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Klappe für Hollywood Tote sollen aussterben

In Hollywood werden derzeit Filmszenen umgeschnitten, Titel geändert und Drehprojekte gestoppt. Schuld daran sind die Bluttaten an US-Schulen und Bill Clinton, der den Filmemachern die Liebe zur Gewalt austreiben will.

"Scream" - Horrorschocker mit Beil und Messer
Kinowelt

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Los Angeles/Washington - Bis vor kurzem fühlte sich Drehbuchautor Kevin Williamson als ausgesprochenes Glückskind. Seine Horror-Thriller wie "Scream" und "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" wurden ebenso zu Hits wie die von ihm geschriebene Teenie-TV-Serie "Dawson & Creek". Doch seit dem Schulmassaker von Littleton im April diesen Jahres hat Williamson mächtige Gegner. Bei dem Blutbad erschossen zwei junge Männer zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Beide sollen angeblich von gewalttätigen Filmen und Videospielen "stark beeinflußt" gewesen sein.

Williamsons Gegner sind keine geringeren als US-Präsident Bill Clinton und der amerikanische Kongreß. Gemeinsam begannen sie einen Kreuzzug gegen die Gewaltdarstellung in der Unterhaltungsindustrie und diskutieren seit Wochen, wie man das Kino und andere Medien an die Kandare nehmen kann.

"Arlington Road" - Psychothriller mit viel Blut
DPA

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Der US-Präsident hat eine 18monatige Studie bei der nationalen Handelskommission und dem Justizministerium in Auftrag gegeben. Darin soll untersucht werden, wie Film-, Musik-, und Videoindustrie brutale Inhalte vermarkten. Seit Anfang Juni beschäftigt sich der Kongreß außerdem mit einem Gesetzentwurf, nach dem die Unterhaltungsindustrie ein "Gewaltlabel" für ihre Produkte einführen müßte, vergleichbar den Warnungen auf Zigarettenpackungen. Den Filmemachern in Hollywood bleibt nichts anderes übrig, als sich den Weisungen der Politiker zu fügen. Deshalb muß Williamson sein Drehbuch zu "Scream 3" überarbeiten und brutale Szenen herausnehmen. Aus dem gleichen Grund mußte er sein Regiedebüt "Killing Mrs. Tingle" umbenennen, bei dem sich ein Student für seine schlechten Noten blutrünstig an seiner Lehrerin rächen will. Der Film wird nun ganz harmlos "Teaching Mrs. Tingle" heißen.

Grusel-Autor Williamson ist nicht der einzige, der sich von der Politik ins Handwerk greifen lassen muß. Derzeit geht es der gesamten Filmbranche in Hollywood an den Kragen. Und die ist nun mächtig aufgebracht: Der TimeWarner-Vorsitzende Gerald Levin und der Universal- Eigentümer Edgar Bronfman Jr. wehren sich gegen die Unterstellung, ihre Filme könnten Jugendliche zum Morden gebracht haben. "Wir geben einfach ein leichtes Ziel ab", glaubt Jack Valenti, oberster Filmfunktionär der USA. "Weichei-Kacke", schimpft Autor Joss Whedon ("Buffy, die Vampirjägerin", "Speed") über die Washingtoner Erklärungen.

"Matrix" - Schwarzbemantelte Gewaltmenschen
Warner Bros.

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Bei solcherlei Lippenbekenntnissen bleibt es aber: Tatsächlich zeigt sich die Showbranche konzessionsbereit. Die nationale Vereinigung der Kinobesitzer kündigte an, die Kontrollen beim Kartenverkauf zu verschärfen, so daß kein Minderjähriger in Filme ab 17 Jahren (wie etwa "Matrix") schlüpfen könne. Der Warner Bros.-Fernsehsender verschob die Ausstrahlung von zwei Folgen der Serie "Buffy die Vampirjägerin", in denen Jugendliche Waffen mit zur Schule bringen. CBS stoppte das Mafia-Drama "Falcone", das eine Woche nach den Morden von Littleton hätte laufen sollen.

"Jeder, der sagt, die Medien hätten damit nichts zu tun, ist ein Idiot", so der TV-Vorsitzende von CBS, Leslie Moonves. Auch bei der Akquisition von gewaltträchtigen Stoffen hat Hollywood kalte Füße bekommen. "Es macht keinen Sinn, Drehbücher mit bluttriefenden Szenen zu vermarkten", so Agent David Warden. Mehrere in der Entwicklung befindliche Projekte, die nur entfernt in die Kategorie "Teenagergewalt" gehören, wurden bereits gestoppt.

"Natural Born Killers" - Die Souveränität des Mordens
Warner Bros.

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Mancher Hollywood-Manager hofft, daß nach ein paar Monaten die Luft aus dem Thema raus ist. Schon immer reagierte die Branche auf Attacken aus Washington mit freiwilligen Zugeständnissen, bis sich die öffentliche Aufregung gelegt hatte. Das Resultat: Altersbeschränkungen im Kino, warnende Aufkleber auf Tonträgern und ein Inhaltskodex für TV-Programme. Doch bei Verletzung dieser Regeln gibt es keine ernsthaften Sanktionen. Die von Bill Clinton veranlaßte juristische Untersuchung der Marketingpraktiken könnte das ändern.

Clinton verdächtigt die Branche, Produkte, die offiziell für Erwachsene gedacht sind, für ein minderjähriges Publikum zu vermarkten. Die Medienfabriken werden gezwungen sein, den staatlichen Ermittlern interne Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Aber auch viele Macher des Showbiz scheinen umzudenken. "Bei vielen regt sich das schlechte Gewissen", bemerkt der Herausgeber der Filmzeitschrift "Variety", Peter Bart. 18 Monate dauert es noch, bis das Ergebnis des Untersuchungsberichts vorliegt. Dann wird sich keiner mehr dafür interessieren - zu diesem Zeitpunkt tobt in den USA längst der Präsidentschaftswahlkampf.

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