Mittwoch, 10. Februar 2010

Kultur



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20.05.2003
 

Verbrechen und Fantasy

"Es gibt keine Matrix, nur die Realität"

Die Produzenten der Science-Fiction-Saga "The Matrix" wehren sich gegen vermeintliche Verbindungen zwischen ihrer filmischen Phantasie-Welt und echten Verbrechen. Mehrere des Mordes angeklagte Amerikaner hatten sich in ihrer Verteidigung auf die "Matrix"-Filme und ihr verwirrendes Spiel mit Realitäten berufen.

Schauspieler Fishburne in "The Matrix" (1999): Was ist real?
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Warner Bros.

Schauspieler Fishburne in "The Matrix" (1999): Was ist real?

Los Angeles - Für die meisten Leute sind der Kultfilm "The Matrix" und sein soeben in Amerika angelaufener Nachfolger "The Matrix Reloaded" ganz normale Kino-Spektakel, deren besonderer Reiz vielleicht darin liegt, dass in der actionreichen Fantasy-Saga einige interessante, pseudophilosophische Fragen aufgeworfen werden: Was ist real? Ist die Welt, wie wir sie sehen, nur eine Computeranimation? Die haarsträubenden Kampfsport-Stunts der in Latex und Leder gekleideten Akteure der "Matrix"-Filme unterfüttern diese Thesen mit wiederum computergenerierten Spezialeffekten, die Schwerkraft, Zeit und stoffliche Aggregatzustände aufheben - in Kino wohlgemerkt.

Dennoch scheint die "Matrix" sich tatsächlich auch in der realen Welt zu manifestieren, denn wie die "Washington Post" am Wochenende berichtet hatte, berufen sich derzeit gleich mehrere des Mordes angeklagte Amerikaner auf die bahnbrechenden Action-Filme der Regie-Brüder Larry und Andy Wachowski, darunter auch Lee Boyd Malvo, der "Sniper" von Washington D.C.. Während Malvo an seine Zellenwand die rebellische Parole "Befreit Euch von der Matrix" schrieb, gaben die anderen, zwei Männer und eine Frau, an, während ihrer unterschiedlichen Mordtaten in der Matrix gelebt zu haben. Tonda Lynn Ansley aus Ohio und Vadim Mieseges aus San Francisco hätten jeweils ihre Vermieter umgebracht und waren nach ihrer Berufung auf die Phantasiewelt der "Matrix"-Filme wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen worden, so die "Post".

Die Produzenten der beiden erfolgreichen Filme - allein "The Matrix" spielte seit 1999 450 Millionen Dollar ein - beeilten sich in den vergangenen Tagen, die Verbindungen zwischen den echten Verbrechern und ihrer Fantasywelt herunterzuspielen. Das Hollywood-Studio Warner Bros., das die "Matrix"-Filme vertreibt, sprach zwar den Opfern der Täter sein Beileid aus, fügte jedoch hinzu: "Jeder Versuch, diese Verbrechen mit einem Kinofilm oder irgendeiner anderen Kunstform in Verbindung zu bringen, ist verstörend und unverantwortlich." Produzent Joel Silver sagte am Montag bei einer Pressekonferenz in Toronto, dass immerhin zahllose andere Kinogänger beide Filme gesehen hätten, ohne danach jemanden zu töten. "Ich kann nur sagen, dass 15 Millionen Leute den Film gesehen haben und ich nicht weiß, wo da die Verbindungen sind."

Laurence Fishburne, der in der "Matrix"-Saga den enigmatischen Rebellenführer Morpheus spielt, klang wie sein filmisches Alter Ego, als er Reportern sagte: "Es gibt keine Matrix, nur die Realität."

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