Von Manfred Müller

Legionär Brendan Fraser, Archäologin Rachel Weisz
Es war augenscheinlich kein Schönheitsschlaf, mit dem der altägyptische Hohepriester Imhotep die letzten 3300 Jahre unter dem Wüstensand zugebracht hat. Da waren vor allem die letzten Jahrzehnte allzu turbulent. Der alte Schwerenöter, dem eine flagrante Affäre mit der Gattin seines obersten Dienstherrn und Gottkönigs Pharao zum Verhängnis wurde, sieht zunehmend angefressen aus, seit Boris Karloff ihm 1932 zu einem glanzvollen Leinwanddebüt verholfen hat. Wer wollte ihm also seine löchrige Lederhaut verdenken. Mehr als ein halbes Dutzend Mal wurde er seitdem in seiner Grabesruhe gestört, und in der Regel waren es filmische Petitessen, für die er aus dem kühlen Sarkophag ins grelle Scheinwerferlicht beordert wurde. In der jüngsten Neuauflage von Karl Freunds Leinwandklassiker dominieren erwartungsgemäß die technischen Effekte.

Was dann folgt, ist Filmgeschichte. Imhotep will im Körper der schönen Wissenschaftlerin seine verblichene Geliebte wiederbeleben, wofür ihn Rick zurück in den ewigen Schlaf befördern möchte. So entspinnt sich ein lebhaftes Spektakel zwischen verwinkelten Basaren und unterirdischen Grabkammern, mit halsbrecherischen Verfolgungsjagden, fleischfressenden Skarabäen und jeder Menge Mummenschanz.
Mit zunehmender Spielzeit erinnert das muntere Grusical mehr an die Indiana-Jones-Sequels als an Karl Freunds Vorlage, in der Boris Karloff noch vornehmlich schauspielerische Akzente setzte. Die sublime Sexualität in Karloffs dämonischen Auftritten, seine magische Aura zwischen Eros und Tanatos, finden in Stephen Sommers Inszenierung keine Entsprechung. Statt auf verfängliche Doppelbödigkeiten setzt er auf unanstößiges Family-Entertainment. Klamauk geht vor - das allerdings mit der gebotenen Routine. Zwar erreicht Brandon Fraser nicht die Ausstrahlung eines Harrison Ford, und Rachel Weisz wirkt so fleischlos wie die vertrockneten Mumien, nach denen sie die Erde umgräbt. Aber im Kino der Effekte muß das nicht weiter ins Gewicht fallen.
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