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31.10.2001
 

Interview mit Bruce Willis

"Actionfilme langweilen mich"

Vorsichtiger Imagewechsel: In Barry Levinsons neuem Film "Banditen!" testet Bruce Willis sein komödiantisches Talent. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der 46-Jährige über seinen Action-Überdruss, schauspielerischen Ehrgeiz und die Kino-Auftritte seiner Töchter.

Hollywood-Star Willis: "Ich kann ein bisschen schauspielern"
DPA

Hollywood-Star Willis: "Ich kann ein bisschen schauspielern"

SPIEGEL ONLINE:

Mr. Willis, Sie haben es geschafft, neben Actionhelden auch komische und tragische Rollen zu spielen. Ist das in Hollywood nicht ein ziemlich schwieriges Unterfangen?

Bruce Willis: Vielleicht haben andere Leute da mehr Schwierigkeiten und ich habe einfach nur Glück. Ich suche mir meine Filme schlicht danach aus, ob das Drehbuch interessant ist und wer sonst noch daran beteiligt ist. Das zumindest kommt mir nicht sehr schwierig vor.

SPIEGEL ONLINE: Kürzlich ging die Meldung durch die Schlagzeilen, Sie wollten nach den jüngsten Ereignissen Ihre Rollenauswahl, vor allem im Hinblick auf Actionfilme, überdenken.

Willis: Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas verändern sollte. Mein Beruf als Schauspieler ist es, interessant und unterhaltend zu sein. Und das hat sich in keiner Weise verändert. Allerdings langweilen mich Actionfilme schon eine ganze Weile. Der letzte Actionfilm, den ich gemacht habe, war "Armageddon", und den sehe ich mehr als Abenteuerfilm, auch wenn Asteroiden und Raumschiffe darin vorkamen. Dem Actiongenre scheint irgendwie die Puste auszugehen, es wiederholt sich bloß noch.

SPIEGEL ONLINE: "Die Hard 4" wird also ohne Sie stattfinden?

Willis in "Banditen!": "Leute zum Lachen zu bringen ist schwierig"
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Constantin

Willis in "Banditen!": "Leute zum Lachen zu bringen ist schwierig"

Willis: Das Problem ist, dass das kein Film ist, sondern nur ein neues Kapitel eines Films, den wir schon gesehen haben. Diese ganze Fortsetzungsgeschichte ist irgendwie merkwürdig, und ich würde lieber mit einem neuen Film scheitern, als damit, einem alten Image wieder und wieder gerecht werden zu müssen. Das Studio findet das sicher toll, aber schauspielerisch ist das schwierig. Was nicht bedeutet, dass ich mich nicht in der nächsten Woche für ein gut geschriebenes Action-Drehbuch begeistern könnte.

SPIEGEL ONLINE: Fragen nach Regie-Plänen sollen Sie mit dem Hinweis beantwortet haben: Erst mal will ich ein guter Schauspieler werden. Zweifeln Sie an sich?

Willis: Ich lerne immer noch, bei jedem Film. Ich vermute, es wird noch etwa zehn Jahre dauern, bis ich die Schauspielerei wirklich raus habe und die Fähigkeit entwickelt habe, zwischen dem, was ich als Schauspieler kann und nicht kann, zu unterscheiden.

SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Sie und Ihr Film-Partner Billy Bob Thornton Barry Levinson als Regisseur für "Banditen!" vorgeschlagen haben?

Willis: Ja, wir haben ihm das Drehbuch geschickt. Ich bin ein Riesenfan von ihm, ich halte ihn für einen großartigen Filmemacher und ich mag seinen Sinn für Humor.

SPIEGEL ONLINE: Welches Genre haben Sie nach zwei paranormalen Thrillern und zwei Komödien als Nächstes im Visier?

Willis: Ich suche mir die Rollen eher nach Drehbüchern als nach Genres aus. Wenn ich also morgen ein gutes Komödien-Drehbuch lese, werde ich das machen wollen. Leute zum Lachen zu bringen, komisch zu sein, ist allerdings ziemlich schwierig.

