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11.03.2004
 

Debatte über Jesus-Film

"Alibi der Gewalt"

Kurz vor dem Kinostart löst Mel Gibsons "Passion Christi" nun auch in Deutschland heftige Kontroversen aus. Vertreter der katholischen Kirche und des jüdischen Glaubens kritisierten vor allem die blutige Darstellung der Kreuzigung. Über den Vorwurf des Antisemitismus im Film gibt es indes höchst unterschiedliche Meinungen.

Jesus-Darsteller Jim Caviezel in "Die Passion Christi": "Rückschritt ins Mittelalter"
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Constantin Film

Jesus-Darsteller Jim Caviezel in "Die Passion Christi": "Rückschritt ins Mittelalter"

Frankfurt/Main - Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen sagte am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin", der Film sei so blutig, dass die Gefahr bestehe, "dass der Zuschauer nur das Blutige sieht und nicht die Heilsbotschaft", vor allem wenn Zuschauer nicht die Bibel kennen würden.

Thissen sprach von einem "Film voll Blut und Wunden". Die langen grausamen und blutigen Sequenzen seien schwer zu ertragen, ihn habe das Anschauen "enorm mitgenommen". Die Zuschauer sollen den Film nicht allein anschauen, riet der Erzbischof. Deshalb werde es ein Begleitprogramm der katholischen Kirche zu dem Film geben.

Allerdings teilt Thissen den von anderen Kritikern erhobenen Vorwurf des Antisemitismus nicht. Er habe keine antisemitische Zuspitzung der biblischen Erzählung entdecken können. Diese wäre auch völlig abwegig, sagte der Erzbischof. "Die Juden sind unsere älteren Brüder und Schwestern im Glauben."

Dagegen hatte der evangelische Kirchenpräsident in Hessen und Nassau (EKHN) Peter Steinacker, kritisiert, dadurch dass der Hass des Volkes auf Jesus nicht hinreichend erklärt werde, schüre der Film indirekt antisemitische Ressentiments.

Der ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, fällte ein klares Urteil: "Antisemitismus - der unter dem Deckmantel eines Films daherkommt", sagte der 48-Jährige der "Bild"-Zeitung. Friedman warnte: "Wenn ich mir vorstelle, dass wir diesen Film auch jungen Menschen zeigen und sie aus dem Film mitnehmen, dass die Juden die Verantwortung für den Tod Jesu Christi haben, dann ist dies eine explosive Brisanz, die wir nicht hinnehmen dürfen." Der Film sei "ein unverantwortlicher Rückschritt ins Mittelalter".

Der jüdische Schriftsteller Rafael Seligmann sagte im ARD-"Morgenmagazin", er sei erschüttert über die Gewalt und Unmenschlichkeit des Films. Die Christen und Juden glaubten an eine Religion der Liebe, sagte Seligmann. In Gibsons Film diene die biblische Botschaft jedoch "als Alibi der Gewalt". Was wehtue, sei die Darstellung geifernder Juden, die die Kreuzigung Jesus verlangten, und die römischen Soldaten seien Sadisten. Falsch sei die Darstellung von Pontius Pilatus als gütiger Zauderer, sagte Seligmann; denn der Statthalter sei wegen seiner Unmenschlichkeit abberufen worden. Der Film sei eine gefährliche und entmenschlichte Mixtur.

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