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21.08.2001
 

Bridget Jones

Defilee der Peinlichkeiten

Von Cristina Moles Kaupp

Kein Tagebuch einer Single-Frau ist so berühmt geworden wie das der Romanfigur Bridget Jones. Auch die Verfilmung offenbart ohne Pardon all die kleinen Schwächen, Lügen, Enttäuschungen und Trotzgewitter - lebensnah.

Filmszene mit Renèe Zellweger: Bridget feilt an der nicht vorhandenen Perfektion - Outfit, Gewicht, saubere Gedanken
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Filmszene mit Renèe Zellweger: Bridget feilt an der nicht vorhandenen Perfektion - Outfit, Gewicht, saubere Gedanken

Vor gut sechs Jahren begann Bridget Jones das Single-Dasein sarkastisch unter die Lupe zu nehmen. Die Autorin Helen Fielding hatte ihre Heldin zunächst für eine wöchentliche Kolumne im Londoner "Independent" skizziert, dann stieß sie Bridget in das turbulente Auf und Ab eines Jahres. Akribisch ließ sie den pummeligen Single Anfang Dreißig buchhalten über ihre Kleinmädchenträume vom sagenhaften "Mister Perfect", der in dem elendig großen London endlich Fleisch werden sollte. Jenes herrliche Exemplar Mann, nach dem manche Singles ebenso lechzen wie die einsam Gebliebenen im Beziehungsclinch: attraktiv, erfolgreich und vor allem erwachsen, weder Alkoholiker noch Workaholic, kein Seitenspringer, Beziehungsparanoiker und schon gar nicht pervers. Kurzum ein Kerl, der unter das Artenschutzprogramm fiele - wenn es ihn denn gäbe.

Doch Glaube versetzt ja angeblich Berge, und so strampelt Bridget los, um ihr Glück zu finden. Sie wird ihrem Traumprinzen begegnen, ihn jedoch für einen Langweiler halten. Sie wird eine unglückliche Affäre mit ihrem Chef beginnen, zerknirscht Besserung geloben, um gleich wieder umzuschwenken. Und sie wird ihren Job als Verlagsangestellte an den Nagel hängen, um sich als Journalistin bei einem drittklassigen Fernsehsender zu verdingen. Manche nennen das Aufstieg, doch Bridget bleibt, was sie war: Single, mittelmäßig, naiv, aber mit einer gesunden Power im Bauch. Garniert wird das vertraute Szenario mit den üblichen Figuren: Schwule und Freundinnen, die wie Bridget an den Männern fast verzweifeln. Zu allem Unglück flattert über allem eine Hyper-Mutter, der vom Fremdgehen bis zur Karriere alles gelingt. Nur ihre Bridget kriegt sie nicht verkuppelt, doch sie arbeitet hart daran.

Kein Wunder, dass sich Bridget auf satten Neurosen bettet. Und da diese sich leichter unter Kontrolle halten lassen, wenn sie täglich zähneknirschend umsorgt werden, beginnen Bridgets Tagebucheinträge stets mit dem gleichen Ritual: "57 kg (wegen Frust), Alkoholeinheiten 6 (wg. Problemen), Zigaretten 32 (sehr sehr schlecht, vor allem da es der erste Tag ist, an dem ich offiziell aufgehört habe), Kalorien 1800 (gut), Anzahl gelesener seriöser Artikel über das aktuelle Tagesgeschehen 1,5 ..."

Ein selten blödes Happy End verrät alles, was die Geschichte ausgemacht hat (Filmszene mit Hugh Grant und Zellweger)
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Ein selten blödes Happy End verrät alles, was die Geschichte ausgemacht hat (Filmszene mit Hugh Grant und Zellweger)

Geht's noch grausamer? Schonungslos feilt Briget an ihrer nicht vorhandenen Perfektion: Outfit, Gewicht und saubere Gedanken. Wird es so endlich klappen mit den beiden Ks - Kerl und Karriere? Klar. Leider. Plötzlich steht da dieses selten blöde Happy End herum und verrät alles, was dem Buch bisher heilig war. Und aus Bridget Jones wird eine Kultfigur, ein Identifikationsmodell für alle, die ähnlich nervös durch ihren Großstadtdschungel zappeln - nicht nur in England ist jede vierte Frau zwischen dreißig und vierzig Single.

