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08.03.2004
 

Mel Gibsons "Passion"

Für Konfirmanden ungeeignet

Der Religionsfilm "Die Passion Christi" eignet sich laut einem Schreiben der Evangelischen Kirche in Deutschland wegen seiner Brutalität nicht für die Konfirmandenarbeit. Auch Regisseur Mel Gibson meint inzwischen, dass die Gewaltdarstellungen in seinem Film "das Schlimmste" seien, was er je auf der Leinwand gesehen habe.

Regisseur Gibson (mit Hauptdarsteller Jim Caviezel am Set von "Die Passion Christi"): "Das Schlimmste, was ich je in einem Film gesehen habe"
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AP

Regisseur Gibson (mit Hauptdarsteller Jim Caviezel am Set von "Die Passion Christi"): "Das Schlimmste, was ich je in einem Film gesehen habe"

Hannover - Dem Film fehle die theologische Tiefe. Dadurch könne die im Film gezeigte Brutalität nicht ausgeglichen werden, begründete das EKD-Kirchenamt am Montag ihre Einschätzung. Pastoren, die den Film mit Gemeindemitgliedern anschauen wollen, sollten ihn zuvor allein gesehen haben, um dann einschätzen zu können, ob dieser Grad an Brutalität zugemutet werden könne, heißt es in einem Schreiben an die Geistlichen. Der Film solle weder empfohlen noch skandalisiert werden.

Gibson inszeniere ein "grausiges, Blut triefendes Werk, das sich an den Schmerzen des Erlösers weidet", kritisiert die EKD. Der Regisseur bade in einer "Schmerzensmann-Frömmigkeit", die alles Gewicht auf die Äußerlichkeit des Leidens Jesu lege. In der Bibel sei der Leidensweg Jesu jedoch Abbild "der damals gewöhnlichen römischen Menschenverachtung". Aus der Geißelung Jesu, die den Passionsgeschichten nur einen Halbsatz wert sei, mache Gibson ein Viertel seines ganzen Werks.

Der Brief der EKD distanziert sich auch strikt von antisemitischem Missbrauch des Films. Manche Volksszene, manche markanten Gesichter und manche Schuldverteilung zwischen Pontius Pilatus und Juden seien problematisch und man könne sie "als Wasser auf die Mühlen des Antisemitismus verstehen". Allerdings müsse man Gibson zubilligen, dass "in seinem Film Römer und Juden gleichermaßen schlecht wegkommen". Der Regisseur wolle eine allgemeine Menschenschuld am Tod Jesu und nicht eine spezifisch jüdische Schuld zeigen.

Kartenvorverkauf gestartet

"Die Passion Christi" läuft am 18. März in Deutschland an. Er ist unter anderem wegen seiner blutigen Folter- und Kreuzigungsszenen heftig kritisiert worden. Der Film zeigt die letzten zwölf Stunden Jesu auf der Grundlage der biblischen Überlieferung. Er wurde auf Aramäisch und Latein gedreht. Dazu gibt es deutsche Untertitel. Frei gegeben ist der Film in Deutschland für Zuschauer ab 16 Jahren. In den USA erhielt das religiöse Filmwerk ein "R-Rating", das erst Zuschauer ab 17 Jahren zulässt.

In nur 12 Tagen hat der umstrittene Film in den USA und Kanada bereits rund 212 Millionen Dollar (rund 172 Millionen Euro) umgesetzte - rund das Siebenfache der Produktionskosten, die Gibson zum großen Teil aus eigener Tasche vorgeschossen hatte. Angesichts des anhaltenden Interesses rechnen Branchenexperten damit, dass der Film bald die 300-Millionen-Dollar-Marke überschreiten wird.

Auch in Deutschland haben verschiedene Kinos wegen der großen Nachfrage bereits mit dem Kartenvorverkauf begonnen, teilte der Verleih Constantin am Montag in München mit.

In einem vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift "TV Spielfilm" äußerte sich Mel Gibson unterdessen erneut zu dem Vorwurf, sein Film sei zu brutal in der Darstellung der Leiden Jesu: "Auch für mich ist es das Schlimmste, was ich je in einem Film gesehen habe. Aber ich versuche zumindest, den Zuschauer bei der Hand zu nehmen. Ich habe versucht, es so lyrisch wie möglich aussehen zu lassen." Der Film sei aber nicht "Mels Evangelium", wandte sich der Regisseur gegen Kritik, er habe eine willkürliche Interpretation geliefert. Gibson hält die Darstellung der Evangelisten für authentisch: "Diese Leute waren Augenzeugen und sind dafür gestorben, also ist es wahr... und ich wollte eine Fassung dieser Wahrheit zeigen, die nicht unter miesen Perücken und schlechter Schauspielerei leidet".

Gibsons Jesus-Film hat in den USA inzwischen auch das Interesse an dramatischen Bibel-Romanen angefacht. So wurden von US-Buchhandlungen sämtliche 1,9 Millionen Exemplare eines neuen Romans, der auf der Offenbarung des Johannes beruht, bereits drei Wochen vor dem Erscheinungstag am 30. März aufgekauft, berichtete die "New York Times" am Montag. "Dramatische Interpretationen der Bibel mit Gewaltdarstellungen werden in diesem Jahr eines der größten Phänomene der amerikanischen Kultur sein", schrieb die Zeitung.

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