Mister Wedge, "Anastasia" und "Titan A.E.", die ersten beiden Animationsfilme von Twentieth Century Fox, hatten nicht das große Kassenglück. Wie stark war der Erfolgsdruck?
Chris Wedge: Enorm. Aber aus einem ganz anderen Grund: Auf uns lastete das Vermächtnis der anderen großartigen Computertrickfilme wie "Shrek" oder "Monster AG".
SPIEGEL ONLINE: Ihr Film zielt indes auf eine etwas jüngere Altersgruppe.
Wedge: Das würde ich so nicht sagen. Auf jeden Fall haben wir nicht versucht, einen Film speziell für Kinder zu machen. Wir wollten einfach unterhalten und etwas Neues bieten und dafür das Beste geben.
SPIEGEL ONLINE: Ganz so neu ist das Konzept von "Ice Age" nicht. Vor zwei Jahren gab es mit Disneys "Dinosaurier" schon mal ein prähistorisches Animationsabenteuer.
Wedge: Aber das spielte Hunderte Millionen Jahre früher. Dass einem die Story ein wenig vertraut vorkommt, mag schon sein. Aber es gibt eben nicht endlos viele Geschichten, die man erzählen kann.
SPIEGEL ONLINE: Traditionelle Animationsfilme wie "Atlantis" hatten es in der letzten Zeit schwer beim Publikum. Lag es an der Technik oder an den Ideen?
Wedge: Auf jeden Fall war es keine Frage der Technik. Denn letztlich zählen nur Geschichte und Charaktere. Deshalb wird auch der normale Zeichentrick nicht einfach so verschwinden.
SPIEGEL ONLINE: Warum favorisieren Sie dann die Computeranimation?
Wedge: Weil ich schon immer von dreidimensionalen Formaten begeistert war. Seit ich zwölf war, machte ich Stop-Motion-Animation, ab Zwanzig ging's dann am Computer weiter. Ich brauche einfach etwas Greifbares.
SPIEGEL ONLINE: Ihre Firma Blue Sky sitzt nicht im Animationsmekka Kalifornien, sondern nördlich von New York. Wie kann das funktionieren?
Wedge: In diesem Metier bist du in örtlicher Hinsicht völlig unabhängig. Schließlich brauchst du weder Sonnenschein noch Palmen zum Drehen. So lange es Highspeed-Internet und FedEx gibt, ist es egal, wo du sitzt.
SPIEGEL ONLINE: Am Anfang Ihrer Karriere arbeiteten Sie bei "Tron", einem Meilenstein der Tricktechnik, mit. Haben Sie damals schon vorhergesehen, wohin die Entwicklung führen würde?
Wedge: Dazu brauchte ich keinerlei prophetisches Talent. Es war klar: Wenn es die technischen Voraussetzungen gibt, dann würden wir die unglaublichsten Dinge machen. Das Potenzial war und ist grenzenlos.
Das Interview führte Rüdiger Sturm
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