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18.02.2002
 

Interview mit Russell Crowe

"Hollywood ist eine Zwiebel"

Oscar-Preisträger Russell Crowe ("Gladiator") über seine Rolle als schizophrenes Mathematik-Genie im Kino-Drama "A Beautiful Mind" und die Vorzüge des Lebens auf dem Land

Crowe, Jennifer Connelly in "A Beautiful Mind": "Persönliche Marke setzen"
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AFP

Crowe, Jennifer Connelly in "A Beautiful Mind": "Persönliche Marke setzen"

SPIEGEL:

Mr. Crowe, vergangene Woche sind Sie im dritten Jahr in Folge für einen Oscar nominiert worden als bester männlicher Hauptdarsteller ­ das haben vor Ihnen nur Spencer Tracy oder Jack Nicholson geschafft. Ist Ihr Ehrgeiz jetzt befriedigt?

Crowe: Nein. So schön diese Anerkennung ist ­ es geht in diesem Beruf darum, seine ganz persönliche Marke zu setzen. Danach suche ich mir meine Rollen aus. Man darf nicht zu viel über das Geld nachdenken, das dabei herausspringt ...

SPIEGEL: ... in Ihrem Fall etwa 15 Millionen Dollar pro Film ...

Crowe: ... oder über den Lebensstil, den man sich davon leisten kann. Wenn es nur noch darum geht, sollte man besser aufhören.

SPIEGEL: Wie im Wirtschaftsthriller "Insider" spielen Sie auch in "A Beautiful Mind" eine tatsächlich lebende Person ­ diesmal den Mathematiker John Nash, der Sie auch am Set besucht hat. Schränkt es den Spielraum ein, wenn man plötzlich seinem Rollenvorbild gegenübersteht?

Crowe: Nein, das kümmert mich normalerweise überhaupt nicht. Aber als ich den "Insider" spielte ...

SPIEGEL: ... und sich dafür 20 Kilo Übergewicht anfutterten ...

"Mind"-Star Crowe: "Es geht nicht um Eitelkeit"
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AP

"Mind"-Star Crowe: "Es geht nicht um Eitelkeit"

Crowe: ... sah ich fast aus wie mein Vater. Doch es geht für mich in diesem Beruf nicht um Eitelkeit, sondern um die Erschaffung eines lebendigen Menschen. Allerdings habe ich nie versucht, den echten Nash zu imitieren ­ auch wenn man natürlich eine gewisse Verantwortung dem Vorbild gegenüber trägt.

SPIEGEL: Eben. Stört es Sie, dass im Drehbuch Nashs Biografie etwas begradigt wurde? Dass der echte Nash etwa seine erste Frau samt Kind in Armut sitzen ließ, erfährt der Zuschauer nicht. Auch war Nash, anders als im Film, kein überzeugter Kalter Krieger ­ tatsächlich hat er 1960 versucht, seine US-Staatsbürgerschaft aufzugeben.

Crowe: Noch einmal: Es ging nicht um Imitation. Wichtiger als historische Details war mir, Nashs Aufsätze zu lesen ­ oder das zumindest zu versuchen. Ich habe mir meinen Nash aus vielen Quellen zusammengebaut. Das ist wie eine Mathematikaufgabe: Wenn man alle Infos hat, muss man abstrahieren.

SPIEGEL: Haben Sie auch akut Schizophrenie-Kranke getroffen?

Crowe: Ich habe mir einige Fallstudien auf Video angesehen. Etwas anderes blieb mir auch gar nicht übrig: Ich rede dauernd davon, dass man doch bitte schön meine Privatsphäre achten soll. Da wäre es sehr verlogen, wenn ich jetzt in Krankenhäusern herumgeschnüffelt hätte.

SPIEGEL: Einige Schauspieler neigen bei der Darstellung von psychisch Kranken zum Überziehen. Wie bremsen Sie sich?

Kinoplakat: "A Beautiful Mind"
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Kinoplakat: "A Beautiful Mind"

Crowe: Mal sehen, ob ich nicht irgendwann eine Rolle richtig versauen kann. Im Ernst: Ich habe 24 Filme gedreht und, wie ich finde, jede Form von Überagieren bisher ganz gut vermeiden können. Ich verschmelze zwar völlig mit einer Rolle, aber nur zwischen den Kommandos "Action" und "Cut". Anders als einige Kollegen erwarte ich nicht, dass man mich während des Drehs mit dem Rollennamen anspricht, und ich spreche nicht plötzlich auch privat mit der Stimme der Figur. Man muss Abstand wahren. Und so wie ich es bei der Schauspielerei mache, halte ich es auch sonst im Leben.

SPIEGEL: Sie kokettieren gern mit Ihrer Abneigung gegen Hollywood. Warum?

Crowe: Ich rege mich leicht auf, wenn ich über diese Stadt spreche. Viele Menschen fühlen sich zwar angezogen vom Glamour dort, aber ich bin nicht ins Filmgeschäft gegangen, um berühmt zu werden. Ich habe auch noch nie ein Haus in Los Angeles besessen und habe nicht vor, das zu ändern. Los Angeles ist ein Symbol für alles Negative, und Hollywood erinnert mich an eine Zwiebel.

SPIEGEL: Weil es die Menschen zum Heulen bringt?

Crowe: Nein, weil man eine Schale nach der anderen abziehen kann, und am Ende bleibt nicht viel übrig. Dafür glaubt sogar noch die Schicht ganz außen, dass sie irgendwie dazugehört. Aber das ist Wunschdenken.

SPIEGEL: Die räumliche Nähe zu Kollegen inspiriert Sie nicht?

Crowe: Im Gegenteil: Man urteilt objektiver, wenn man die Branche auch von außen betrachten kann. Auch deshalb lebe ich auf meiner Farm in Australien: 300 Hektar, 250 Angus-Rinder, viele Pferde und Hunde. Das Unangenehmste an meinem Beruf ist, dass ich oft monatelang weg bin. Ich bekomme nicht jede Geburt dort mit. Wenn ich von einem Dreh zurückkomme, muss ich mich den Tieren erst immer wieder vorstellen.

Das Interview führte Martin Wolf

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