Von Daniel Haas
"Willkommen in Deutschland, der Heimat von Bier, Autobahn und Beau Brandenburg!", freuen sich die Sportreporter, ganz im Gegensatz zum Zuschauer, der von Anfang an nichts zu lachen hat in diesem Film. Beau Brandenburg (Til Schweiger) ist einer der Helden von Renny Harlins ("Cliffhanger", "Die Hard 2") Rennfahrerspektakel, das irgendwo zwischen München und Tokio stattfindet - wo genau ist eigentlich egal, man ist ja schon so viel herumgekommen in diesem Streifen. Deutschland, Amerika, Kanada und Japan: Ein Glück gibt's die Sportreporter und die Untertitel, die einem sagen, wo in der nächsten Episode dieses Films Langeweile auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt wird.
"Driven" ist ein Werk der Zusammenstöße; hier kollidiert alles mit allem: Autos mit Leitplanken, Dramaturgie mit Geografie (ein Autorennen beginnt in der Innenstadt Chicagos, endet aber in Toronto), Darsteller aus Deutschland (Til Schweiger, Verona Feldbusch, Jasmin Wagner) mit Darstellern aus USA (Sylvester Stallone, Burt Reynolds). Um dem Anspruch des Films gerecht zu werden (Tempo, Tempo, Tempo!), die Handlung ganz auf die Schnelle: Alter Rennsport-Star (Stallone) wird von altem Rennstallbesitzer (Reynolds) zurück auf die Piste geholt, um jungen Rennsportstar (Kip Pardue) zu unterstützen. Der verknallt sich in das Girl (Estella Warren) vom fiesen Rennsport-Star (Schweiger). Am Ende geben alle richtig Gas, auch emotional und überhaupt: Der Jungstar kriegt den Pokal, der Fiesling die Braut, der Altstar den Ruhm.
Nach "The Fast and the Furious" ist "Driven" der zweite Film dieser Saison, der daran scheitert, Geschwindigkeit zum Leinwandstar zu machen. Wer sich Authentizität suggerieren möchte, ist mit der Sportberichterstattung im Fernsehen oder einschlägigen Videospielen besser bedient: Hier gehören die subjektiven Perspektiven, die Close-ups und rasant inszenierten Wahrnehmungssprünge längst zum ikonografischen Inventar. Und für ein Drama, in dem das Fahren zur metaphorischen Leitspur werden könnte, ist "Driven" zu langsam; seine Helden bleiben festgezurrt auf den Positionen nerviger Klischees: der junge Hitzkopf, der weise Veteran, das blonde Biest, die kluge Journalistin.
Die kluge Journalistin, von einer schamlos unterforderten Stacy Edwards gespielt, schreibt übrigens eine Studie über "männliche Dominanz im Sport" - eine Plattitüde, die fast schon als Selbstironie des Films durchgehen könnte. Tatsächlich aber präsentiert "Driven" die Konventionen des Machismo in variierter Form: Das Auto - ursprünglich als begehrter fetischisierter Körper die Geliebte, die es auf Touren zu bringen galt - ist hier längst keine Metapher mehr. Es ist das Bindeglied im Kampf der Kerle; ein Zeichen, über das sich Männergenerationen und ihre Konflikte miteinander vermitteln lassen. Auch in "The Fast And The Furious" ging es ja um Bruderzwist und Männerehre; die Frauenfiguren blieben weitgehend auf der Strecke.
Die Konsequenzen eines solchen Kinos sind vielleicht Filme, in denen Helden in Flashbacks große Rennerfolge Revue passieren lassen, ansonsten aber einträchtig, sagen wir, ein Getriebe reparieren. Drehort wäre der Sitz der Nockenwelle, Besetzung von Recaro.
"Driven". USA 2001. Regie: Renny Harlin; Buch: Sylvester Stallone; Darsteller: Sylvester Stallone, Til Schweiger, Kip Pardue, Burt Reynolds, Stacy Edwards, Estella Warren, Verona Feldbusch, Jasmin Wagner. Länge 109 Minuten; Verleih: Warner Brothers; Start: 15. November 2001.
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