in Menschenmassen und gegen die Feuerwehr schleudern, kurz: Der Mist geht weiter, und wir müssen festhalten, es wird nicht besser werden. Und das liegt nicht am Krieg in Syrien, sondern an dem Festhalten an der Idee einer Welt, die es nicht gibt. Nicht mehr. Nicht mehr für uns.

Das Privileg, relativ sicher und in Ruhe zu leben, war ein zufälliges, und das ist nun weg. Unwiederbringbar oder nicht, das wird sich zeigen. So wie sich die Menschen an das Nichtrauchen im Flugzeug gewöhnt haben, an die Sicherheitskontrollen, an die neue Sorgfalt in der Auswahl von Urlaubszielen, werden sie sich - oder sagen wir - wir uns an neue Regeln des Zusammenlebens gewöhnen, in einer Welt, die nicht nur schlechter wird. Müssen. Dass Menschen verschiedenen Glaubens, verschiedener Herkunft, unterschiedlicher Geschlechter, tanzend und in Liebe zum Leben vereint, miteinander die kurze Lebenszeit absitzen, hat sich als Märchen herausgestellt.

Der Mensch wird in allen Facetten des Irrsinns hergestellt

Na, wer konnte damit rechnen. Dass Leute unangenehm werden, je blöder, ungebildeter oder gieriger sie sind, was ein Wunder. Blöde, Ungebildete und Gierige gab es zu jeder Zeit, es liegt nicht nur am Versäumnis der Regierungen, sondern man kann festhalten, dass es einfach zivilisierte und weniger zivilisierte Menschen gibt, egal welchen Geburtshintergrund sie haben. Es gibt idiotische Muslime, biodeutsche Nazis, biofinnische Serienmörder, christliche Umweltzerstörer, es ist nur die Frage, wie regelt man das Zusammenleben einer überwiegend freundlichen Mehrheit mit einer gewaltbereiten oder raffgierigen, unverantwortlichen Minderheit.

Vermutlich wird das nur mit Mitteln der Staatsmacht passieren können. Das heißt. Mehr Überwachung. Sicherheitskontrollen und Polizei oder Armeepräsenz an öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, Plätzen, Einkaufscentern. Nervöse - no joke - Polizei nach amerikanischem Vorbild. Sehen Sie es vor sich? Schön wird das nicht, aber vermutlich nicht zu umgehen sein, denn wer an Traumbildern festhält, kommt darin um. Wir werden unser verschontes, privilegiertes Leben nicht wiederbekommen, so sehr viele auch zetern und mit Transparenten irgendwo herumkrakeelen. Das Problem sind nicht: Die Flüchtlinge, die Muslime, das Problem ist der Mensch, der in allen Facetten des Irrsinns hergestellt wird.

Schuldzuweisungen sind vertane Energie. Die Welt wird nicht untergehen, die Menschheit nicht aussterben (noch nicht). Sie wird sich ändern. Wie von Anbeginn. Prost. Ein gutes neues Jahr.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 348 Beiträge
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politisch_nicht_korrekt 09.01.2016
1. Einfach alles hinnehmen?
Ach so, einfach alles hinnehmen - oder was wollen Sie uns sonst damit sagen? Einfach hinnehmen muss man unabänderliche Dinge - Menschen, die sich nicht an gemeinschaftliche Regeln halten, gehören nicht dazu.
meimic29 09.01.2016
2.
Warum sich an "neue Regeln des Zusammenlebens gewöhnen" ?. Ich denke weltweit die meisten Gesetzeskommentare dürften in deutscher Sprache geschrieben sein, es mangelt also offensichtlich nicht an Regeln. Unsere Regeln haben bisher relativ gut funktioniert und wer hier zu uns stößt, der hat sich an diese Regeln zu halten. Wer bereits hier ist, hat sich an diese Regeln auch zu halten. Das ist ein Unstand, für den die Vokabel "alternativlos" ausnahmsweise einmal passt. Wer sich nicht an unsere Regeln halten will, sondern diese mit "neuen Regeln" ergänzen, oder verwässern will, ist Teil einer Agenda, die ich bekämpfen werde. Und wer sich an unsere Regeln nicht hält (ob biodeutsch, oder neu dazu gekommen), für den ist eine ordentliche Strafe genau die richtige Medizin. Wenn diese Strafe Abschiebung, also das Entfernen aus unserer Gesellschaft ist, dann ist das völlig gerechtfertigt.
wille17 09.01.2016
3. Super Analyse
Klasse Beitrag. Respekt. Komme viel in der Welt rum. Der Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Chapeau.
basecape-man 09.01.2016
4. ein bischen einfach ihre sichtweise nur das....
schlimme ist ,dass sie recht haben.trotzdem heisst das nicht tatenlos zusehen.wenn köln einen nutzen hatte ist das die erkenntnis ,dass bei uns der rechtsstaat schon lange erudiert.da braucht es keine neuen gesetze sondern nur schlicht die durchsetzung dessen was es bereits gibt.eine von der politik unabhängigen polizei und justiz.medien die über täter und opfer berichten und die der polizei nicht nach gusto mal rechts und mal links blind zu sein vorwerfen.medien die bei gewaltausbrüchen ihre objektive auch mal auf die täter richten und nicht nur auf die vermeintliche fehlreaktion des beamten warten.wenn das ganze flüchtlings"welle"in deutschland eins deutlich gemacht hat dann ist das nicht versagen einzelnen (köln-polizeiprädident,berlin chef des lageso,)sondern die gesamte strucktur des öffentlichen dienstes ,die so gelobte deutsche justiz und verwaltung ,der gesamte rechtsstaat funktioniert nur noch in teilen und ist den anforderungen nicht mehr gewachsen.das wäre eine aufgabe für eine groko .nicht der nachträgliche fingerzeig der politker auf die ,die das auszubaden haben.davon wird die welt nicht besser aber wir könnten uns wohler fühlen.
DiePureWahrheit 09.01.2016
5. Das klingt lethargisch
Erst naive Gutgläubigkeit, dann die geplatzten Träume und jetzt hinein in die Lethargie. So so, der Plan diese verrohten Menschen mit purer Liebe zu korrumpieren hat also nicht geklappt. Ihr Träumer habt unsere Demokratie und freie Gesellschaft wehrlos gemacht und sie in eine tiefe Krise gestürzt.
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