Actionheld Willis in "Stirb langsam": "Diese ganze Fortsetzungsgeschichte ist irgendwie merkwürdig"
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obs

Actionheld Willis in "Stirb langsam": "Diese ganze Fortsetzungsgeschichte ist irgendwie merkwürdig"

SPIEGEL ONLINE: Worüber können Sie lachen?

Willis: Über Situationskomödien. Filme wie "Banditen!" mag ich, weil sie nicht dadurch lustig zu sein versuchen, dass irgendjemand ständig Witze reißt. Sie bringen einen zum Lachen, indem die Figuren in komische Situationen geraten und sich aberwitzig benehmen.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Töchter haben in "Banditen!" nach ihrem Auftritt in "Keine halben Sachen" erneut Rollen neben ihrem Vater übernommen.

Willis: Ja, allerdings waren sie bei "Keine halben Sachen" nur zu Besuch auf dem Set, und wir steckten sie kurzerhand in die Szene, die wir an diesem Tag drehten. Hier standen diese Rollen vorher im Drehbuch, also sprach ich mit Barry darüber, und er war einverstanden. Und ich finde, die beiden sind ziemlich witzig.

SPIEGEL ONLINE: Ihre älteste Tochter Rumer ist nicht dabei. Gibt es keine Zankereien zwischen den Kindern, wer neben Papa vor der Kamera stehen darf?

Willis: Nein, so etwas wie Konkurrenz zwischen den Mädchen gibt es nicht. Die Mädchen im Skript hatten zufällig das Alter von Scout und Tallulah, also bekamen sie die Rollen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie keine Vorbehalte gegen die schauspielerischen Ambitionen Ihrer Kinder?

Willis: Nein. Sie dürfen nur in Filmen mitspielen, in denen auch ihr Vater oder ihre Mutter mitspielt. Und wir versuchen, unsere Kinder Kinder sein zu lassen, so lange das geht.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst machen neben der Schauspielerei auch noch Musik. Wie wichtig ist Ihnen Ihre musikalische Laufbahn?

Willis in "Unbreakable" (2000): "Ich lerne immer noch"
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DPA

Willis in "Unbreakable" (2000): "Ich lerne immer noch"

Willis: Ich mache sogar ziemlich viel Musik, aber ich versuche nicht, damit Geld zu verdienen. Ich habe einen guten Job als Schauspieler und brauche die Musik nicht, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich rede zwar ständig davon, dass ich bald wieder ein Album aufnehmen werde, aber ich stehe damit unter keinerlei Druck.

SPIEGEL ONLINE: Nur eine weitere Möglichkeit des künstlerischen Ausdrucks?

Willis: Ja, ebenso wie die Schauspielerei. Könnte ich zum Beispiel zeichnen oder Figuren formen, dann täte ich das. Leider kann ich's nicht. Aber ich kann ein bisschen schauspielern.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Karriere begann auf Bühnenbrettern, bis heute spielen Sie hin und wieder Theater. Wann sieht man Sie mal wieder auf der Bühne?

Willis: Es ist ein ziemlich gut gehütetes Geheimnis, dass ich im Sommer in Idaho Theater spiele, wo ich lebe. In diesem Sommer habe ich ein Stück von Sam Shepard mit dem Titel "True West" gespielt.

SPIEGEL ONLINE: Hätten Sie auch mal wieder Lust auf ein Broadway- oder Off-Broadway-Stück?

Willis: Schon, aber ich muss sagen, dass mich das Theater in Idaho sehr erfüllt. Allerdings gehe ich gern als Zuschauer ins Theater, wenn ich in New York bin.

SPIEGEL ONLINE: In "Banditen!" suchen Sie zusammen mit Billy Bob Thornton nach dem Paradies. Wie sieht Ihr persönliches Paradies aus?

Willis: Ich mag den Ozean. Aber wissen Sie, bei der Beantwortung derart großer philosophischer Fragen bin ich nicht besonders gut.

Das Interview führte Nina Rehfeld

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