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23.04.2004
 

"50 erste Dates"

Täglich grüßt die große Liebe

Von Daniel Haas

Eine unvergessliche Romanze wünscht sich jeder. Was aber, wenn man jeden Tag das Gedächtnis verliert? Dann wird die Liebe zum Projekt, das nur mit viel Hingabe, Geduld und Humor zu meistern ist. So zu sehen in Peter Segals herzensguter Komödie "50 erste Dates".

Szene aus "50 erste Dates", Darsteller Barrymore, Sandler: Jeder Tag ein Neuanfang
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Columbia TriStar

Szene aus "50 erste Dates", Darsteller Barrymore, Sandler: Jeder Tag ein Neuanfang

Liebe? Kann man vergessen. Zumindest, wenn man wie Lucy (Drew Barrymore) am Verlust des Kurzzeitgedächtnisses leidet. Nach einem Autounfall wird sie Opfer einer speziellen Form der Amnesie. Sie kann sich an alles erinnern, was bis zu jenem verhängnisvollen Moment geschah, aber an nichts danach. So verbringt sie ihr Leben in der ewigen Gegenwart des Unglückstages, rührend unterstützt von ihrer Familie, die um sie herum ein potemkinsches Dorf des immer Gleichen errichtet.

Henry (Adam Sandler) ist der Typ, der vor allem eines vergisst: die schnellen Flirts, zu denen er seine zahlreichen Zufallsbekanntschaften verführt. Dass ausgerechnet er sich unsterblich in Lucy verliebt, die sich nach einem Date nicht einmal erinnern kann, ihn je kennengelernt zu haben, ist die Prämisse für ein Liebesabenteuer, das die Hollywood-Knallcharge Sandler in überraschend geistreicher und die Kino-Ikone Barrymore in gewohnt liebenswürdiger Weise präsentiert.

Amnesie-Opfer Luca (Drew Barrymore): Gewohnt liebenswürdig
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Columbia TriStar

Amnesie-Opfer Luca (Drew Barrymore): Gewohnt liebenswürdig

50 erste Dates, jeden Tag ein Neuanfang und immer wieder die Frage: Wird sie sich heute erneut in mich verlieben? Henry ist ein Sysiphos der Romantik und Wiedergänger von Phil Connors, dem egozentrischen Moderator, der in "Täglich grüßt das Murmeltier" (1993) denselben Tag wieder und wieder durchleben muss. Bill Murray spielte diesen Fiesling, der in einer Zeitschlaufe gefangen ist und als einziger weiß, dass diese 24 Stunden sich so schon x-mal abgespielt haben. Natürlich nutzt er seinen Wissensvorsprung, um sich bei Frauen einzuschmeicheln, aber am Ende wünscht auch er sich nichts sehnlicher, als der einen, aufrichtig Geliebten in Erinnerung zu bleiben.

Die Tücken und Lücken der Erinnerung gehören zum Grundinventar filmischer Erzählstoffe. So wird im Science-Fiction-Film der achtziger und neunziger Jahre das Gedächtnis zum einzig zuverlässigen Unterscheidungsmerkmal zwischen Menschen und ihren maschinellen Widersachern.

Gedächtnis-Thriller "Memento" (mit Guy Pearce): Erinnerungen unter der Haut
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Helkon

Gedächtnis-Thriller "Memento" (mit Guy Pearce): Erinnerungen unter der Haut

Auch die jüngste Kinovergangenheit erzählt von der Unmenschlichkeit eines erinnerungsfreien Lebens. In "Die Bourne-Identität" (2002) verfolgt ein Agent nicht nur Killer und Spione, sondern auch die Rekonstruktion der eigenen Geschichte, von der sein Überleben abhängt. In "Memento" (2001) leidet ein Mann nach der Ermordung seiner Frau an Amnesie. Sein Rachefeldzug wird dabei zunehmend zum Kampf gegen den täglichen Gedächtnisschwund. Unvergessen das Bild des Helden, über und über tätowiert mit Nachrichten, die nur dann überdauern, wenn sie wortwörtlich unter die Haut gehen.

Die heitere Welt der 50 ersten Dates, durchdudelt von Cover-Versionen beliebter Achtziger-Jahre-Hits im Copacabana-Stil, ist angenehm frei von kulturkritischer Diagnostik, wobei man sich fragen kann, warum ausgerechnet jetzt Erinnerung wieder verstärkt zum Leinwandthema wird. Nur wenige Wochen nach "50 erste Dates" startet Michel Gondrys Film "Vergiss mein nicht" (mit Jim Carrey und Kate Winslet) - auch hier kämpft ein Paar mit jenen Gedächtnislücken, durch die ein ganzes Liebesglück entwischen kann. In David Cronenbergs Psychothriller "Spider" (Start: 10. Juni) wird Erinnerung zum gefährlichen Konstrukt, das sowohl Filmfiguren wie Zuschauer in die Falle lockt.

Fürs Kino scheint das Gedächtnis ein perfekter Ort zur Austragung individueller Konflikte zu sein und darüber hinaus vielleicht eine passende Chiffre für die großen kollektiven Erschütterungen, die man gern vergessen möchte - und die es doch zu bewahren gilt.


50 erste Dates (50 First Dates)


USA 2003. Regie: Peter Segal. Buch: George Wing. Darsteller: Drew Barrymore, Adam Sandler, Sean Astin, Blake Clar, Rob Schneider, Dan Aykroyd. Produktion: Happy Madison, Flower Films, Anonymous Content. Verleih: Columbia TriStar. Länge: 99 Minuten. Start: 22. April 2004

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