Von Nina Rehfeld
Allem Anschein nach wird nun doch nicht der N'Sync-Boy Lance Bass sondern Tom Cruise der erste Superstar im All sein. Sein zweiter Traum neben der Schauspielerei sei immer die Raumfahrt gewesen, sagte Cruise am Donnerstag anlässlich der Premiere seines neuen Films "Minority Report" in Berlin. Kürzlich durfte er sogar schon mal im Raumanzug die Schwerelosigkeit testen - im Nasa-Trainingsbecken. Eine winzige Kleinigkeit steht dem Space-Cruise allerdings noch im Weg. "Ich würde zwar gerne ins All fliegen", so Cruise, "aber ich würde nur ungern 24 Millionen Dollar dafür hinblättern." Also kommt Cruise der Weltraumbehörde schon mal ein wenig entgegen. Er unternehme derzeit ein paar Dinge, um der Nasa zu helfen, so Cruise nebulös. Und das sei keine Science-Fiction-Story.
Mit Science-Fiction-Geschichtchen hat bekanntlich auch einst der spätere Scientology-Gründer L. Ron Hubbard seine Brötchen verdient. Auf eine Journalistenfrage verteidigte der bekennende Scientologe Cruise die Kontroversen um das Unternehmen: "Man braucht schon sämtliche Informationen, um ein Urteil fällen zu können." Zwar ist ausgerechnet Scientology nicht besonders großzügig mit Informationen, aber immerhin war damit das Stichwort des Tages gefallen.
Wo die Informationsgesellschaft in 50 Jahren sein mag, malt sich Spielbergs "Minority Report" nach einer Kurzgeschichte von Phillip K. Dick aus. Tom Cruise spielt darin den Leiter einer sogenannten Precrime-Behörde, die Verbrecher mit Hilfe dreier Hellseher bereits vor begangener Tat verhaftet. Freilich hat so viel Information auch ihre - spannend inszenierten - Tücken. Es gibt keinen Grund den Zukunftspolizisten, an dem System zu zweifeln, bis er selbst in einer Vision als Mörder zu sehen ist. In einem Wettlauf mit der Zeit muss er zeigen, dass das System doch fehlbar ist.
Spielberg eröffnete die Pressekonferenz zum Film passenderweise mit geschickt dosierten Informationshäppchen zu seinem Interesse am Paranormalen. Er habe schon eine Reihe übernatürlicher Erlebnisse gehabt, sagte der Regisseur, verschwieg Details jedoch geflissentlich. Lapidare Begründung: "Sonst interessiert sich hier keiner mehr für irgendwas anderes."
Interessant war immerhin zu erfahren, dass ausgerechnet der Kino-Märchenmeister Spielberg seinen Kindern die Informationen von CNN vorenthält. "Die Nachrichten sind längst nicht mehr so sorgfältig zensiert wie zu meiner Zeit, und die Dinge sind derart beängstigend heutzutage, dass ich sie meinen Kindern lieber selbst verkünde, als das CNN zu überlassen." Im Übrigen seien die Fernseher seiner Kinder mit Sperren ausgestattet, die nur "Disney Channel, Discovery und Nickelodeon" passieren lassen. Doch die Informationszensur im Hause Spielberg hat auch Lücken. Neulich verriet Spielbergs Jüngste mit den an ihre Schwester gerichteten Schimpfworten "You suck! You suck!", dass sie unerlaubt die freche Zeichentrick-Serie "South Park" auf Comedy Central geguckt hatte.
Dass die Informationstechnologie nicht nur im Film und im Kinderzimmer Tücken hat, ist auch Spielberg nicht entgangen. "Je umfassender die Technologie wird, desto stärker verlieren wir persönliche Freiheiten. Philip K. Dick war ein Paranoiker für jede Gelegenheit, und er sorgte sich schon vor fast sechzig Jahren über die Dinge, über die ich mir heute noch Sorgen mache. Der Verlust der Privatsphäre ist eines davon." Derzeit, so Spielberg weiter, gebe man in Amerika freiwillig Freiheiten preis. "Wir gewähren dem Establishment tieferen Einblick in jedermanns Leben, um die Gefahren, die unseren eigenen Gemeinschaften lauern, aufzudecken. Die Frage ist: Wenn diese Krise vorüber ist - werden wir dann unsere Privatsphäre von vor dem 11. September zurückbekommen?"
Es scheint wie ein sinistrer Zufall, dass Spielbergs Film über präkognitive Verbrechensbekämpfung just zu jener Zeit ins Kino kommt, da George W. Bush seine Strategie des präventiven Erstschlags verkündet. Doch in Sachen Irak hält Spielberg Bushs Haltung für durchaus angebracht. "Wir wollen doch nicht in fünf Jahren dastehen und sagen: Warum hat die Welt nicht reagiert, als sie die Gelegenheit dazu hatte?"
Für seine fiktive Zukunft in "Minority Report" hatte Spielberg übrigens eigens eine Riege aus 24 Futuristen antreten lassen, die ihm die Welt im Jahr 2054 ausmalen sollten. "Die beste Idee, die wir nicht benutzt haben", erklärte der Regisseur, "war der sogenannte Smart John, das Kluge Klo. Es analysiert postwendend, was man vernünftigerweise essen und worauf man lieber verzichten sollte. Das war mir dann doch ein bisschen viel Information..."
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