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16.01.2004
 

"Der Einsatz"

Vater, Sohn, Spion

Von Daniel Haas

In Roger Donaldsons CIA-Film "Der Einsatz" bewährt sich Hollywood-Ikone Al Pacino erneut als Kino-Mentor aufstrebender Jungdarsteller. Ein Herrenabend, getarnt als Thriller.

"Der Einsatz", Darsteller Pacino, Farrell (r.): Väterliche Direktiven
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Constantin

"Der Einsatz", Darsteller Pacino, Farrell (r.): Väterliche Direktiven

Er schlief nicht, Tage lang, und so verwandelte sich sein Leben in einen Alptraum. Dass er dabei noch einen Mord aufklären sollte, den er selbst begangen hatte, steigerte die Geschichte zum grausigen Nachtstück unter der nie verlöschenden Mitternachtssonne Alaskas. "Insomnia" hieß der Film, und Al Pacino taumelte mit schlafwandlerischer Sicherheit durch die Rolle des immer wachen Cops - eine Glanzleistung vom Meister des method acting, virtuos ausbalanciert zwischen großer Geste und nuancierter Zurückhaltung.

Müde ist er geblieben, der Oscar-Preisträger und Golden-Globe-Abräumer. Als CIA-Ausbilder Walter Burke in Roger Donaldsons "Der Einsatz" gehören zu seinen Markenzeichen - neben Spitzbärtchen und Ledersakko - die imposanten Augenringe. Dieser Mann ist ein übernächtigter Mephisto mit Regierungsauftrag. Sein Job: aufgeweckte junge Männer und Frauen zum Geheimdienst zu verführen. Sein Dilemma: dunkle Sätze wie "Nichts ist, wie es scheint" raunen zu müssen, in der Hoffnung, den angehenden Agenten damit die Grundidee von Spionage beizubiegen - traue niemandem!

Pacino kann man trauen, zumindest seiner überwältigenden, streckenweise fast aufdringlichen Souveränität, ebenso wie Colin Farrell, dem Jungstar an seiner Seite. Farrell spielt mit seiner schon in anderen Action-Filmen erprobten Coolness das Informatik-As James Clayton. Auf einer Computermesse will der Absolvent einer Elite-Uni ein selbst entwickeltes Programm mit dem sinnigen Namen Spartacus verkaufen; er hat, ganz klar, einen rebellischen Touch, dieser Clayton, und ist deshalb der ideale Kandidat für Burke.

Nachwuchs-Star Farrell in "Der Einsatz": Erprobte Coolness
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Constantin

Nachwuchs-Star Farrell in "Der Einsatz": Erprobte Coolness

Clayton wird rekrutiert - im Original heißt der Film "The Recruit" - und landet mit einem Dutzend anderer Anwärter auf "der Farm", einem Trainingslager des Dienstes. Dort lernt er Layla (Bridget Moynahan) kennen, und Seite an Seite kämpfen sich die beiden CIA-Novizen durchs harte, aber unfaire Training. Lügen, betrügen, tricksen: Ein Lehrplan in Paranoia und Gewalt wartet auf die Helden und, wenn man will, ein Grundkurs in kultureller Selbstverständigung. Denn das ist, so scheint's, der Status quo in Politik und Gesellschaft in Amerika nach dem 11. September: Wir sind alle bedroht, und - wie Burke Mantra-haft wiederholt - "nichts ist, wie es scheint."

Auch "Der Einsatz" ist nicht das, wofür er sich ausgibt: kein Thriller, sondern eine Vater-und Sohn-Geschichte, angefüttert mit einer lieblos erzählten Romanze, die lediglich den konfusen Plot ins Finale bugsieren soll. Nach absolvierter Ausbildung setzt Burke seinen Schützling auf Layla an; sie sei eine Doppelagentin, die hoch brisante Software außer Landes schmuggeln will. Natürlich ist alles ganz anders und damit genau so, wie der konspirationsgeübte Thriller-Zuschauer es schon immer wusste. Der wahre Schurke, das kommt so überraschend wie Regen an einem Hamburger Januartag, ist der, den man am wenigsten dafür zu halten hatte.

Als Generationendrama ist "Der Einsatz" wiederum ein gelungenes Stück Starkino. Clayton ist scharf auf die CIA, weil er hofft, dort mehr über seinen Vater zu erfahren - angeblich ein Öl-Manager, der bei einem Unfall ums Leben kam. Burke suggeriert hingegen, dass hier ein Agent in geheimer Mission gestorben ist. Konsequent also, wenn Burke in die Stelle des Agenten-Daddys einrückt. Der väterlichen Direktiven gibt es genug, auch wenn sie bisweilen so enigmatisch klingen wie: "Du willst Antworten. Alles, was ich habe, sind Geheimnisse."

Mentor Pacino: "Nichts ist, wie es scheint"
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Constantin

Mentor Pacino: "Nichts ist, wie es scheint"

Kein Geheimnis ist hingegen, dass Pacino seit langem schon als Kino-Vater für aufsteigende Jungdarsteller fungiert. Ob in "Donnie Brasco", "Der Duft der Frauen", "Im Auftrag des Teufels" oder "Insomnia": Regelmäßig steht dieser Grandseigneur des Genre-Kinos einem jüngeren Kollegen zur Seite. Johnny Depp, Chris O'Donnel, Keanu Reeves oder Hillary Swank konnten sich gegenüber der energisch-konfrontativen Darstellung Pacinos bewähren und derart selber an Profil gewinnen. Anders als Robert De Niro, der trotz Ausflügen ins komische Fach immer der Ziehsohn von Martin Scorseses Gewalt- und Gangsterkino blieb, ist Pacino durch seine Rollen hindurch tatsächlich zu einer Art Mentor nachfolgender Darstellergenerationen geworden.

So kann man dem Film die tumbe Inszenierung, den im dritten Akt wirr dahinstolpernden Plot und die sträflich simple Freund-Feind-Ideologie ("Wir glauben an gut und böse, an richtig und falsch") letztlich nachsehen. Es ist ein Herrenabend, getarnt als Thriller, der hier zu sehen ist, ein Abgleichen der kreativen Kräfte und auch die Begegnung zweier Spielweisen: die im amerikanischen Theater des Realismus fußende Pacinos mit der am Fernsehen und seiner schnellen, schlanken Inszenierung geschulten Farrells. Dessen Karriere hat gerade begonnen, sie zu verschlafen wäre überaus schade.


Der Einsatz (The Recruit)


USA 2003. Regie: Roger Donaldson. Buch: Roger Towne, Kurt Wimmer, Mitch Glazer. Darsteller: Al Pacino, Colin Farrell, Bridget Moynahan, Gabriel Macht. Produktion: Spyglass Entertainment, Touchstone Pictures, Birnbaum, Barber. Verleih: Constantin. Länge: 115 Minuten. Start: 15. Januar 2004

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