Von Daniel Haas
Aus düsterem Starren und einer halb geöffneten Bluse besteht dieser Film, aus Bruce Willis' bohrendem Blick, der besagen soll: Ich denke nach, ich wäge ab. Und aus Monica Belluccis Dekolleté, dem Dschungelfeuchte- und -hitze nichts anhaben können. "Tränen der Sonne" bebildert vorgeblich eine militärische Operation und ist dabei nur ein kosmetisches Projekt: Schön geschminkt werden US-amerikanischer Missionseifer und machtpolitischer Größenwahn.
Fuquas Kriegsfilm hat all seinen Sinn an der Oberflächliche versammelt, gleichsam auf die Haut der Figuren projiziert: Es gibt neben dem Schweiß, dem Blut, den Tränen kein wirklich inhaltliches Gerüst, das mit Bildern bemäntelt werden müsste. Deshalb darf Belluccis Make-up auch resistent sein gegen schlimmstes Urwald-Klima (wo ist die Werbeagentur, die hier den ultimativen Verkaufskniff erkennt?), deshalb bezeichnen Willis' bohrende Blicke letztlich nicht Introspektion, sondern dumpfes Dämmern im Nirgendwo.
Und dort, im Nichts eines gesichtslosen Dschungels, irgendwo in Nigeria, lauert ein muslimischer Bürgerkriegsmob, blutrünstig, gewaltbereit. Christen, Frauen und Kinder sind die bevorzugten Opfer dieses Diktatoren-Pöbels (die demokratische Regierung ist kurz zuvor gestürzt worden), eine Missionsstation wird gebrandschatzt, ihre Mitarbeiter gelyncht. Willis und Bellucci sind die idealen Helden, um hier ein Monument menschlichen Stolzes aufzurichten: Sie als Ärztin Dr. Lena Kendricks, eine Art Mutter Theresa mit Mannequin-Appeal, er als Elite-Soldat A.K. Waters mit eindeutiger Mission: Kendricks zurückzubringen, Hilflose und Kranke zurückzulassen.
Es kommt zum moralischen Duell, Humanitas versus Pragmatismus, und klar ist auch, wer siegen muss. Amerikas Dilemma, sich einfach nicht raushalten zu können aus den Tragödien dieser Welt, auch hier. Willis und Kombattanten kehren um, "um die da rauszuholen", inklusive wilder Verfolgung durch marodierende Rebellen, Scharfschützengefechte, Helikopterspektakel und Starfightereinsatz.
Man ahnt, was Regisseur Fuqua ("Training Day") im Sinn gehabt haben könnte: einen Film über das Unmenschliche des Krieges und über die Menschlichkeit von Soldaten, über die simple Logik des Extremismus und die komplexen moralischen Entscheidungen, die Kriege Menschen abverlangen. Doch was passiert, wenn Staatsräson und Individualmoral aufeinanderprallen, kann nur zeigen, wer sein Erzählszenario nach wenigstens einigermaßen wahrscheinlichen Parametern gestaltet.
"Tränen der Sonne" hat sich aus den geopolitischen Verhältnissen - trotz eingeblendeter Landkarten-Inserts - ins Niemandsland eines mythischen Dschungels verabschiedet. Hier schwirren bei Gefahr Paradiesvögel aus turmhohem Buschwerk auf, und glutäugige Schwarze danken ihren weißen Rettern. Das Strukturelle politischer Sinn- und Schuldzusammenhänge löst sich in Ornament und Staffage.
"Ich habe gegen meine eigenen Regeln verstoßen. Ich habe angefangen, mich zu kümmern." So begründet Waters seinen Gesinnungswandel und stilisiert sich und den Weltpolizisten USA gleichsam zum Retter als Opfer. Opfer eines übergenauen Gewissens, das die Vertreibung aus dem Paradies politischer Neutralität nach sich zieht. Als seien die weltweiten Interventionen in Krisenregionen - egal welcher Nation - nicht stets zumindest teilweise von Eigeninteresse geleitet gewesen. Ob Nigeria, Somalia ("Black Hawk Down") oder Vietnam ("Wir waren Helden"): Schauplätze maßloser Gewalt und überwältigenden Elends zum Ort der fortgesetzten Selbstmystifizierung zu machen, hat einen schalen Beigeschmack.
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