Mit 91 Jahren Soziologe Zygmunt Bauman gestorben

Er war einer der großen Gegenwartsanalytiker, beschrieb unsere Zeit als "flüchtige Moderne". Nun ist der polnische Sozialwissenschaftler Zygmunt Bauman in England gestorben. Er wurde 91 Jahre alt.

Zygmunt Bauman (1925-2017)
DPA

Zygmunt Bauman (1925-2017)


"Liquid Modernity", heißt sein zentrales Werk im Original, es erschien 2003 unter dem deutschen Titel "Flüchtige Moderne", aber es könnte auch verflüssigte Moderne heißen. Beschrieben hat der Soziologe Zygmunt Bauman darin die Schattenseiten der postmodernen Gesellschaft: Überbetonung des Marktes, ungefilterte Kommunikation, Fehlen von Gemeinsamkeiten.

Die Metapher von der liquiden Gesellschaft buchstabierte Bauman noch in mehreren weiteren Büchern durch, sie zeigten den bereits betagten Wissenschaftler auf der Höhe der Zeit. Zuvor hatte er häufig mit dem Begriff Postmoderne gearbeitet, ihr Verhältnis zur Moral und das Unbehagen an ihr analysiert.

Zygmunt Bauman lehrte und schrieb seit 1971 von England aus, damals hatte er einen Ruf der Universität von Leeds erhalten. Doch geboren wurde Bauman in Polen, im heutigen Poznan. Aus seinem Heimatland musste er zweimal fliehen. Zum ersten Mal 1939 vor den Deutschen in die Sowjetunion. Als Soldat der Roten Armee kehrte er zurück, studierte in Warschau Soziologie, trat aber 1967 aus der Kommunistischen Partei aus. Er emigrierte nach Israel, dann ging es nach England.

2014 zeichnete die Deutsche Gesellschaft für Soziologie Zygmunt Bauman für sein "hervorragendes wissenschaftliches Lebenswerk" aus, nur einer von vielen internationalen Preisen, die der Wissenschaftler erhielt. Im Kreise seiner Familie ist Zygmunt Bauman am Montag in Leeds gestorben. Er wurde 91 Jahre alt.

feb/AP



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