Washington - Mehrere Eltern, deren Kinder bei einer Schulschießerei in Kentucky 1997 getötet wurden, verlangen 130 Millionen Dollar Schadensersetz von jenen, die sie für die Anstifter halten: Videospielhersteller und Produzenten wie die des Films "Thea Basketball Diaries" mit Leonardo DiCaprio. Der Todesschütze von Kentucky hatte zugegeben, daß die Traumszene ihn animiert habe, in der DiCaprio mit wehendem schwarzen Mantel in seine Schule geht und alles niedermäht.Die Killer aus LIttleton hatten die Szene auf Video nachgestellt.
Hollywood ist mal wieder als Sitz des Bösen entdeckt worden, das Amerika zu seinem hilflosen Opfer macht. Nach sechs großen Schießereien in den letzten eineinhalb Jahren wird die Stimmung gegen die Filmemacher so groß, daß sich jetzt sogar Präsident Clinton zu einem Appell gezwungen sah.
US-Präsident Bill Clinton rief am Samstag auch Hollywood und die Unterhaltungsindustrie auf, mehr gegen die Gewalt Jugendlicher zu tun. "Auf unseren kleinen und großen Bildschirmen gibt es nach wie vor zuviel Gewalt", kritisierte Clinton. Mehrere neue Fälle in Michigan und in Indiana zeigten unterdessen, daß die Bluttat zweier Schüler vom 20. April an der Columbine High School von Littleton noch immer Nachahmer findet.
Clinton setzte sich in einer Ansprache dafür ein, daß in der von Kindern gesehenen Werbung keine Schußwaffen gezeigt werden. Kinos und Video-Verleiher müßten das Alter ihrer Kunden besser kontrollieren. Die Filmindustrie solle außerdem das Bewertungssystem ihrer Produkte überprüfen, um Jugendliche besser zu schützen.
Doch die Chancen stehen schlecht, daß Hollywood nun auf Action-Filme und starke Bilder verzichtet. Nicht einmal das Tauziehen im amerikanischen Senat um eine Verschärfung der Waffengesetze nähert sich einem Ende. Nachdem zuerst ein Vorstoß der Demokraten zu Pflichtüberprüfungen von Käufern auch auf Waffenschauen gescheitert war, machten die Republikaner am Freitag nach heftiger Kritik eine Kehrtwende und brachten ihrerseits einen Vorschlag zur Einführung derartiger Nachforschungen zur Abstimmung. Obwohl dieser angenommen wurde, ist der Streit um strengere Gesetze damit noch nicht beendet.
Die Gesetzespassage fand zwar eine hauchdünne Mehrheit. Nachdem aber Demokraten und Präsident Bill Clinton «Schlupflöcher» bemängelt hatten, sagten die das Parlament beherrschenden Republikaner eine erneute Überprüfung zu. Über weitere Verschärfungen und abschließend ein Gesamtgesetz zur Jugendkriminalität könnte in der kommenden Woche abgestimmt werden. Da das Repräsentantenhaus noch keine Debatte zu neuen Waffengesetzen angesetzt hat, ist offen, ob in absehbarer Zeit überhaupt verschärfte Bestimmungen in den USA in Kraft treten können.
Ein Teil der Waffen, die beim Blutbad in Littleton mit 15 Toten verwendet wurden, waren auf einer Waffenschau gekauft worden. Bisher mußten nur lizensierte Händler Kunden vor der Aushändigung von Waffen überprüfen, nicht jedoch unlizensierte wie Privatleute oder Hobbysammler. Clinton hatte nach Littleton wiederholt darauf beharrt, diese seiner Ansicht nach gefährliche Gesetzeslücke nun zu schließen.
In Port Huron (Michigan) wurden vier Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren festgenommen, weil sie die Ermordung von Lehrern und Schülern ihrer Schule geplant haben sollen. Auf dem Schulgelände war eine Bombe entdeckt und entschärft worden, als in der Schule gerade eine Veranstaltung zum Thema Schülergewalt stattfand. Es war zunächst unklar, ob die festgenommenen Schüler die Bombe dort plaziert hatten. In Indiana soll ein 13jähriger sieben Rohrbomben gebastelt und dann an den Fahrzeugen der Eltern einer Klassenkameradin befestigt haben.
Für die Schüler der nordtexanischen Kleinstadt Allen bei Texas ist das Schuljahr zwei Wochen früher als geplant zu Ende gegangenen. Nach einer Serie von Bombendrohungen - achtmal mußten die Schulen in den vergangenen Wochen evakuiert werden - schlossen die Behörden jetzt alle Schulen. Nach der Schießerei in Littleton (Colorado), bei der 15 Menschen starben, gab es in vielen US-Schulen Bombendrohungen. Bei der Spurensuche in Littleton, die bis Ende Mai abgeschlossen sein soll, wurden neben Schußwaffen auch mehr als 50 Bomben gefunden.
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