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18.09.2001
 

Krimi-Kunst

"Komm, süßer Tod"

Von Daniel Haas

Der Schriftsteller Wolf Haas hat mit Simon Brenner einen österreichischen Philip Marlowe geschaffen. Jetzt bringt Regisseur Wolfgang Murnberger den kauzigen Ermittler kongenial auf die Leinwand.

Brenners Kollege, der Zivildienstleistende Berti (Simon Schwarz), sitzt in der Klemme
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DPA

Brenners Kollege, der Zivildienstleistende Berti (Simon Schwarz), sitzt in der Klemme

Seine Romane sind schmal, sein Stil schräg, seine Reputation immens: Wolf Haas, Autor der Kriminalromane um Detektiv Brenner, landete gar auf der Bestenliste von Österreichs Großschriftstellerin Elfriede Jelinek. Mit der streitbaren Sprachartistin hat Haas nicht nur die Nationalität, sondern auch den literarischen Eigensinn gemeinsam: In seinen Büchern werden die Erzählkonventionen des Krimis derart verformt, dass man getrost von einer Revision des Genres sprechen kann.

Regisseur Wolfgang Murnberger hat nun - zusammen mit Haas und Brenner-Darsteller Josef Hader - den zweiten Roman des Erfolgsautors verfilmt: Hier ist Brenner bereits der von Migräne geplagte Ex-Polizist, der sich nach einer verpatzen Karriere mit skurrilen Jobs durchs Leben schlägt. Als Wiener Sanitäter gerät er zwischen die Fronten zweier konkurrierender Rettungsunternehmen, die sich gegenseitig die Patienten abspenstig machen - und notfalls die Auftragslage mit Gewalt aufbessern.

Filmszene mit Ingrid Burkhard
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Ventura Film

Filmszene mit Ingrid Burkhard

Simon Brenner, von der Kritik schon liebevoll zum "Alpen-Marlowe" geadelt, ist dabei ein kauziger Querulant, mit dem Krimi- und jetzt auch Kino-Fans die Entdeckung der Langsamkeit betreiben können: Als Gegen-Typ zum dynamischen City-Menschen steht - und noch öfter sitzt - der wortkarge Ex-Cop für eine schrullige Form unzeitgemäßer Integrität. Murnberger hat die oft zäh anmutende Erzählweise der Vorlage adaptiert, ohne der Geschichte Tempo, Dynamik und Spannung zu nehmen.
Barbara Rudnik und Josef Hader in "Komm, süßer Tod"
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Ventura Film

Barbara Rudnik und Josef Hader in "Komm, süßer Tod"

Unterstützt von einem exzellenten Ensemble, zu dem neben Simon Schwarz auch eine wunderbar spröde Barbara Rudnik gehört, rempelt sich Hader alias Brenner durch seine Ermittlungen.

Natürlich erzählt der Film von den Gefahren des galoppierenden Kapitalismus und wie er gerade die Schwächsten eines Systems - die Alten, Kranken und Verletzten - bedroht. Vor allem aber präsentiert er den viel gerühmten Schmäh unserer Nachbarn als das Talent, dem Bösen zugleich patzig und gelassen Paroli zu bieten.

"Komm, süßer Tod". Österreich 2000. Regie: Wolfgang Murnberger. Buch: Wolfgang Murnberger, Josef Hader, Wolf Haas nach dem gleichnamigen Roman von Wolf Haas. Darsteller: Josef Hader, Barbara Rudnik, Nina Proll, Simon Schwarz. 107 Minuten. Verleih: Ventura Film. Kinostart: 20. September 2001.

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