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07.08.2003
 

Blue Crush

Und ewig locken die Wellen

Von Daniel Haas

Auch Mädchen können surfen: Regisseur John Stockwell schickt in "Blue Crush" gleich mehrere mutige Damen aufs Brett. Inhaltlich surft der Film geschickt zwischen Sozialkritik und Sportspaß hin und her.

 Auf der Flucht vor einem Spießerleben: Anne Marie (Kate Bosworth)
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AP

Auf der Flucht vor einem Spießerleben: Anne Marie (Kate Bosworth)

"Gehe hinaus mit einem flachen Brett, sechs Fuß lang, drei Fuß breit und leicht oval in seiner Form. Lege dich darauf, wie sich ein kleiner Junge auf seinen Schlitten legt und paddle mit deinen Händen hinaus ins tiefe Wasser, wo sich die Wogen zu heben beginnen." So zu lesen bei Jack London, den der Ruf der Natur hinaus aufs Wasser trieb. Surfen hat eine lange Tradition, nicht nur bei Sportlern. Auch Autoren und Filmemacher hat der rasante Wellenritt stets begeistert. Und überhaupt: Was wäre Popkultur ohne Surf-Hits, Bermuda-Shorts und Hawaii-Hemden?

Das Surfen ist eigentlich eine Jungs-Domäne, ideal fürs pubertäre Kräftespiel. "Blue Crush" hat sich, angelehnt an Susan Orleans Reportage "Surf Girls of Maui", eine Heldin ausgesucht: Anne Marie (Kate Bosworth), verängstigt von einem beinahe tödlichen Surf-Unfall und doch auf dem Sprung in die ganz große Karriere. Begleitet wird sie von ihren Freundinnen Eden (Michelle Rodriguez) und Lena (Sanoe Lake). Mädchen, die wie sie nur eines wollen: Raus aus dem Alltag, rauf aufs Brett und vielleicht irgendwann auf der Titelseite eines der großen Surf-Magazine wieder auftauchen.

Regisseur Stockwell nimmt die Alltagsprobleme seiner Figuren ernst: Der Film zeigt das schlecht bezahlte Jobben im Luxushotel, die täglichen Probleme mit der kleinen Schwester, die Aufregung bei einem unerwartet folgenreichen Flirt. Ähnlich wie der von Nick Cohns Journalismus beeinflusste "Saturday Night Fever" präsentiert "Blue Crush" Kids der Working Class auf der Flucht vor einem Spießerleben. In einer Welt versachlichter Beziehungen und wirtschaftlicher Zwänge bedeutet der Ritt auf einer Welle größtmögliche Freiheit.

 Surfende Girlie-Gang: Träume am Strand von Hawaii
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Surfende Girlie-Gang: Träume am Strand von Hawaii

Diese Freiheit zu bebildern gelingt "Blue Crush" wie nie einem Surf-Film zuvor. Von überwältigender Materialität und Dynamik sind Fotografie (David Hennings) und Schnitt (Emma E. Hickox). Man wird hineingerissen in die aufsteigenden Wände der Riesenbrecher, hinabgedrängt in den Orkan, der sich unter Wasser nach dem Einbruch einer Welle bildet. Zum Greifen nah ist diese Szenerie aus Licht, Weite und Meer. Das wahre Leben im falschen, wenn es je möglich war, dann hier.

Dass Anne-Marie von ihrer besten Freundin zu Training und Meisterschaftsteilnahme regelrecht gezwungen wird, verschafft "Blue Crush" jedoch einen ungemein harschen Unterton. Das zweckfreie Ritual des Wellenritts könnte der Entfremdung ihres Daseins entgegentreten. Allzu viel Eskapismus wird Anne-Marie aber nicht gestattet. Schließlich ist "Blue Crush" auch ein kleiner Entwicklungsroman, an dessen Ende Einsicht und Integration stehen müssen. Und so erzählt dieser wunderbar sport- und bildverliebte Film letztlich wieder die Geschichte vom survival of the fittest.


Blue Crush (Blue Crush)

Regie: John Stockwell. Darsteller: Kate Bosworth, Michelle Rodriguez, Matthew Davis, Sanoe Lake. Universal Pictures. 104 Minuten. Start. 7.8.2003

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