Es ist 1973. Rockmusik ist das größte Ding der Welt, aber kurz davor, von der alles kommerzialisierenden Unterhaltungsindustrie überrollt zu werden. Davon weiß der 15-jährige Rock-Fan William noch nichts. Er will Musikjournalist werden. Er möchte teilhaben am Ruhm seiner Stars, am Glamour ihrer Konzerte und an der Coolness ihrer Gesten. Auf keinen Fall will der für sein Alter viel zu kindlich wirkende Bursche Anwalt werden oder sich den strengen Vernunftregeln seiner beinahe hysterisch besorgten Mutter (Frances McDormand) beugen.
Die Chance, in den Dunstkreis seiner Idole einzutauchen, erhält er, als er für den berühmten "Rolling Stone" eine Story über Stillwater schreiben darf, eine jener aufstrebenden Rockbands, die kurz vor dem Durchbruch zur Supergroup stehen. William, der die potenziellen Stars auf ihrer Tournee begleiten soll, steht am Anfang einer aufregenden Reise, die ihm die erste große Verliebtheit, den ersten Sex und eine Fülle widersprüchlicher Emotionen bescheren wird. Bezahlen muss er dafür jedoch auch - mit einer ganzen Menge Illusionen, denn die nach außen hin so glitzernde Rock'n'Roll-Welt entpuppt sich schnell als gar nicht so buntes, mühsam zusammengeflicktes Gefüge aus realitätsfernen Wunschträumen.
"Almost Famous" erzählt, wie jeder Film von Cameron Crowe, vom Verlust der Unschuld und vom ernüchternden Prozess des Erwachsenwerdens und hätte leicht zum bitter-sentimentalen Rührstück geraten können. Zumal sich der Regisseur von "Singles" und "Jerry Maguire" diesmal auch mit der eigenen Vergangenheit beschäftigt. Wie sein Film-Held William wurde auch Crowe bereits in jungen Jahren zum Musikjournalisten und schrieb zunächst für "Creem", später als assoziierter Redakteur für den "Rolling Stone". Doch gelang ihm das Kunststück, seine nostalgische Reise in die letzten großen Tage der Rock-Legenden als geradezu fröhliche Ballade zu inszenieren, die einen ganz beseelt entlässt, keineswegs verbittert oder frustriert.
Zu verdanken hat Crowe diesen Umstand seinen wortwitzigen Dialogen und seinen exzellenten Darstellern, allen voran dem Debütanten Patrick Fugit in der Rolle des pubertierenden Rockfans William. Er spielt den schüchternen, sich selbst und seinen Platz in der Welt suchenden Jüngling mit einer Überzeugungskraft, die nur aus dem Umstand seiner eigenen Unerfahrenheit als Schauspieler herrühren kann. Seine Aufgeregtheit angesichts seines Eintauchens in die spannende Hollywood-Welt überträgt er authentisch auf die Leinwand.
Williams Mentor, der ehemals leidenschaftliche, nun zynische gewordene "Creem"-Chefredakteur Lester Bangs (Philip Seymour Hoffman) warnt ihn davor, sich mit den Musikern anzufreunden, über die er schließlich "ehrlich und gnadenlos" berichten muss. Doch spätestens, als er bei einem Stillwater-Konzert die engelsgleiche Penny Lane (Kate Hudson) kennen lernt und sich augenblicklich verliebt, ist es um seine ohnehin bemühte journalistische Distanz geschehen. Ebenso wie die ihrerseits in den charismatischen Gitarristen Russell (Billy Crudup) verschossene Penny und ihre Freundinnen, die sich nicht als Groupies, sondern weitaus anspruchsvoller als "Band-Aids" (Band-Hilfen) betrachten, gehört auch er bald zur begeisterten Entourage der Gruppe.
Deren Unbeschwertheit droht jedoch bereits, angesichts des größer werdenden Erfolgs an Konkurrenz und Egomanie zu zerbrechen. William, hin und her gerissen zwischen Begeisterung (Freundschaft zu Russell, Liebe zu Penny) und schlechtem Gewissen (besorgte Mutter, ungeduldiger "Rolling Stone"-Redakteur) muss am Ende seiner bittersüßen Odyssee schließlich akzeptieren, dass man dem Ernst des Lebens doch nicht entkommen kann.
Ob William, Penny oder Russell - Die Charaktere des bekennenden Billy-Wilder-Fans Crowe, die er mit viel Humor, Hingabe und fast zärtlichem Mitgefühl entwirft, sind zerrissene Figuren, Treibholz im großen Meer der unerfüllten Sehnsüchte des Lebens, die der verkrampften Ernsthaftigkeit ihrer Eltern etwas Neues entgegensetzen wollen. Sie flüchten sich in die künstliche Familie der Rockband und wollen sich ganz in der gemeinsamen Liebe zur Musik, der Religion ihres Eskapismus, verlieren. Eine Seifenblase, das wissen nicht nur Rockfans, sondern auch Alt-68er, Ex-Punks und ehemalige Techno-Jünger, die leider immer wieder an der harten Realität des Alltags zerplatzt.
Oder vielleicht doch nicht? Die liebevolle Leichtigkeit, mit der Cameron Crowe seinen Film in Szene gesetzt hat, kommt nicht von ungefähr. Der inzwischen 43-jährige Regisseur ist selbst das beste Beispiel dafür, dass man seinen Träumen auch als Erwachsener noch nachhängen kann. Nach seinem Ausstieg aus der Welt des Rock'n'Rolls wechselte er einfach in die nächste Traumfabrik und beschäftigt sich seitdem als Filmemacher mit jener magischen Zeit der Jugend, als alle Grenzen noch offen waren, jede Möglichkeit zum Greifen nah schien. Glück für uns, denn wäre Cameron Crowe - vielleicht als Anwalt - in die Tiefen einer bürgerlichen Existenz entschwunden, könnten wir uns jetzt nicht über "Almost Famous" freuen.
"Almost Famous - Fast berühmt". USA 2000: Regie und Buch: Cameron Crowe; Darsteller: Patrick Fugit, Kate Hudson, Billy Crudup, Jason Lee, Philip Seymour Hoffman, Frances McDormand; Länge: 127 Min.; Verleih: Columbia Tristar; Start: 3. Mai 2001
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