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Biestige Lolita Das Gegenteil von Sex

Christina Ricci spielt in "The Opposite of Sex" mit Bravour das Mega-Luder. Doch dann wird sie vom Drehbuch gezwungen, klein beizugeben - und das bekommt dem Film gar nicht gut.

Ganze zehn Jahre war Christina Ricci alt, als sie ihre erste Rolle bekam. Neben Cher und Winona Ryder durfte sie in "Meerjungfrauen küssen besser" große Kinderaugen machen. Ihren Auftrag, nett und knuddelig zu sein, erfüllte sie mit Bravour. Doch als sie einige Jahre später wieder auftauchte, war es damit vorbei. In den "Addams Family"-Filmen kam sie gruftig daher und war mit einem heiligen und zugleich lasziven Ernst behaftet, der das Gruseln gelehrt hätte, wären die Filme nicht so lustig gewesen.

Christina Ricci
movienet

Christina Ricci

Den Ernst hat sich die inzwischen 19jährige Christina Ricci bewahrt. Hinzugewonnen hat sie eine Lässigkeit, die Darstellerinnen ihres Alters meist vermissen lassen. Ihr atemraubender Auftritt in Ang Lees "Der Eissturm", wo sie pubertäre Hormonstürme auf der Leinwand entfachte, entzückte Danny DeVito: "Das Mädchen ist hochtalentiert." Und alles andere als auf den Kopf gefallen: Da sie weiß, daß Hollywood einer jungen und noch dazu nicht mit der idealen Konfektionsgröße ausgestatteten Schauspielerin keine Chance zur Profilierung bietet, hat sie den Umweg zum Erfolg über kleine Independent-Produktionen gewählt. Neben Vincent Gallo in seinem "Buffalo 66" spielte sie, in "200 Cigarettes" von Rosa Bramon Garcia und nun in "The Opposite of Sex", dem Regiedebüt des Drehbuchautors Don Roos.

Dedee auf der Beerdigung
movienet

Dedee auf der Beerdigung

Da tritt Christina Ricci alias Dedee Truitt zu Beginn ans offene Grab ihres Stiefvaters. Die unvermeidliche Zigarette wechselt cool zwischen geschminkten Lippen und lackierten Fingern hin und her. Die Zeremonie geht Dedee gewaltig auf den Keks. Es wäre Zeit für einen kleinen Eklat, entscheidet sie, und beginnt wie wild Dinge ins Grab hinabzuschmeißen. Wenig später packt sie ihre Siebensachen und verschwindet zu ihrem Halbbruder Bill (Martin Donovan), einem schwulen Lehrer. Aus dem Off kommentiert sie ihr Tun: "Ich habe kein Herz aus Gold. Ich bin auch nicht nett. Es gibt viel nettere Leute. Wir nennen sie Verlierer."

Dedee und Matt
movienet

Dedee und Matt

Ricci-Fans dürfen nun jubilieren: Wenn das keine Paraderolle für den Star ist. Ein Luder, eine Mega-Lolita, ohne Anflug von Gewissen. Dedee macht sich an den Lover ihres Bruders heran und schafft es, daß dieser seine sexuellen Vorlieben überdenkt, Bill beklaut und mit ihr durchbrennt. Natürlich nur, um ebenfalls von ihr hintergangen zu werden.

Doch leider interessiert sich "The Opposite of Sex" dafür nicht mehr. Stattdessen muß man sich die Nöte von Bill anhören, der einen Schüler sexuell belästigt haben soll. Und dann gibt es da noch die Komplexe des Mauerblümchens Lucia (Lisa Kudrow), der Schwester von Bills an Aids verstorbenen Ex-Freund. Und schwupp ist man mittendrin in einer albernen Beziehungskomödie.

Zum Schluß – und das schmerzt am meisten – referiert Dedee über das Gegenteil von Sex. Das sei nämlich die Liebe, mit Vertrauen und Heim und Kinderkriegen. Jeder sehne sich danach. Also werde auch sie es damit mal versuchen. So stirbt die Hoffnung, eine neue Rita Hayworth wie in "Gilda" oder eine neue Barbara Stanwyck wie in "Frau ohne Gewissen" zu erleben. Und dabei hätte Christina Ricci das Zeug dazu.

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