Cannes - Das Hollywood-Paar Melanie Griffith und Antonio Banderas überreichte dem 47-jährigen Moretti die höchste Auszeichnung des Festivals. Moretti, der 1994 in Cannes den Regie-Preis für seinen Film "Liebes Tagebuch" gewonnen hatte, galt als Favorit unter den 23 Bewerbern im Wettbewerb. Sein Werk handelt von einer Familie, die mit dem Verlust eines Kindes fertig werden muss. In Italien hatte "Das Zimmer des Sohnes" des politisch links engagierten Regisseurs drei "David di Donatellos" - die wichtigsten Filmpreise Italiens - in Empfang nehmen können. In Cannes ging an ihn außerdem noch der FIPRESCI-Preis der Filmpresse.
Preisträgerin Isabelle Huppert: Au revoir, Cannes!
Auch die beiden französischen Hauptdarsteller der "Klavierspielerin" wurden gewürdigt. Isabelle Huppert, 48, und ihr junger Filmpartner Benoit Magimel, 27, erhielten die Schauspielpreise. "Ich danke Bach, Schubert und Mozart", sagte eine strahlende Isabelle Huppert, als sie die Ehrung als beste Schauspielerin entgegen nahm. 1978 hatte sie diese Auszeichnung bereits einmal für ihre Rolle in Claude Chabrols "Violette Noziere" erhalten.
Der bosnische Regisseur und Drehbuchautor Danis Tanovic bekam mit seiner Kriegsfarce "No Man's Land" den Preis für das beste Drehbuch. Damit die US-Amerikaner, die für Stars und Glamour unter den Palmen des Boulevards La Croisette gesorgt hatten, nicht ganz leer ausgingen, vergab die Jury unter der Leitung der Norwegerin Liv Ullmann den Regie-Preis zu gleichen Teilen an Joel Coen ("The Man Who Wasn't There") und David Lynch ("Mulholland Drive").
Nur eine kleine technische Würdigung nahmen die asiatischen Produktionen mit nach Hause. Die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Filme von Größen wie Shohei Imamura oder Hou Hsiao Hsien enttäuschten vor allem mit krausen Geschichten.
Erstmals während des zwölftägigen Festivals regnete es am Sonntagabend kräftig, als die Prominenz zum letzten Mal die traditionell mit einem roten Teppich belegten Stufen zum Festivalpalais hinauf stieg. Das korsische Top-Model Laetitia Casta, wie schon am Eröffnungsabend traumhaft schön im Geisha-Look, sorgte nach der Preisvergabe noch einmal für eine Überraschung: Als Darstellerin im Abschlussfilm "Les ames fortes" (Die starken Seelen) erfreute Casta auch mit einer beachtlichen Schauspielleistung.
In dem Film von Raoul Ruiz verkörpert sie eine junge Frau vom Lande, die rasch feststellt, dass ihr keiner gewachsen ist. Mit allen Mitteln verfolgt sie ihre Ziele, wobei sie auf ihrem Weg immer auch erkennt, wer eine ähnliche Persönlichkeit hat. Denn auch "starke Seelen" brauchen mitunter Bündnispartner.
Von Hans-Jochen Kaffsack und Karin Zintz, dpa
© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH