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09.10.2003
 

"The Good Thief"

Der Künstlerdieb und seine Konkubine

Von Daniel Haas

Der Dieb als Künstler, Hasardeur und Lebemann: Neil Jordan verfilmt Jean-Pierre Melvilles Krimiklassiker "Bob le Flambeur" neu - mit sanfter Ironie, exzellenten Darstellern und visueller Brillanz.

Wenn Bob seine Abenteuer zum Besten gibt, dann ist vermutlich nur die Hälfte wahr - wenn überhaupt. Lügen, sich eine Geschichte erfinden, dies macht der alternde Bonvivant mit Hingabe und beispielloser Lässigkeit. Und niemand nimmt ihm seine Münchausenerien übel, schon gar nicht Roger (Tcheky Karyo), der Polizeikommissar. Er liebt Bob wie einen Bruder und versucht, ihn vor sich selbst zu schützen. Nichts liegt ihm ferner, als den verehrten Lieblingsgauner zu verhaften.

Doch Bob plant den finalen Coup - einen Casinoraub, es geht um viel Geld, Glamour und Grandezza; schließlich ist es Monaco, das hier um ein paar Millionen erleichtert werden soll. Der Grandseigneur des Glückspiels, des Rauschs, der verwegenen Amouren, heroinabhängig und süchtig nach Gefahr - er will Fortuna ein Schnäppchen schlagen, nur noch dieses eine Mal...

Nick Nolte steht als Hauptdarsteller im Zentrum von Neil Jordans Remake des Jean-Pierre-Melville-Klassikers "Bob Le Flambeur" (1955). Im französischen Original war Bob (damals: Roger Duchesne) ein aalglatter Profi, der sich souverän durch Melvilles kühle Filmwelt bewegte. Nolte, mit zerknautschter Miene des Lebemanns, macht Bob zur selbstironischen Passionsfigur, einem sympathischen Zocker zwischen Selbstzerstörung und Savoir vivre.

Nizza und Monaco sind die Kulissen für diesen wunderbaren Krimi; prächtige Küstenlandschaften wechseln mit verraucht-verruchten Bars, in denen Bob und seine Entourage zu Hause sind. Kameramann Chris Menges porträtiert dieses Millieu mit schattenhaften Blautönen, kontrastiert vom strahlenden Luxus der Riviera. Hier trifft der expatriierte Amerikaner Bob auch die junge Prostituierte Anne (Nutsa Kikhianidze). Er nimmt sie auf und macht sie zur Muse für seine kunstvoll geplante Gaunerei.

Ein genialer Plan: Nicht das Geld, sondern die im Casino ausgestellten Bilder will er rauben. Allesamt Meisterwerke der klassischen Moderne und - Fälschungen. Die Originale wiederum sind in einer benachbarten Villa untergebracht - ein Trick, den sich Bob zunutze macht. Wie? Dies zu verraten, hieße das Amüsement zu schmälern, das der raffinierte Plot und seine Volten bereiten. Am Ende jedenfalls läuft alles anders und ist doch perfekt arrangiert.

Bob ist ein Künstlerdieb, deshalb bewundert er auch Picasso, von dem er schwärmt, er sei der größte Räuber von allen gewesen. Und auch Jordans Film klaut großartig Ideen, Motive und Stillagen aus der Filmgeschichte: "The Good Thief" ist ein mit Jazz-Flair beschwingter Film noir, durchsetzt mit großem Drama und herrlichem Humor. Wie so oft hat sich der Regisseur von "Mona Lisa" und "The Crying Game" gestrauchelten Figuren angenommen, präsentiert werden sie hier aber mit herrlicher Leichtigkeit.

Allen voran natürlich Bob selbst. Welterfahren und ausgebufft machen ihn seine Lügen zum perfekten Kinohelden. Denn Film ist ja selbst ein Spiel der Täuschungen, ein mediales Gaunerstück, das lustvoll Fakten und Fiktion, Wirkliches und Inszeniertes ununterscheidbar macht.


The Good Thief
Großbritannien, Frankreich, Kanada, Irland 2002. Regie und Buch: Neil Jordan. Darsteller: Nick Nolte, Tcheky Karyo, Nutsa Kukhianidze, Said Taghaqui, Gerard Darmon. Produktion:Alliance Atlantis Communications, Double Down Productions, Metropolitan Films, TNVO. Verleih: Solo Film. Länge: 109 Minuten Start: 9. Oktober 2003

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