Von Daniel Haas
Die griechische Frau, so lernen wir aus dem Off gleich zu Beginn, hat drei Aufgaben: einen Griechen zu heiraten, griechische Kinder in die Welt zu setzen und alle bis ans Lebensende zu füttern. So stellt es sich Papa Gus (Michael Constantine) für seine Tochter Toula (Nia Vardalos) vor; so ist's geplant seit Alters her, man gehört zum ältesten Kulturvolk der Welt, auch wenn man, dankbar für die große Chance, im Schmelztiegel Amerika gestrandet ist.
Das griechische Girl verliebt sich in den Yankee Ian (John Corbett), einen netten Lehrer aus bestem angelsächsischen Hause. Das wird bevölkert von Mum und Dad (Fiona Reid und Bruce Gray), zwei reservierten Protestanten, die so wenig mit den zukünftigen Schwiegereltern ihres Sohnes anfangen können wie dieser mit den Riesenmengen Gyros, die man ihm nun regelmäßig vorsetzt: Ian ist Vegetarier.
Leicht verdaulich - trotz großer Fleischplatte und Ouzo en masse - ist alles an dieser Komödie, die bereits letztes Jahr die amerikanischen Kinocharts stürmte. Überraschungshit heißt es im Jargon. Der größte aller Zeiten auch noch, wie die amerikanische Fachpresse jubelt. Warum eigentlich? Wann hat die Formel vom hässlichen, hier griechischstämmigen Entlein, und dem Prinzen einmal nicht verfangen? Das Ziel ist die Heirat, der Weg ist der Film. Man hat Hollywood die Paarbildungsmaschine genannt, und es stimmt: In der "fetten" Hochzeit wird eine schlanke Idee mit dem Plunder alter Gag-Routinen so lange gemästet, bis man - wie die Helden - am Ende nur noch eins sagen kann: Ja, ja, in Gottes Namen ja!
Alle Ladenhüter aus dem Repertoire der Stand-up-Comedy erscheinen hier neu aufpoliert im Licht der Multikulti-Komödie. Die Ausdauer und Selbstverständlichkeit, mit der dabei ethnische Klischees aufgetischt, gebrochen und reinstalliert werden, ist wirklich beachtlich. Griechen trinken viel Schnaps, sind laut, essen bergeweise Fleisch. Amerikaner sind dann aus dramaturgischen Gründen das Gegenteil. Jene wenn auch minimale Abweichung, die einen standardisierten Charakter liebenswert macht; die feine Überzeichnung an einer bestimmten Stelle, die Figuren plastisch werden lässt, sie fehlt. Ob Toula Griechin, Italienerin oder Latina ist, spielt letztlich keine Rolle. Statt Gyros nehme man Tapas, serviere das Ganze mit ein bisschen Musik von Ricky Martin - heraus kommt derselbe Film.
Dass die von Tom Hanks mitproduzierte Low-Budget-Romanze als Komödie reüssiert, wirft ein kritisches Licht auf die amerikanische Filmlandschaft als Ganzes. Wer letztes Jahr nach geistreicher Romantik suchte, wurde mit konventionellem Blockbuster-Starkino abgespeist. Die Rolle der verliebten Heldin haben sich Stars wie Sandra Bullock, Jennifer Lopez, Gwyneth Paltrow und Julia Roberts aufgeteilt; ein heiß umkämpftes Terrain, weil es den Studios Marktanteile und den Schauspielerinnen Imagewerte sichert.
Schön, vielseitig und fotogen müssen sie sein, die Prinzessinnen Hollywoods, und bezeichnenderweise beschreiten sie nun den umgekehrten Weg, den die Top-Models der Neunziger Jahre gingen: vom Filmset auf die Titelseiten der Hochglanzmagazine. Vardalos und Corbett taugen dankenswerterweise nicht zum Verkauf exklusiver Kosmetik; sie könnten Leute sein wie du und ich. Doch auch ihre Gesichter sind lediglich Masken eines straff exekutierten Programms, das keine moralischen Abweichungen duldet. Erneut träumt Hollywood den Traum einer transethnischen Verständigung, den die kulturelle und politische Realität Amerikas jedoch täglich ad absurdum führt.
"My Big Fat Greek Wedding". USA 2002. Regie: Joel Zwick. Buch: Nia Vardalos. Darsteller: Nia Vardalos, John Corbett, Lainie Kazan, Michael Constantine, Gia Carides; Produktion: Lions Gate Films, Playtone, Gold Circle Films, HBO; Verleih: 20th Century Fox; Länge: 95 Min., Start: 23. Januar 2003
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