Inzwischen haben über vier Millionen Seelenverwandte "Schokolade zum Frühstück - Das Tagebuch der Bridget Jones" verschlungen und es an ihre Freundinnen weitergereicht: "Ich weiß ja, dass das Buch Schund ist, aber irgendwie bringt es die Sache auf den Punkt." So geködert beginnt das Elend. Man liest, verschlingt die Seiten und fühlt sich hinterher wie nach fünf Litern Vanillepudding - ganz und gar nicht glücklich.

Dabei fehlt Bridget Jones angenehmerweise jener teutonische Hera-Lindsche Drang zum Superweib - die Briten haben eben ein Herz für Verlierer. Sie darf in aller Ruhe in ihrem kleinen Chaos herumplanschen und ihre süßen Süchte frönen; das macht sie nur sympathischer. Wäre da nicht der ständige Tanz um den Goldenen Kerl und diese modisch verbrämte Ambition, nur als Normalnull von der Gesellschaft als "vollwertig" anerkannt zu werden. Denn nur wer wie die anderen ist, wirkt glaubhaft, Individuen müssen perfekt sein, und das macht sie zu notorischen Lügnern. Ziemlich nervig, aber passend zur grassierenden Regression.

Unglaubliches Theater um den Schmierlappen von Chef
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Unglaubliches Theater um den Schmierlappen von Chef

Die moderne junge Frau spreizt sich als ein mit Haarlack fixiertes Nervenbündel, das wahre Leben lauert jenseits der Einsamkeit. Sie lässt sich besiegen von Mode, Werbung und deren überirdisch sublimem Perfektionskult, Manna und Geißel zugleich. Des Hinterfragens müde, zeigt sie keine Krallen mehr. Nur ihre Slips flaggen ab und an mal Tigerinnenmuster - selbstverständlich ohne Gespür für die richtige Gelegenheit.

Nun ist die britische Schokolade in hundertprozentigem US-Komödienformat erhältlich. Mit einer ziemlich authentischen Renée Zellweger als Bridget, die für diese Inkarnation ein regelrechtes Mastprogramm durchlief und hart am britischen Akzent feilte. Gerafft auf 97 Minuten wurden jedoch viele sympathische Spitzen des Buchs frivol geschlachtet und die Lücken mit Schmalz zugespachtelt. So reduzieren sich Jones' Abenteuer auf das Wesentliche - Männerjagen, vor Muttern flüchten und Single-Frust in der extended Version. Genauer: ein Defilee von Peinlichkeiten, garantierte Lacher im Saal.

Wenn Bridget ihre Pfunde für eine dieser obskuren Verkleidungspartys in Korsett und Netzstrümpfe zwängt und mit einem Bunny-Puschel dekoriert, ist sie selbstredend die Einzige, die diesen Zirkus mitmacht. Oder ihr unglaubliches Theater um den Schmierlappen von Chef, eine Paraderolle für Hugh Grant. Ach, wenn sie vor laufender TV-Kamera mit dem Hintern voraus eine Feuerwehrstange herunterrutscht und gen Schluss in besagtem Tiger-Slip ihrem Mister Right, dem introvertierten Colin Firth, durchs winterliche London hinterhersetzt - man möchte sich verkrümeln vor Scham. Arme Bridget! Dabei ist doch nichts herrlicher, als ein Single zu sein.

" Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück". USA/Großbritannien 2001. Regie: Sharon Maguire, Darsteller: Renée Zellweger, Colin Firth, Hugh Grant, Jim Broadbent, Gemma Jones. Länge: 97 Minuten, Verleih: UIP.

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