Rom - Im dritten Jahr in Folge ist Deutschland bei den Filmfestspielen in Venedig nicht mit einem eigenen Beitrag im Haupt-Wettbewerb vertreten. Allerdings tritt Werner Herzog ("Nosferatu") in der Sektion "Gegenwartskino" mit "Invincible" gegen 19 Konkurrenten um den neuen Preis "Löwe des Jahres" an. Das teilten die Veranstalter der 58. Kino-Biennale am Freitag in Rom mit.
"Invincible" schildert die tragische Geschichte des jüdischen Schmieds Zishe Breitbart aus Ostpolen, der Anfang der dreißiger Jahre in der Berliner Welt der Varietés als "stärkster Mann seiner Zeit" Furore macht - zum Missfallen der Nazis. Der "Löwe des Jahres" sei mit umgerechnet 200.000 Mark dotiert. Im offiziellen Wettbewerbsprogramm ist Deutschland lediglich mit der Koproduktion "The Navigators" des britischen Regisseurs Ken Loach vertreten.
Immerhin schafften drei Kurzfilme aus deutscher Produktion den Sprung ins Rahmenprogramm. Am Kurzfilmwettbewerb "Corto Cortissimo" nimmt Jan Schütte mit der Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichte "Old Love" teil. Zwei weitere Filme in dieser Sektion stammen von Studenten der Kunsthochschule für Medien Köln: "Freunde" von Hochschulabsolvent Jan Krüger über eine Freundschaft zwischen zwei ganz unterschiedlichen Typen und die deutsch-kubanische Koproduktion "Quien eres tu?" von Ruth Olshan.
Den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhält der Altmeister des französischen Films, Eric Rohmer, 81. Rohmer ("Der Freund meiner Freundin") sei einer der bedeutendsten Vertreter der "Neuen Welle" und einer der wenigen Filmemacher weltweit, die ein Schlaglicht auf ihre Zeit werfen, heißt es zur Begründung. Außer Konkurrenz laufen Woody Allens neuer Streifen "The Curse of the Jade Scorpion" mit Woody Allen, Dan Aykroyd und Helen Hunt sowie Steven Spielbergs "A.I. - Artificial Intelligence" mit Jude Law und Haley Joel Osment.
Die internationale Jury leitet der italienische Filmemacher Nanni Moretti, 47, ("Liebes Tagebuch"). Er war im Mai für sein bewegendes Drama "La stanza del figlio" in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. Insgesamt sind bei den Festspielen in Venedig 140 Filme zu sehen. "Die Biennale erobert sich ihr Welt-Primat zurück", sagte Präsident Paolo Baratta. Das Gelände sei von 5000 auf 17.000 Quadratmeter erweitert worden.
Unter den 20 Wettbewerbsbeiträgen sind zwei US-Streifen - "Bully" von Larry Clark und "Waking Life" von Richard Linklater, die durch Stars wie Nicole Kidman und Ethan Hawke Hollywood-Flair an den Lido bringen sollen. Ben Kingsley gehört zu den Darstellern der britisch-italienischen Produktion "The Triumph of Love" von Clare Peploe. Für Österreich tritt der Wiener Ulrich Seidl mit "Hundstage" an, in dem Maria Hofstätter die Hauptrolle spielt.
Der israelische Filmemacher Amos Gitai, 50, zeigt seinen neuen Film "Eden". Außer Konkurrenz ist "Dust" von Milcho Manchevski aus Skopje (Mazedonien) zur Eröffnung zu sehen. Im "Kino der Gegenwart" läuft zum Auftakt der Streifen "L'amore probabilmente" von Giuseppe Bertolucci, 54, jüngerer Bruder des italienischen Starregisseurs Bernardo Bertolucci.
Die Biennale findet vom 29. August bis zum 8. September auf dem Lido in Venedig statt.
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