Herr Herbig, am Donnerstag kommt Ihr neuer Film ins Kino. Zu sehen gab es bis zur Premiere allerdings nur den ersten Akt von "(T)raumschiff Suprise - Periode 1". Warum haben Sie ihn der Presse nicht schon früher gezeigt?
Michael Herbig: Ich bin schon letzten Sommer gefragt worden, zwei Wochen nach Ende des Drehs, wann der Film kommt. Vor drei Monaten ging es dann los mit der Langzeitpresse. Es leuchtet mir ein, dass man den Leuten, die etwas schreiben wollen, etwas zeigen muss. Wir haben aber nicht aktweise gearbeitet, sondern erst an den aufwendigen Geschichten. Das heißt, es war kein Akt fertig. Ich wollte aber auch keinen Zusammenschnitt aus allen Akten machen, weil es dann geheißen hätte: Er hat einfach die besten Szenen zusammengeschnitten. Also haben wir den ersten Akt fertig gestellt. Das war mit Kosten verbunden, aber wir bekamen auch ein Gefühl für Timing und Tempo des Films. Peter Jackson hat einmal einen tollen Satz gesagt: "Meine Aufgabe ist es, einen schönen Film zu machen, und nicht, mich an Termine zu halten."
SPIEGEL ONLINE: Böse Zungen könnten behaupten, Sie wollten den Film absichtlich nicht zeigen, um sich vor schlechten Kritiken zu schützen. Offiziell heißt es wiederum, es gäbe im dritten Akt einige Überraschungen, die geheim bleiben sollten. Was ist der wahre Grund für die Geheimniskrämerei?
Herbig: Im Grunde spielen da drei Faktoren eine Rolle: Erstens, die Produktion. Zweitens, selbst wenn der Film fertig gewesen wäre, hätte ich den letzten Akt nicht gezeigt. Es wäre jammerschade, wenn man vorher alles verrät. Ich gehe wahnsinnig gerne ins Kino, für mich war das als Kind schon ein Ereignis, und ich will den Zuschauern nicht den Spaß verderben. Drittens, und da ist vor allem der Verleih besorgt, die Piraterie. Beim "Schuh des Manitu" war der Druck noch nicht da. Wir waren sehr naiv und haben halbfertige Sachen verschickt. Das Video ging an alle Abteilungen, Kopierwerk, Sounddesign, Mischung - und drei Monate vor dem Start stand der Film im Netz.
SPIEGEL ONLINE: "Der Schuh des Manitu" gehört zu den erfolgreichsten deutschen Filmen, hat das Publikum aber auch polarisiert. Die einen lachten sich tot, die anderen wandten sich schulterzuckend ab. Finden Sie sich selbst eigentlich witzig?
Herbig: Mich halten viele für bekloppt, weil ich bei meinen eigenen Sachen lache. Ich kann mich auch über die Figuren, die ich darstelle, amüsieren, weil ich mich erstaunlicherweise in denen gar nicht wiedererkenne. Ich sehe mich auch nicht groß als Schauspieler. Ich gehe ja nicht auf die Bühne und gebe den Mephisto. Aber Sissi zum Beispiel, die kriege ich hin.
SPIEGEL ONLINE: Im "Schuh des Manitu" spielen sie den tuntigen Apachenhäuptling Abahachie, jetzt haben sie die Rolle des schwulen Mr. Spuck übernommen, Crewmitglied auf dem "(T)raumschiff Surprise". Was prädestiniert Sie für solche Charaktere?
Herbig: Ich bin eine Vulcanette, und die kommen schon beleidigt auf die Welt. Deshalb fressen die sich auch so einen Kummerspeck an. Ich habe für den Film extra zugenommen, "massive acting" nennt sich das. Aber ich mache keinen Unterschied, ob ich einen Studenten spiele, oder Mitglieder einer Mädchen-WG. Darum geht es ja übrigens in dem Film: um den Alltag einer Mädchen-WG. Nicht, dass das wieder jemand mit einer Komödie verwechselt - das ist mir mit dem "Schuh des Manitu" auch schon passiert.
SPIEGEL ONLINE: Erst ziehen Sie die alten Winnetou-Filme durch den Kakao, nun knöpfen sie sich "Raumschiff Enterprise" und "Star Wars" vor. Wollen Sie ein deutsches Parodie-Genre erfinden?
Herbig: Das Lustige ist - und das war auch schon beim "Manitu" der Fall -, dass die Leute aus dem Film kamen und sagten, die und die Szene stammt aus dem und dem Film. Die Leute gehen mit dem Bewusstsein ins Kino, dass sie eine Parodie sehen, und dann wird überall das Zitat gesucht. Dabei weiß ich gar nicht, ob "(T)raumschiff" überhaupt eine Parodie ist. Das ist doch eher ein Bewerbungsfilm für den Physik-Nobelpreis, wegen der Zeitreise.
SPIEGEL ONLINE: Und wie sind dann die ganzen Anspielungen und Zitate in Ihren "Bewerbungsfilm" geraten?
Herbig: Wenn man ein Genre konsequent bedienen will, dann kommt man auf diese Sachen. Zum Beispiel heißt ein Logbuch dann eben Lockbuch. Oder die Nummer mit den Namensschildern: Blickfeld, Reisfeld, Baumfeld. Wir haben das Drehbuch vor zwei Jahren geschrieben und nach einem Namen gesucht, den man mehrfach verändern kann. Und sind auf die Endung ...feld gekommen. Erst später haben wir festgestellt, dass es da einen Rumsfeld gibt und die Präsidentenberaterin Rice heißt.
SPIEGEL ONLINE: Ein Space-Taxi kurvt auch durch Luc Bessons "Das fünfte Element"...
Herbig: Reiner Zufall. Die Helden stehen im Beambereich, der Beamer ist kaputt - und was macht man da? Man bestellt sich ein Taxi.
SPIEGEL ONLINE: Nicht ganz so leicht erschließt sich Ihr Umgang mit Namen. Eine Figur zum Beispiel heißt Prinzessin Metapha. Wieso eigentlich?
Herbig: Am Anfang brachte die Figur in jedem zweiten Satz ein rhetorisches Klischee, Wendungen wie: Da müssen wir die Kuh vom Eis bringen. Dann dachten wir irgendwann, Mann, ist das blöd, und haben alles wieder rausgeschmissen - bis auf den Satz: Wir können den Sand nicht in den Kopf stecken. Der flachste Spruch von allen, dazu stehe ich. Aber einer musste sein, damit der Name gerechtfertigt bleibt.
SPIEGEL ONLINE: Und was hat es mit der "Mopsgeschwindigkeit" auf sich?
Herbig: Die hat Dr. Ferdinand Mops entwickelt.
SPIEGEL ONLINE: Natürlich.
Herbig: Das wird in dem Buch "Hintergründe, Thesen, Analysen" erklärt.
SPIEGEL ONLINE: Der Einfachheit halber: Bitte klären Sie uns auf.
Herbig: Wenn man mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist, ist das sehr problematisch. Weil sich die Lichtteilchen im Scheinwerfer stauen und der dann explodiert. Und wenn man ohne Licht im All unterwegs ist, besteht akute Gefahr - es kommt dauernd zu Auffahrunfällen. So kam man auf die Mopsgeschwindigkeit. Sie beträgt nämlich genau 0,9888 Endlosschleifchen-Lichtgeschwindigkeit. Da kann dann nichts passieren.
Interview: Marianne Wellershoff
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