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06.01.2004
 

Regisseurin Sofia Coppola

"Ich muss niemandem etwas beweisen"

Von Rüdiger Sturm

Mit ihrem melancholischen Hotel-Drama "Lost in Translation" etabliert sich Sofia Coppola als eine der Regie-Entdeckungen des Jahres. Doch vorher musste sich die Tochter des Altmeisters Francis Ford Coppola erst einmal selbst entdecken.

Regisseurin Coppola: "Ich mag mäandernde Geschichten"
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AP

Regisseurin Coppola: "Ich mag mäandernde Geschichten"

"Ich weiß nicht, wer ich sein soll." Mit derlei Existenzfragen plagt sich die Hauptfigur aus "Lost in Translation" herum: Die junge Charlotte (Scarlett Johansson) hat ihren Ehemann auf einer Dienstreise nach Tokio begleitet. Gestrandet in der Anonymität eines Luxushotels brechen Selbstzweifel und Weltschmerz über sie herein.

Doch dieser Satz scheint vor allem auf Sofia Coppola, die Regisseurin und Autorin des Films gemünzt zu sein. Nicht, dass er jetzt noch auf sie zutreffen würde. Denn die Rolle der 32-Jährigen steht fest: Nach dem Überraschungserfolg von "Lost in Translation" ist sie das neue Wunderkind der Branche. Mehrere Golden-Globe-Nominierungen und Preise diverser Kritikerverbände für die beste Regie gab es bereits, die Oscar-Academy dürfte sich im Februar ähnlich gewogen zeigen. Eine Auszeichnung für das beste Originaldrehbuch erscheint realistisch.

Aber der Weg zu dieser Identität verlief alles andere als zielgerichtet. "Ich mag mäandernde Geschichten", sagt Coppola, und das gilt auch für ihre eigene Biografie. Zunächst waren es andere, die wussten, wer sie sein sollte. Vater Francis Ford Coppola verschaffte ihr schon als Baby einen Platz in der Kinohistorie. In der legendären Taufsequenz im ersten Teil des "Paten" ist sie als Neffe (!) von Michael Corleone zu sehen.

Coppola-Film "Lost In Translation", Darsteller Murray, Johansson: "Ich hatte mir auch keine Alternative überlegt"
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Constantin

Coppola-Film "Lost In Translation", Darsteller Murray, Johansson: "Ich hatte mir auch keine Alternative überlegt"

Auch in anderen Produktionen, darunter der Fortsetzung der berühmten Mafia-Saga, spielte sie kleine Parts. Dann kam die Rolle, die für andere den großen Durchbruch hätte bringen können. Für die damals 18-jährige Sofia indes wurde sie zum Fiasko: Als Winona Ryder, die weibliche Hauptdarstellerin des dritten "Paten", erkrankte, schubste Vater Francis seine Tochter ins Rampenlicht. Eines der berüchtigtsten Beispiele in der Historie der Fehlbesetzungen. Sofia spielte nun die Tochter Michael Corleones und wurde von der Presse ob ihrer mageren Leistung mit Häme überzogen. Dabei hatte sie sich noch nicht einmal um die undankbare Aufgabe gerissen: "Ich versuchte nur auszuhelfen."

Die Versuche ihres Vaters, ihre eine Position vor der Kamera zu verschaffen, waren jedoch von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn: "Ich mag nicht, wenn man mir sagt, was ich tun muss." Doch zunächst wusste sie nicht so recht, was sie selbst tun wollte. So probierte sie verschiedene Identitäten aus, ging auf die Kunsthochschule, eröffnete einen Nachtclub in Los Angeles und gründete das Modelabel Milk Fed. Ähnlich flatterhaft erscheint Coppola auch im Gespräch. Ihr Tonfall wirkt schläfrig und leicht distanziert, die Antworten sind spröde und oft unverbindlich.

Ehemaliger Coppola-Ehemann Jonze: Biografische Selbstfindung
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Ehemaliger Coppola-Ehemann Jonze: Biografische Selbstfindung

Unter dieser verschwommenen Oberfläche steckt dennoch eine traumwandlerische Bestimmtheit. Die Beteiligten ihrer Filme bescheinigen ihr, sie wisse genau was sie wolle, ohne darüber viele Worte zu verlieren. Dass Coppolas Selbstsicherheit geradezu sturköpfige Züge annehmen kann, zeigt auch die Entstehung ihres zweiten Films "Lost in Translation". Obwohl sich Bill Murray notorisch schwer engagieren lässt, hatte sie die männliche Hauptrolle, einen alternden US-Star auf Werbe-Einsatz in Japan, nur für ihn konzipiert: "Ich hatte mir auch keine Alternative überlegt. Es gab keinen, der genauso gut gewesen wäre."

Nach wie vor holt sie sich für ihre Drehbücher das Feedback ihres Vaters. Doch bei "Lost in Translation" war kein großer Widerspruch gefragt: "Ich wusste ziemlich genau, was ich mit diesem Film vorhatte." Und das ist auch für den Zuschauer wahrzunehmen. Während ihr erster Langfilm, die Verfilmung des Jeffrey-Eugenides-Romans "The Virgin Suicides" (2000), seiner eigenen Geschichte und Tonlage nicht immer sicher war, sind die Elemente von "Lost in Translation" klar und stilbewusst ausbalanciert.

Regie-Veteran Coppola: Tochter ins Rampenlicht geschubst
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REUTERS

Regie-Veteran Coppola: Tochter ins Rampenlicht geschubst

Wer dem Klatsch in Hollywood Glauben schenkt, für den beschreibt dieser Film auch eine biografische Selbstfindung. In der Tat gibt es merkwürdige Parallelen zwischen realen und fiktiven Figuren. Der Ehemann der jungen Charlotte, ein wuseliger Werbefotograf, erinnert an den Regisseur Spike Jonze ("Adaptation"), Sofia Coppolas Ex-Gatten, den sie oft bei Video- und Werbedrehs nach Japan begleitete. Dass der Charakter im Film ein enges Verhältnis mit einem blond-tumben Starlet hat, wäre demnach auch kein Zufall. Denn Jonze soll sich mit Cameron Diaz beim Dreh zu "Being John Malkovich" ein wenig zu gut verstanden haben. Und die Figur von Bill Murray? Nach dieser Lesart reflektiert die platonische Romanze zwischen Heldin und väterlichem Mentor das Verhältnis von Sofia Coppola zu Vater Francis.

Wohin führt ihr Weg nach "Lost in Translation"? Die Antworten werden wieder vage: Sie kann sich aufwändigere Projekte als die unabhängige Vier-Millionen-Produktion vorstellen, aber nicht um jeden Preis. Sie möchte nicht für Hollywood arbeiten, aber wenn sie kreative Kontrolle hätte, wäre das etwas anders. Ganz beiläufig verrät sie ihr eigenes Selbstverständnis: "Ich will keine Geschichten erzählen, die größer sind als das Leben. Ich will mit meinen Filmen etwas aus diesem Leben einfangen." So sind von ihr wohl nie ein epischer "Pate" oder ein monumentales "Apocalypse Now" zu erwarten. Sie hat einen eigenen Zugang zur Realität gefunden. Nach "Lost in Translation" stellt den keiner mehr in Frage. Auch sie selbst nicht: "Ich muss niemandem etwas beweisen."

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