Herzattacke: Ephraim Kishon ist tot

Mit 80 Jahren ist am Samstag der israelische Schriftsteller Ephraim Kishon im schweizerischen Appenzell verstorben. Der Autor galt mit einer weltweiten Auflage von 43 Millionen Büchern als einer der meistgelesenen Satiriker überhaupt.

Ephraim Kishon
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Ephraim Kishon

Der israelische Autor Ephraim Kishon ist tot. Israelische Medien berichteten in der Nacht zum Sonntag, er sei am Samstag im Alter von 80 Jahren in der Schweiz nach einer Herzattacke gestorben. Kishon galt als erfolgreichster Satiriker der Gegenwart. Sein Leichnam sollte noch am Sonntag nach Israel geflogen werden. Die Beerdigung ist in Tel Aviv geplant.

Kishon wurde am 23. August 1924 in Budapest als Ferenc Hoffmann geboren. Er schrieb mehr als 50 Bücher, die in 37 Sprachen übersetzt wurden. Die weltweite Auflage seiner Werke beträgt 43 Millionen, davon allein 32 Millionen in deutscher Sprache. Seine "Familiengeschichten" gelten als das meistverkaufte hebräische Buch der Welt nach der Bibel.

Familiengeschichten waren es auch, die Kishon in Deutschland bekannt und erfolgreich machten: Insbesondere seine vermeintlichen Alltagsgeschichten, in denen er sich und seine Familie oft und gern auf den Arm nahm, wurden hier zu Lande zur Erstbegegnung ungezählter Menschen mit dem Genre der Satire. In seinen jungen tagen wirkte Kishon zudem als Regisseur, auch das nicht ohne Erfolg: 1964 wurde sein Film "Salah Shabati" für einen Oscar nominiert.

Schon in den 50er Jahren schaffte Kishon mit der Geschichte vom "Blaumilchkanal" den literarischen Durchbruch in seiner Wahlheimat Israel. Seither hatte er die Lachmuskeln einer weltweiten Lesergemeinde strapaziert. Der als eher konservativ geltende Schriftsteller spießte allgemeinmenschliche Schwächen wie die Heuchelei um das Institut der Ehe sowie die grassierende Bürokratie, aber politische Themen vermied er meist.

Der Schriftsteller arbeitete am liebsten in der Abgeschiedenheit seines zweiten Wohnsitzes im Schweizer Ort Appenzell. Kishon hat Theaterstücke verfasst und Filme gedreht. Seinen Erfolg finde er selbst rätselhaft, behauptete er nicht ohne Koketterie. "Ich glaube, jemand hat mich gern da oben", fügte er hinzu. "Anderenfalls hätte ich diesen Tag ja niemals erlebt."

Überlebender des Holocaust

Tatsächlich war nicht nur ein Wunder, sondern eine ganze Kette von Wundern nötig, damit der ungarisch-jüdische Junge den Holocaust überleben konnte. So half ihm beispielsweise seine Schach-Begabung in einem Arbeitslager, weil der Kommandant ebenfalls ein Faible für diesen Sport hatte. Ein Großteil seiner Familie wurde von den Nazis in den Gaskammern von Auschwitz ermordet.

Im Mai 1949 bestieg der junge Ferenc Hoffmann ein Flüchtlingsschiff nach Israel. Kurz zuvor hatte er sich den Namen Kishont zugelegt. Bei der Ankunft im Hafen von Haifa stutzte der Beamte diesen auf Kishon. Den Vornamen Ferenc ersetzte der Mann mit der lakonischen Bemerkung "Gibt es nicht" durch Ephraim.

Er sei 1924 geboren worden, beschrieb Kishon seine persönliche Geschichte einmal, "und 1949 in Israel wiedergeboren".

Als Ironie der geschichte empfand es Kishon, dass er gerade in Deutschland so beliebt ist. "Ich verspüre Genugtuung darüber, dass die Enkel meiner Henker in meinen Lesungen Schlange stehen", hat er einmal gesagt. Den jungen Deutschen gegenüber empfand er keinen Hass. Es gebe keine kollektive Schuld, sondern nur kollektive Schande. Mit seinem Humor habe er zur Versöhnung beitragen wollen.

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